Tragödie über den Dächern
Wahrscheinlich ist der Regen schuld: Das Storchenküken ist tot

Bis Montagabend herrschte hier noch reges Familienleben. Nun macht sich via Webcam Trauer über dem Storchenhorst breit. Bild: hfz

Was für ein Jammer: Vor einer Woche berichteten wir noch über den robusten Sprössling des Storchenpaars auf dem Landratsamt. Rührend kümmerten sich die Eltern um den Wonneproppen, der täglich wuchs und keck aus dem Horst spähte.

Doch genau dieses kernige Wesen wurde dem Küken nun doch noch zum Verhängnis. "Am Montag um 20.18 Uhr habe ich ihn das letzte Mal gesehen", ist Storchenbetreuer Gerold Haas die Trauer am Telefon anzuhören. Er vermutet, dass Dauerregen und kalter Wind dem Kleinen zu arg zugesetzt haben. "Wenn er nur kleiner gewesen wäre", seufzt Haas. "Dann hätte sich einer der Altstörche draufsetzen und ihn wärmen können."

Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt der Kadaver nun weiter im Nest. Laut Haas ist er etwa so groß wie eine Gans und noch dazu pitschnass. Daher gelingt es den Eltern offenbar nicht, ihn aus dem Horst zu werfen. "Da müsste ein Feuerwehrmann mit der Leiter rauf", meint der Storchenbetreuer. Er gibt die Hoffnung nicht auf: Wäre der Horst wieder sauber, hätte das Brutpaar Platz fürs Liebesspiel und könnte eventuell nochmal ein Ei ablegen. Das müsste allerdings bald passieren.

Doch damit kommen der Artenschutz und ein Wust an Vorschriften ins Spiel. Denn niemand kann sich so einfach dem Horst nähern. Zunächst war die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt am Zug. "Wir hatten überlegt, den Kadaver zu entfernen, aber da der Weißstorch eine streng geschützte Tierart ist, wäre für eine solche ,Manipulation am Nest' eine Genehmigung der Höheren Naturschutzbehörde erforderlich", sagt Pressesprecherin Claudia Prößl. Andernfalls würde das Amt eine Ordnungswidrigkeit begehen.

Die vorgesetzte Behörde in Regensburg wollte auch nicht vorschnell entscheiden und erkundigte sich beim Landesbund für Vogelschutz. Dort riet eine Expertin dazu, den Leichnam einfach in Frieden ruhen zu lassen. Ihr Argument: Nicht in menschlichen Maßstäben denken.

Nicht vermenschlichen


So grausam die Kindstodtragödie bei Familie Adebar klingt, bei Altstörchen seien menschliche Ekel- oder Pietätsmaßstäbe fehl am Platz. Zudem verwese der Kadaver schnell und könne dann vielleicht von den Vögeln aus dem Nest bugsiert werden. Eine andere Gefahr sei viel größer. Würden Menschen am Nest herumhantieren, bekämen die Alttiere womöglich Panik und würden sich auf Niemehrwiedersehen verabschieden.

In einem Punkt widerspricht die LBV-Frau Haas entschieden. Für eine erneute Fortpflanzung sei es dieses Jahr zu spät. Somit bleibt der Neustädter Horst im zweiten Jahr hintereinander ohne Nachwuchs. Nach menschlichen und störchischen Maßstäben ist dies übereinstimmend schlicht traurig.
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