Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung
Keine Minutenpflege

Im Oktober wollen Thomas Baldauf, Dr. Margarete Pickert und Matthias Rössle (von links) mit der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung starten. Bild: ehi
 

Zuhause in der vertrauten Umgebung sterben. Ein Wunsch, den viele Menschen haben. Gerade bei schweren Erkrankungen ist das oft nicht möglich. In den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth sowie in Weiden will die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) Waldnaab diese Lücke schließen.

Starten will der Dienst im Oktober. "Bis dahin hoffen wir, dass die Finanzierung geklärt ist", erklärt Thomas Baldauf, Pflegedirektor der Kliniken Nordoberpfalz. Er übernimmt auch den Vorsitz der gemeinnützigen Genossenschaft. Ihm zur Seite stehen Dr. Margarete Pickert als ärztliche und Matthias Rössle als pflegerischer Leiter.

"Wir wollen uns nicht abgrenzen", fährt Baldauf fort. Die SAPV Waldnaab sei offen für alle. Bereits beteiligt sind die Diakonie, die Malteser, der Förderverein für Schwerkranke und die Kliniken Nordoberpfalz.

Wichtig ist Baldauf, dass die Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung keine Konkurrenz zu anderen (Pflege-)Diensten ist. Sie sei als zusätzliches Angebot für die allgemeine palliativmedizinische Versorgung unheilbar kranker Menschen zu verstehen.

Diese kann in vielen Fällen von klassischen Pflegediensten und den Hausärzten übernommen werden. "Zehn Prozent der Patienten brauchen eine aufwendigere Versorgung", erklärt Pickert. Zum Beispiel bei komplexeren Schmerzsituation, schweren Atemwegsbeschwerden oder einer komplizierten Wundversorgung stoßen normalen Pflegedienste an ihre Grenzen - und Handlungsbefugnisse.

10 Mitarbeiter


Mit je fünf Ärzten und Pflegekräften will die SAPV diese Lücke schließen. "Unser Ziel ist es, den Patient in seiner Häuslichkeit zu halten", betont Pickert. Immer werde das aber auch der SAPV nicht gelingen: Sind bestimmte Geräte nötig, ist ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich.

Abdecken will die SAPV die Landkreise Tirschenreuth und Neustadt sowie die Stadt Weiden, "aber auch Orte in den Randbereichen, die vielleicht zu einem anderen Landkreis gehören, aber von uns einfacher zu erreichen sind", erklärt Baldauf. Die Hilfe in Anspruch nehmen kann jeder, der sie vom Arzt verordnet bekommt. Abgerechnet werden die Leistungen über die Krankenkassen.

Ziel der SAPV ist eine 24-Stunden-Erreichbarkeit. "Viele Patienten wünschen sich, dass rund um die Uhr jemand greifbar ist", erläutert Rössle. Gerade am Wochenende oder nachts sei das nicht immer einfach.

Flexibles Angebot


"Unsere Versorgung ist auf den Patienten und seine Angehörigen zugeschnitten", fährt er fort. "Manche wünschen einen Besuch einmal pro Woche, andere nur bei Bedarf", ergänzt Pickert.

Zudem soll der Mensch als ganzes im Vordergrund stehen. Neben der medizinischen Versorgung bietet das SAPV-Team auch Beratung beispielsweise bei psychischen oder sozialen Problemen für Patient und Angehörige. "Wir machen keine Minutenpflege", unterstreicht Rössle. "Der persönliche Kontakt ist uns wichtig." Leider würde dieser Aspekt im Krankenhausalltag oft untergehen - aus Zeitgründen.

Die Geschäftsräume befinden sich vorerst in Krankenhaus Neustadt. Mit dem Umzug der Palliativstation 2018/2019 wird dann auch der ambulante Dienst nach Weiden gehen.
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