Trockene Baustelle
Josef Plößner will erst Ende des Jahres ins „Lederer“-Haus einziehen

Die Fachwerkstruktur kommt bereits deutlich zum Vorschein. Der "Lederer" in der Lindenstraße könnte nächstes Jahr als Wohn- und Gasthaus zur Verfügung stehen. Dass es länger dauert als es der Bauherr vor zwei Jahren geplant hat, liegt auch daran, dass vor dem Einzug alle Feuchtigkeit weggetrocknet sein muss. Bild: Götz

Eigentlich wollte er im Frühjahr schon einziehen, aber bis das "Lederer"-Haus in der Lindenstraße 1 fertig ist, wird es Winter sein. Besitzer Josef Plößner findet das nicht dramatisch. "Es ist eher schlimm, dass ich nur noch ein Dreivierteljahr bauen darf, und das war es dann."

Der 30-Jährige hat Riesenspaß an seinem Erbe. Mit Begeisterung erzählt er von den einzelnen Bauschritten. In den nächsten Tagen ist der Estrich dran. Genau vor zwei Jahren hatte der Pressather mit dem Umbau angefangen. Es handelt sich um das frühere Haus seiner Großeltern Johann und Rosa Witt, bei denen er viele Ferienwochen verbracht hat.

"Vielleicht können wir schon Weihnachten drin feiern", sagt der Kaufmann, der im US-Lager Grafenwöhr arbeitet. Er will zusammen mit seiner Freundin einziehen. Doch auch die Öffentlichkeit soll etwas von dem Gemäuer aus dem Jahr 1546 haben. Plößner schwebt im weitesten Sinne eine gastronomische Nutzung vor, über die er nicht viel rauslässt: "Es kommt was, was es in Neustadt und Umgebung noch nicht gibt."

Näheres will er wohl erst am "Tag des offenen Denkmals" am 11. September bekanntgeben. Dann können Besucher auch mal einen Blick ins Innere werfen. Dort hat Plößner mit Hilfe seines Bruders und seiner Eltern gerade die spätmittelalterliche Rauchkuchl und das Speisgewölbe rekonstruiert.

Lob für Denkmalschutz


Als nächstes kommen die Fenster dran. Eines ist noch so erhalten, wie nach dem ersten großen Umbau anno 1786. In Absprache mit dem Denkmalschutz hat der Bauherr bei Firmen aus der Region Isolierglas mit antikisierten Schlieren und Winden gekauft, das sehr filigran wirkt. "Es ist toll, was man alles im Umkreis von ein paar Kilometern bekommt", schwärmt er von seinen Lieferanten. Sind die Fenster mit barocken Beschlägen eingebaut, ist die Wandheizung dran, die hinter einer dünnen Putzschicht in den Fachwerkmauern verschwinden soll. Sie soll helfen, dass das Gebäude gut austrocknet. Darin liegt ein Hauptgrund für die bisherige Bauverzögerung.

Plößner wollte dem Gebäude Zeit geben, auf natürliche Weise abzutrocknen, weil zum Teil Mauerwerk und Holz ergänzt wurden. Denn mit Feuchtigkeit ist Vorsicht angesagt. "Wenn man jetzt 100 Prozent dichtmachen würde, droht schnell Schimmel. Das Haus soll diffusionsoffen bleiben."

Nachahmer erwünscht


Das Landesamt für Denkmalpflege sei ihm eine große Hilfe, betont Plößner immer wieder. Interessierten erläutert er voller Enthusiasmus Details seiner Altbausanierung. Von der hätte er sich allerdings mehr Vorbildcharakter erhofft: " Die Leute kommen und sind begeistert, machen aber selber nichts. Dabei gäbe es in Neustadt so viele alte Häuser mit tollem Potenzial."
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