Stefan Schadeck blickt mit zwei neuen Radierungen in die Nordoberpfälzer Seele
Hofmaler der Zoiglkultur

Der Zoigl als Wimmelbild, als ironisch, satirische Charakterstudie. Stefan Schadeck betätigt sich weiterhin als Hofmaler der Nordoberpfälzer Bierkultur.

Zwei neue Radierungen des Neustädters widmen sich dem 3. Oktober in Neuhaus und huldigen der Bierkönigin. Die Gästescharen strömen in schadecktypischen Massen aus den Höfen auf den Markplatz, verbiegen sich nach Zoigl, geben sich dem Genuss und seinen Folgen hin.

Dabei ist das Motiv für den in Amberg geborenen und in Schwarzenfeld aufgewachsenen Künstler nicht neu. Seit Jahren sitzt Schadeck in den Stuben, zeichnet, karikiert, ironisiert Gesichter, Typen, Bewegungen. In der Kunstszene nennt man das wohl Milieustudien.

Dabei ist der ehemalige Kunsterzieher des Neustädter Gymnasiums mittendrin. Buchstäblich bildlich. So wie der einzelne Zoiglgast und -wirt in der Masse aufgeht, in ihrer Monotonie verschwindet, so findet sich im Strom der Gäste auch Schadeck selbst. Der Betrachter entdeckt ihn und löst ihn so aus der grauen Einheit wieder heraus.

Schadeck hat viele Geschichten versteckt: Tänzer, eine Bank mit fröhlichen Zechern mitten auf dem Marktplatz und im Vordergrund ein Motiv, das bei ihm auch in einem eigenen Ölgemälde vorkommt: der Biersee. Am Tag der Kommunbrauer baden die Zoiglgänger hier. Sie schöpfen den Gerstensaft mit ihren Krügen wie Kinder mit dem Eimerchen das Meerwasser zum Sandburgenbau. Wären da nicht die anderen Begebenheiten und die typischen Neuhauser Häuser mit dem Zoiglstern, könnte es auch aus einer Urlaubsszene am Meer stammen. Aus einem Hof - möglicherweise der vom "Bahler" - trägt eine jubelnde Menge die Bierkönigin auf einem surreal überhöhten Stuhl heraus.

Stuhl, so hoch wie ein Turm


Schadeck entwickelte aus dieser Anekdote die nächste Radierung. Vor dunklen Wänden steht der turmhohe Thron, durch zwei Fenster fällt Licht. Mit den anderen Protagonisten von Norbert Neugirg über "Teicher"-Wirt Jürgen Punzmann bis zu "Mister Schafferhof" Reinhard "Kitty" Fütterer und vielen Unbekannten huldigt das Zoiglvolk der Bier-Regentin.

Wie bei Schadecks Kompositionen zum Oberpfälzer Kultgetränk in Windischeschenbach, Neuhaus, Neustadt, Altenstadt, Hammerles und manch anderem Ort profitiert der Jung-Ruheständler heute noch davon, was er bei seinem Vater gelernt hat, der in Schwarzenfeld eine Foto-Drogerie betrieb. "Ich musste immer erst alle Perspektiven ausprobieren, bevor ich fotografierte."

AusstellungBier und Zoigl machen nur einen Teilbereich des Werkes von Stefan Schadeck aus. Weitere aktuelle Ölbilder und Radierungen des 63-Jährigen sind unter dem Titel "Phantastisches und Skurriles" noch bis Ende Januar in der Rechtsanwaltskanzlei Wanninger Partner in der Postgasse 1 in Weiden zu sehen. (ui)
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