Wild-Lebensraum-Studie soll Klarheit bringen
Verbiss auf den Grund gehen

 
Auf ein Miteinander setzt die Jägerschaft: Reinhard Gevatter, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Neustadt, und Vize Lorenz Enslein sowie Michael Schiffer, BJV-Kreisvorsitzender Weiden-Neustadt/WN (von links). Bild: cf

Das "Sorgenkind" wehrt sich. Statt allein auf das Verbiss-Gutachten zu setzen, sollte zusätzlich eine Wild-Lebensraum-Studie beigezogen werden. In der Hegegemeinschaft Neustadt sind seit 2006 die Verbissschäden als "zu hoch" eingestuft. Die Verantwortlichen versichern, dass der Abschuss-Plan für Rehwild seit Jahren übererfüllt wird.

Auf dem Tisch liegt der NT-Bericht "Eine Untersuchung mit Biss". Reinhard Gevatter, Vorsitzender der Hegegemeinschaft (HG) Neustadt, rechnet vor: "Das Gutachten kontrolliert auf 10 000 Hektar 161 Edellaubbäume, von denen bei 57 der Leittrieb, also die oberste Spitze, verbissen war. Wegen dieser 57 Bäumchen wird dann unsere Hegegemeinschaft unter besondere Beobachtung gestellt ..." Gevatter hinterfragt den hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand für die Untersuchung. Schließlich laufe alles in die richtige Richtung. Seit 1991 wurde in der Hegegemeinschaft Neustadt mit ihren 20 Jagdrevieren die Reh-Knabberei am Laubholz von 50,2 auf 17,9 Prozent (2015) gesenkt, beim Nadelholz von 8,5 auf 1,3 Prozent. Gevatter: "Wir dürfen nicht nur die verbissenen Bäumchen zählen, sondern müssen insgesamt die Verjüngung sehen."

Rückzugsgebiet Staatswald


Den Rat von Gerhard Hösl, Bereichsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), "Ihr müsst einfach mehr schießen", teilt Gevatter nicht: "Dies allein ist keine Lösung." Unterstützung bekommt er von Michael Schiffer, Vorsitzender der Kreisgruppe Weiden-Neustadt/WN des Bayerischen Jagdverbands (BJV). Schiffer plädiert für gemeinsame Revier-Begehungen und -Beobachtungen sowie für eine zusätzliche Wild-Lebensraum-Untersuchung. "Die Lösung kann nur im Miteinander liegen."

An die Adresse der großflächigen Staatsforsten kommt der sachte Hinweis, dass gerade hier die Wildschweine ihr Rückzugsgebiet finden. "Wo das Wildschwein auftritt, sucht das Reh die Deckung und verbeißt den Wald." "Werden Rehe unruhig, ist das ein Indiz für Wildschweine", sagt auch Gevatter. Die in noch nie da gewesener Dimension auftretenden Wildschweine stellten ein weit ernsteres Problem als die Verbissschäden dar. Schiffer fordert deshalb gemeinsame, revierübergreifende Drückjagden. Für deren Erfolg führt er seine frühere Heimat, die Region Bonn, an: Dort seien bei einer zweitägigen Drückjagd 60 Prozent von 400 Sauen erlegt worden.

Abschuss erhöhen


Den "Sau-Fang" (Abschuss in einer Umzäunung) bezeichnet Schiffer als "nicht waidmännisch" und "gegen die jagdliche Ehre". "Man kann den Wildschwein-Bestand auch in die Höhe schießen: Ist die Leitbache tot, werden alle untergeordneten Bachen rauschig." Dies sei wissenschaftlich erwiesen. Gevatter befürchtet, dass nach 2015 auch 2016 wieder ein "Mäusejahr" werde. Auf der Suche nach tierischem Eiweiß graben dann die Säue die Wiesen um.

Zurück zum Verbiss: Das Thema steht in der kommenden Woche auf der Tagesordnung der BJV-Vorstandssitzung. Für die Hegegemeinschaft Neustadt kündigt Vorsitzender Gevatter eine Erhöhung der Abschusszahlen für das Rehwild an, "auch wenn das Gutachten nur in 8 von 20 unserer Jagdreviere die Schäden bei der Waldverjüngung als zu hoch bewertet".
Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Es gibt mehrere Ursachen für Verbissschäden.Michael Schiffer, Vorsitzender Kreisgruppe Weiden-Neustadt Bayerischer Jagdverband
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