Überlebt - dank richtiger Reaktion
1. Neustädter Herztag in der Stadthalle

Die Hauptakteure des 1. Neustädter Herztags um Dr. Gudrun Graf (Zweite von links) und Sabine Guhl (Zweite von rechts) hoffen auf zahlreichen Besuch am Sonntag in der Stadthalle Neustadt. Sie sind überzeugt, dass Aufklärung viele Todesfälle durch Herzkrankheiten vermeiden kann. Bild: bgm

Es gehört Mut dazu, an einen Ort zurückzukehren, an dem man um ein Haar gestorben wäre. Rainer Konz bringt ihn auf. Im Sommer 2015 kollabierte der damals 47-Jährige in der Stadthalle. Dort ist er am Sonntag erneut. Als Teilnehmer am 1. Neustädter Herztag.

Konz erlitt bei einem Feuerwehr-Ehrenabend einen schweren Herzinfarkt. "Meine Kameraden haben mich sofort reanimiert. Dadurch bin ich noch am Leben", ist er dankbar. Heute arbeitet er wieder in seinem Beruf als Wasserwart. "Die Rettungskette hatte sehr gut funktioniert", bestätigt Notärztin Dr. Gudrun Graf, die als Präsidentin des Lions-Clubs Neustadt-Lobkowitz den ersten Herztag in der Kreisstadt initiiert hat. Am Sonntag, 23. Oktober, stehen von 9.30 Uhr bis zum späten Nachmittag Fachvorträge und eine Podiumsdiskussion mit Patienten auf der Tagesordnung.

Neben Konz wird der Vohenstraußer Bürgermeister Andreas Wutzlhofer über seine Erfahrungen berichten. Der damals 55-Jährige kollabierte vor zwei Jahren in seiner Wohnung. Unter telefonischer Anleitung durch die Rettungsleitstelle konnten ihn Verwandte und Nachbarn reanimieren. "Ich bin das lebende Beispiel dafür, dass man wieder voll im Leben stehen kann, wenn richtig reagiert wird. Ich fühl mich sauwohl", unterstreicht Wutzlhofer.

Betroffene berichten


Ganz anders erging es der damals 42-jährigen Ulrike Roll. Sie suchte mit Brustschmerzen mehrere Ärzte auf. Niemand dachte, dass die junge und sportliche Frau einen Herzinfarkt hatte. Neben den in beide Arme ausstrahlenden Brustschmerzen verspürte sie Atemnot. Trotz des eigentlich typischen Beschwerdebilds wurde der Infarkt bei ihr fast zu spät erkannt. "Ich bin familiär vorbelastet. Trotzdem will man es nicht wahrhaben", sagt Roll. Am Sonntag wird sie über ihren Leidensweg berichten. Ein schreckliches Schicksal ereilte Bernhard Adam als 44-Jährigen. Eine verschleppte Herzmuskelentzündung führte zu einer massiven Herzvergrößerung. Auch er musste reanimiert werden. Ferner brauchte er eine Herzklappe und einen implantierten Defibrillator. "Dennoch meistert er sein Schicksal mit stoischer Ruhe", lobt Dr. Graf.

Noch vieles unbefriedigend


Alle vier Patienten wurden unter Aufsicht von Professor Schwinger im Weidener Klinikum gerettet. "Die Zeit von den ersten Symptomen bis zur Alarmierung hat sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert", bedauert er. Noch immer vergingen durchschnittlich drei Stunden bis der Notruf abgesetzt wird. "Wir rechnen mit Minuten, um schneller am Einsatzort zu sein. Das hilft nichts, wenn die Leute nicht anrufen", beschreibt Graf das Dilemma. Die Wichtigkeit der Rettungskette wird Herbert Putzer, der Leiter der ILS, in der Diskussion darstellen.

Am Nachmittag folgen weitere Fachvorträge. Den ganzen Tag über wird mit einem begehbaren Herzmodell Medizin erlebbar gemacht. Der Eintritt kostet zwei Euro. Alle Einnahmen kommen der Jugendarbeit von Berg- und Wasserwacht zugute. Am Montag werden sich beim "Tag der Schulen" über 850 Mädchen und Jungen über das wichtigste Organ des Menschen informieren.

Das Programm des Herztages9.30 Uhr: Eröffnung.

10 Uhr: Professor Robert Schwinger vom Klinikum Weiden spricht über "Optimale Versorgung im regionalen Herzinfarktnetz".

10.30 Uhr: Internist Dr. Franz Beckmann vom Nierenzentrum Weiden referiert über "Herz und Niere - Warum der Nephrologe für den Herzpatienten wichtig ist".

11 Uhr: Rüdiger Hettler aus Floß stellt als Notarzt die Erstversorgung bei Herzinfarkt vor: "Jede Sekunde zählt".

13 Uhr: Podiumsdiskussion - Herzpatienten haben das Wort. Als Experten sind Professor Schwinger sowie Herbert Putzer und Jürgen Meyer von der Integrierten Leitstelle dabei.

14 Uhr: Dr. Herbert Fleischmann vom Bezirksklinikum Wöllershof erklärt den Zusammenhang von Herz- und Seelenleiden.

14.30 Uhr: Oberarzt Roman Wijenayake von der Notaufnahme im Klinikum Weiden klärt auf, was nach dem Infarkt bei der Ankunft im Krankenhaus passiert.

15 Uhr: "Der Herzpatient in der Arztpraxis" ist da Thema von Dr. Alfred Schuderer aus Floß.

15.30 Uhr: Internistin Dr. Gudrun Graf stellt die Herz-Risikofaktoren Bluthochdruck, Diabetes, Cholesterin und Rauchen vor.
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