Reaktion auf Filial-Schließungen
Sparkasse und Raiffeisenbank können sich Kooperation vorstellen

Vorstandssprecher Josef Pflaum der Vereinigten Sparkassen Eschenbach-Neustadt-Vohenstrauß kann die Kritik am Sparkurs verstehen, verteidigt die Entscheidung aber als wohlüberlegt. Bild: Hartl

Die Schließung von Sparkassen-Filialen im Landkreis Neustadt/WN schlug hohe Wellen. Die Raiffeisenbank scheint davon zu profitieren. Vielleicht arbeiten die Konkurrenten auf dem Land bald auch Hand in Hand.

Die Bürgermeister in den vom Sparkurs der Sparkasse betroffenen Orten gingen auf die Barrikaden. Nicht ganz unerwartet, wie Vorstandvorsitzender Josef Pflaum im Gespräch mit dem "Neuen Tag" bestätigt: "Ich habe nicht unbedingt mit Jubel-Schreien gerechnet, denn die Bürgermeister haben eine Verantwortung gegenüber ihren Bürgern." Allerdings bekräftigt er abermals, dass die Entscheidung "wohlüberlegt war und die Grundversorgung auf dem Land keinesfalls gefährdet ist". Solange ein fachliches und sachliches Niveau gewährleistet ist, erklärt er sich auch zu Diskussionen mit verärgerten Kunden bereit.

Flexibilität gefordert


Den Vorwürfen der Bürgermeister entgegnet er: "Politische Hintergründe sind aus der Luft gegriffen, und die Kollegen, die im Verwaltungsrat sitzen, sind zur Verschwiegenheit verpflichtet." Den künftigen Gang zur Bankfiliale vergleicht Pflaum mit einem Termin beim Arzt, Optiker oder mit dem Einkaufen. "Das hat man auch nicht immer alles vor Ort und muss flexibel reagieren."

Die Frequenz der persönlichen Beratungsgespräche in der Filiale sei einfach zu niedrig. "Dennoch muss darauf auch zukünftig niemand verzichten. Wer eine persönliche Beratung wünscht, kann einen Termin mit dem Berater in der nächsten Filiale oder auf Wunsch auch zu Hause vereinbaren." Die Sparkasse soll es, laut Pflaum, auch in 15 Jahren noch geben. Deswegen wolle sie auch in Zukunft nicht zum Handeln gezwungen werden, sondern bereits frühzeitig Entscheidungen treffen, die auf den ersten Blick nicht für jedermann sinnvoll erscheinen.

Bisher nicht notwendig


"Auch die Raiffeisenbank wird Filialen zusammenlegen müssen, aber wir werden unserem öffentlichen Auftrag in der Region stets nachkommen." Dafür sieht Pflaum gemeinsame Filialen mit der Raiffeisenbank als realistisches Modell an. "Wir haben das schon besprochen, bisher aber nicht als notwendig erachtet. Doch bevor die Grundversorgung im ländlichen Gebiet gefährdet ist, erachte ich das als mögliches Prozedere, das in Bayern schon erfolgreich praktiziert wird."

Ähnlich sieht das Hermann Ott, Vorstandschef der Raiffeisenbank: "Bevor ein Standort komplett geschlossen wird, ist es besser, Banken und Filialen arbeiten zusammen." Die Kooperation könne einzelne Automaten oder eine gemeinsame Filiale umfassen. "Ein Geldautomat kostet jährlich 15 000 Euro. Das rechnet sich in den seltensten Fällen."

Auch Ott weiß nicht, wie sich die zunehmende Digitalisierung auf die Banken-Landschaft auswirken wird, dennoch plant die Raiffeisenbank, an den bisherigen Standorten festzuhalten. "Zudem wird etwa Parkstein zum Beratungsstandort ausgebaut." Genaue Zahlen nennt Ott nicht, aber seit Bekanntwerden des Sparkassen-Sparkurses "verzeichnen wir schon verstärkt Anfragen von Neukunden".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.