Sabrina Konrad und Maria Bräutigam-Herzner betreuen Flüchtlingskinder
Mamas für Umas

Sabrina Konrad (rechts) und Maria Bräutigam-Herzner sind für viele Flüchtlingskinder die wichtigste Bezugsperson. Bei ihrer Aufgabe könnten sie ehrenamtliche Unterstützer gut gebrauchen. Bild: fle

Manche Eltern sind bereits mit zwei Kindern überfordert. Sabrina Konrad und Maria Bräutigam-Herzner haben gleich 45 Minderjährige in ihrer Obhut. Als Vormunde von Umas - unbegleiteten minderjährigen Ausländern.

Seit 1997 existiert der Allgemeine Sozial- und Schuldnerberatungsverein (AS) in der Kreisstadt. 2013 betreut der Verein die erste Asylbewerberunterkunft (elf Plätze) und 2015 kommt durch den Flüchtlingszustrom die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge hinzu. Am 18. September letzten Jahres eröffnet der AS deshalb offiziell die Sparte Vormundschaftsverein. Aktuell treten deren Mitarbeiter Konrad und Bräutigam-Herzner als Vormund für 45 Umas zwischen 13 und 21 Jahren auf. 21 Jahre und minderjährig? "Umas werden in Deutschland volljährig, wenn sie auch in ihrem Heimatland als volljährig gelten. Das ist beispielsweise in Pakistan oder Guinea erst mit Vollendung des 21. Lebensjahres der Fall", erklärt Konrad.

Als Privatperson


Kommt ein Minderjähriger ohne Eltern nach Deutschland, egal ob allein oder im Familienverbund, nimmt sich das Jugendamt seiner an. "Letztendlich weist dann das Amtsgericht Weiden dem Jugendlichen einen Vormund zu - oft auf Empfehlung des Jugendamts." Die beiden AS-Frauen handeln zwar unter dem Dach des Vereins, übernehmen die Vormundschaft aber als Privatperson. Und übernehmen hauptsächlich die elterliche Fürsorge, die mit den drei Säulen Personensorge, Vermögenssorge und Vertretung des Kindes überschrieben ist. "Wir entscheiden zunächst, wo der Uma untergebracht wird", verweist Konrad auf vier Möglichkeiten: Jugendhilfeeinrichtung, Wohnung im Familienverbund, Pflegefamilie oder Betreutes Wohnen mit bis zu sieben weiteren Jugendlichen.

Je nach Unterbringung haben die Flüchtlingskinder im Alltag andere Bezugspersonen. "Diese kümmern sich um alltägliche Dinge wie essen, schlafen, Freizeitgestaltung, Hausaufgaben, impfen, etc.." Stehen schwerwiegende und weiterreichende Entscheidungen an, die die schulische Laufbahn oder operative Eingriffe betreffen, entscheidet letztlich stets der Vormund.

Vertrauen gewinnen


Egal, wo der Uma untergebracht wird, pflegen Konrad sowie Bräutigam-Herzner einen regen Kontakt (drei- bis viermal pro Woche) mit ihrem Mündel. "Dabei kommen ganz normale Themen auf den Tisch, wie das auch bei deutschen Familien täglich der Fall ist: Streit, Konflikte, schulische Probleme und Chancen oder der Kontakt zu Behörden", erläutert Bräutigam-Herzner. Pro Halbjahr nehmen sich beide Frauen zudem ein persönliches Gespräch mit Lehrern vor. Die Kommunikation mit den Umas gestalte sich einfacher als oftmals angenommen.

"Die Jugendlichen verstehen mehr und schneller, als sie sich reden trauen. Und wenn selbst Hände und Füße nicht funktionieren, steht uns stets ein Dolmetscher zur Seite." Die größte Herausforderung der Vormunde besteht darin, das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen. Auch hier machten die Frauen "ganz normale Beobachtungen": Manche Umas öffneten sich schneller und intensiver, während andere verschlossen auftreten und teilweise Halbwahrheiten erzählten. "Wenn die Kinder über die Fluchtgründe und die Zustände in ihren Heimatländern sprechen, fassen wir das als großen Vertrauensbeweis auf." Dabei würden Religionsverfolgung, Krieg, Terror, aber auch familiäre Probleme thematisiert: "Ein Junge sagte: 'Wenn ich zurück muss, bringt mich mein Vater um.'"

Ungeachtet derartiger Ausnahmeerscheinungen zählt die Familienzusammenführung neben der weiteren Organisation des Aufenthalts zu den vorrangigen Aufgaben der AS-Frauen. "Den Familiennachzug streben wir zum Wohl des Kindes an, wenngleich es sich hier in Kooperation mit der Ausländerbehörde um ein Prozedere handelt, das von allen Seiten ausreichend Ausdauer erfordert", sagt Bräutigam-Herzner. Daneben beschreiben beide es als ihre "elterliche Pflicht", den bestmöglichen Status für "ihre Kinder" anzustreben. Dazu zählen die schulische Laufbahn, finanzielle Selbstständigkeit und die uneingeschränkte Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland. "Sofern sich die Jugendlichen ordentlich integrieren und hier bleiben wollen", schiebt Konrad hinterher.

Bund entscheidet


Dies entscheidet letztlich aber das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Stuft es den Minderjährigen als subsidiär Schutzberechtigten ein, darf er ein Jahr in Deutschland bleiben, mit der Aussicht auf Verlängerung um weitere zwei Jahre. Erhalten die Jugendlichen den Status als Flüchtling, beträgt die Aufenthaltsgenehmigung drei Jahre. Nach Ablauf dieser Frist, schließt sich eine erneute Prüfung durch das Bamf an, ob die Flüchtlingskinder in ihre Herkunftsländer rückgeführt werden oder die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in der Bundesrepublik erhalten.

Mamas und PapasSabrina Konrad und Maria Bräutigam-Herzner sind im Hauptberuf "Vollzeit-Mamas". Sie betreuen 45 Umas, doch den Bedarf deckt ihr Einsatz bei weitem nicht. Daher appellieren sie an Bürger, es ihnen gleichzutun. "Wir benötigen ehrenamtliche Vormunde. Es ist nicht nötig, mehrere Kinder oder Jugendliche zu betreuen, es reicht schon eins", sagt Konrad. Interessierte können sich bei den beiden Frauen im AS Neustadt unter Telefon 09602/94355 melden. (fle)


Wenn ich zurück muss, bringt mich mein Vater um.Ein Flüchtlingskind
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