Von Maibaumdieben, interkulturellen Festen und erfolgreichen ersten bayerischen Schritten
Bunte Farben im weißblauen Frühling

Die Feuerwehr-Festdamen aus Spielberg überwachten das Aufstellen des Frühlingsboten und setzten mehr symbolisch zusammen mit Feuerwehrvorsitzendem Josef Schwab ihre ganze Kraft ein, um den Maibaum in die richtige Position zu bringen. Bild: fvo
 
Einen internationalen Maibaum mit den Flaggen ihrer Heimatländer stellten die 29 Jugendlichen der heilpädagogischen Wohngruppen "Eiche Noah" für unbegleitete minderjährige Ausländer auf. Zum Fest waren KETO-Geschäftsführer Toni Kellermann und Einrichtungsleiterin Stephanie Bach sowie Vertreter der Jugendämter, Vormünder, Nachbarn und weitere Gäste geladen. Unter ihnen war auch Stadtpfarrer Josef Häring. Bei einem Tanz um den Maibaum bewiesen die Neu-Neustädter, dass sie die ersten bayerischen Schrittfolge
 
Andy Melischko mit der Steirischen und Michi Ziegler mit dem Tenorhorn musizierten auf dem Schirmitzer Maibaum, als die Feuerwehr ihn aus seinem sicheren Verwahrort holten. Bild: du

Unterschiedlichste Begegnungen gab es beim Maibaumaufstellen im Landkreis. Während in Neustadt Flüchtlinge ein bayerisches Fest feierten, trafen andernorts Diebe und Beklaute aus der Nachbarschaft zusammen.

Waldthurner und Flossenbürger machten vor, wie Brauchtum unkompliziert und freundschaftlich gelebt werden kann. Elf junge Männer des Burschenvereins Flossenbürg kamen in der Nacht zum Freitag um 3 Uhr zur Vereinshalle nach Waldthurn, schoben das unverschlossene Tor auf und klauten den Maibaum mit kleinem Wagen und starker Manneskraft.Um 4 Uhr fuhren sie am Waldthurner Ortsschild an der Grubmühle vorbei, um 5 Uhr war das Diebesgut sicher verwahrt im Flossenbürger Bauhof. Um 6 Uhr erfuhr Flossenbürgs Bürgermeister Thomas Meiler, dass er seinen Amtskollegen Josef Beimler in Woppenrieth anrufen soll. Der sprang aus den Federn informierte OWV-Chef Werner Pankotsch und Roman Bauer und berief eine Krisensitzung am Bauhof ein. Gegen je 50 Litern Bier vom Rathaus- und vom OWV-Chef sowie einer Brotzeit für 25 Personen brachte die Flossenbürger das Diebesgut zurück. "Der Bürgermeister und die OWV - Vorsitzenden müssen aber beim Verzehr dabei sein", stellte Beimler klar. "Mich ärgert es schon, dass es uns erwischt hat, aber es ist eine klasse Brauchtumspflege unserer Flossenbürger Freunde."

Vergeblich hatten wiederum 30 junge Waldthurner versucht, die 30-Meter-Fichte aus Kaimling zu entführen. "Die Feuerwehr war auf der Hut", freute sich Vorsitzender Robert Krichenbauer.

Ende gut, alles gut, dachte sich OWV-Vorsitzende Marianne Lehmeier in Etzenricht . Nach den Aufregungen, dem Maibaumklau und dem Auslösen lief das Aufstellen per Kran vollkommen reibungslos. Der mit 21 Vereins- und Zunftzeichen sowie künstlicher Spitze von Gerhard Spitzkopf, Wolfgang Heberlein, Michael Heinze und Josef Konrad bestückte Baum steht das letzte Mal am Haidenaabufer im Ortsteil Radschin. Im kommenden Jahr ist seinen Platz in der Dorfmitte auf dem "Gmeiner-Grundstück".

Pisa hat seinen schiefen Turm als Attraktion, Vohenstrauß erwachte am 1. Mai mit einem schiefen Baum. Noch unter das Morgengeläut der beiden Pfarrkirchen mischten sich laute Schlegelschläge. In den Stunden davor hatte sich das am Vortag errichtete Exemplar erheblich in Richtung Rathaus geneigt. Ein Schuldiger war schnell gefunden: "Der Böhmische" frischte nach Mitternacht auf und blies unerwartet stark Richtung Westen.

Glück im Unglück hatte die katholische Landjugend in Pleystein . Kaum war der in einer Halterung verankerte Baum einige Meter in Schräglage gehievt, riss ein Sicherungsseil, und der Maibaum schnellte seitlich auf den Erdboden zurück. Verletzt wurde niemand. Weil der Stamm im unteren Bereich zersplittert war, wurde er an Ort und Stelle in mehrere Viermeterteile zersägt. Mehr Erfolg hatten die Bewohner der Ortsteile Miesbrunn, Burkhardsrieth, Vöslesrieth, Spielhof und Bibershof.


Einen internationalen Maibaum mit den Flaggen ihrer Heimatländer stellten die 29 Jugendlichen der Heilpädagogischen Wohngruppen „Eiche Noah“ für unbegleitete minderjährige Ausländer auf dem Felixberg in Neustadt auf. Unter den Gästen war auch Stadtpfarrer Josef Häring. Bei einem Tanz um den Maibaum bewiesen die Neu-Neustädter, dass sie die ersten bayerischen Schrittfolgen gelernt hatten. Die Neustädter Blasmusik unter Leitung von Karl Wildenauer sorgte für die passenden Töne und Takte.

Der traditionelle Maibaum in der Kreisstadt vor dem Lobkowitzer Schloss ist auch ein Symbol für den Zusammenhalt aller Neustädter. So schmücken ihn die Wimpel der Vereine, die alljährlich zum Gelingen des Bürgerfestes beitragen. Das lobte der Vorsitzende des OWV, Rudolf Bäumler, der das Fest auf dem Stadtplatz zusammen mit Bürgermeister Rupert Troppmann eröffnete und den Maibaumspruch überbrachte. „Das a Zeichen braucht, wia stark ma san, und das ma nua Freundschaft ham, von Hoffnung lem, so wäis ses ghört, dass immer Frühling wird“, reimte Bäumler. In strammer Formation und mit einem donnernden Salutschuss hieß die historische Bürgerwehr den Wonnemonat Mai willkommen. Die Tanzgruppen des Heimat- und Volkstrachtenvereins und die Stadtkapelle unter Leitung von Karl Wildenauer unterhielten einige hundert Schaulustige mit ihren Einlagen.

In Döllnitz diente ein Teil eines über 80 Jahre alten eisernen Wagens als Transporthilfe des 25 Meter langen Baums. Vermutlich als erste in der Region hatte das Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) in Irchenrieth bereits am Freitag den Frühlingsboten aufgestellt. Bei dem Fest waren 80 Schüler sowie viele Eltern mit Begeisterung dabei. Die Berufsschulstufe übernahm die Bewirtung. Ein eingespieltes Team sind auch die Skifreunde in Kohlberg . Unter der fachkundigen Regie von Herbert Harbig arbeiteten Menschen und Traktor zusammen.

"So schnell kommt man ohne viel Arbeit zu einem Maibaum", freute sich in Georgenberg die Feuerwehr Neuenhammer . Die Festdamen und -burschen hatten das gute Stück beim "Kastanienhof" stibitzt. Aus Hinterbrünst kam die Nachricht: "Wir haben uns schon einen neuen Baum besorgt." Stolze 32 Meter messen die Frühlingsboten in Eslarn und Windischeschenbach.

Den Eslarner Riesen holte bereits um 6 Uhr eine kräftige Abordnung des Fischereivereins. Die Fichte wurde geschält und vormittags mit Kränzen und Bändern verziert. Ein Augenmerk legten die Fischer auf das Befestigen des separaten Wipfels mit Eisenringen. Am Nachmittag vollbrachte ein Autokran und Mitglieder der Vereinsgemeinschaft das Gesamtwerk, so dass nach rund 30 Minuten der Maibaum fest verkeilt stand.

Zum kleinen Volksfest gestaltete sich dort in Windischeschenbach Maibaumaufstellen. Um 14.11 Uhr war es so weit und die „Interessengemeinchaft Maibaum“ hatte ihren 33. „Baum“ in die Senkrechte gebracht. Bürgermeister Karlheinz Budnik dankte allen, die daran aktiv beteiligt waren. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“. Ein besonderer Dank galt dem Spender des Baumes, der Pfarrei St. Emmeram, sowie der Stadtkapelle, dem Trachtenverein und der Jungfeuerwehr, die sich um das leibliche Wohl der Gäste kümmerte.

Der Obernbernriether Albert Wüst ist ein Holzfachmann und hat ein geschultes Auge dafür, wie man einen Maibaum per Hand, besser gesagt per Stangen aufstellt. Am 1. Mai kurz nach dem Mittagessen trafen sich 27 Männer der Feuerwehr Bernrieth um präzise wie ein Uhrwerk ihren 27 Meter langen Boten des Frühlings mit den Maibaumschwalben in den Fahrenberghimmel zu stellen.

Beim Binden von drei Kränzen, geschmückt mit weiß-blauen Bändern, hatten sie bei der Feuerwehr Tännesberg am Freitag im Gerätehaus alle zusammengeholfen. Ausschließlich Männersache war dann am Sonntag um 13 Uhr das Aufstellen eines 25 Meter langen Maibaumes, gestiftet von Georg Knorr, vor dem Feuerwehrhaus. Alles war Chefsache von Reinhard Lang. Mit vielen Besuchern wurde anschließend tüchtig gefeiert.

Fast winzig mutet dagegen der 17-Meter-Stamm auf dem Dorfplatz in Theisseil an. Er stammt vom Forstbetrieb der Höheren Landbauschule aus Almesbach als Entschädigung für die Verkehrsabsicherung am Tag der offenen Tür 2015, den die Feuerwehr Edeldorf übernommen hatte. Der geschmückte Baum mit Girlanden und drei Kränzen bekam eine Vier-Meter-Spitze. Kinder hatten sie mit weißblauen Bändern geschmückt. Wochen vorher schon wurde das Binden fleißig geübt. Unter Leitung von Hans Mayer aus Theisseil stellten die vielen Helfer mit Schwalben und reiner Manneskraft den Maibaum auf. Anschließend sorgten die Feuerwehrleute im Stodl der Familie Lukas für die Bewirtung der zahlreichen Gäste. Der Baum ziert bis Ende Juni den Dorfplatz in Theisseil. .

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