Planspiel Landtag an der Realschule
Ungewöhnliche Miss-Töne

Die Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol (Bündnis 90/Die Grünen) und Annette Karl (SPD) standen den Schülern der Lobkowitz-Realschule Rede und Antwort.

Soll das Sitzenbleiben abgeschafft werden? Dieser Frage widmeten sich Realschüler der 10. Klasse im Planspiel "Der Landtag sind wir!". Mit professioneller Unterstützung ging's auf den steinigen Weg der Gesetzgebung.

Knapp 50 Schüler der 10a und 10e der Lobkowitz-Realschule schlüpften in die Rolle von Landtagsabgeordneten oder kritischen Pressevertretern. Sozialkundelehrerin Petra Lindner hatte das Planspiel mit Honorarkräften des "Zentrums für angewandte Politikforschung" an der Ludwig-Maximilians-Universität München in die Kreisstadt geholt.

Eingangs stand ein Antrag der SPD-Fraktion, die fordert, dass Schüler auch bei schlechten Zensuren in die nächste Jahrgangsstufe vorrücken sollen. Wäre das pädagogisch sinnvoll und würde es dem Staat auch noch Kosten sparen? Während die Abgeordneten der Freien Wähler in der zweiten Plenarsitzung für zusätzlichen kostenlosen Förderunterricht plädieren, sind die Volksvertreter der CSU ganz anderer Ansicht. Vorbehaltlose Zustimmung kommt dagegen von den Grünen. Deren Sprecher garniert seine Stellungnahme noch mit ein paar Seitenhieben in Richtung der schwarzen Mehrheitsfraktion. Ihre Abgeordneten würden nicht ihrer eigenen Überzeugung nach entscheiden, sondern sich dem Fraktionszwang beugen. Bei der finalen Abstimmung gibt's in den Reihen der CSU dann aber doch einen Parteirebellen, der sich seiner Stimme enthält und einige empörte Blicke seiner Fraktionskollegen über sich ergehen lassen muss.

Das Planspiel soll das im Sozialkundeunterricht erarbeitete Gesetzgebungsverfahren durch die praktische Anwendung vertiefen und die Rolle der Abgeordneten im bayerischen Landtag verdeutlichen. Zu diesem Zweck sind auch Vertreter der reellen Landtagsfraktionen geladen.

Annette Karl von der SPD und Jürgen Mistol von den Grünen waren in den zum Plenarsaal umfunktionierten Musiksaal der Lobkowitzer gekommen, um aus dem Nähkästchen zu plaudern. Wie Mistol zu seiner Partei gekommen sei, wollte ein Schüler wissen. Gleichberechtigung sei für ihn schon immer ein Thema gewesen und das Bayernbild der CSU habe ihm noch nie so recht zugesagt. Nach einem Wahlkampfauftritt von Franz-Josef Strauß stand für den heute 50-Jährigen endgültig fest, dass er nicht zur CSU passe. "Angst ist immer ein schlechter Ratgeber", sagte der Regensburger im Hinblick auf die Flüchtlingsproblematik. Eine gewisse Angst, dass die europäische Entwicklung wieder rückwärts verlaufe, habe er aber schon. "Ich sehe das aber mehr als Aufforderung, als Antrieb", betonte Mistol.

Ob es bei Versammlungen auch mal lauter werden könne, wollte eine Schülerin wissen. "Das ist wie im Klassenzimmer. Wenn man von etwas überzeugt ist, dann will man das auch durchsetzen", sagte der Landtagsabgeordnete. Wichtig sei aber, dass man nicht zu persönlich werde und auch nach heißen Diskussionen noch gemeinsam einen Kaffee trinken könne.
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