Bürgermeister sollen entscheiden
Wirtschaftsausschuss kann sich nicht für ein weiteres demografisches Handlungskonzept erwärmen

Gutachten sind das eine, deren Umsetzung und ob sie etwas bringen das andere. Weil ein neues demografisches Handlungskonzept 50 000 Euro kostet, lehnte der Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Ost-/Westangelegenheiten zunächst eine Zustimmung ab.

Die SPD-Kreistagsfraktion hatte im November 2015 angeregt, ein Kostenangebot für die Erstellung eines demografischen Handlungskonzeptes mit Erarbeitung von Umsetzungsmaßnahmen einzuholen. Darin sollen auch die Wanderungsmotive der Bevölkerung aufgezeigt werden. Die Verwaltung wurde beauftragt, das Thema aufzuarbeiten und festzustellen, für welche Bereiche Bedarf vorliegt.

Barbara Mädl vom Sachgebiet Wirtschaftsförderung und Landkreisentwicklung legte den Kreisräten eine umfassende Präsentation vor. Sie verwies auf ein bereits seit 2010 vorliegendes Handlungskonzept für eine zukunftsorientierte Seniorenpolitik im Landkreis. Es stelle zum einem die demografische Situation dar und definiere elf Handlungsfelder. Auf Platz eins rangiere die integrierte Orts- und Entwicklungsplanung. Das Papier sehe als Hauptproblem die Nahversorgung an. Entsprechende Maßnahmen würden empfohlen.

Leerstandsproblematik


Auch das vorliegende Kreisentwicklungskonzept für die Jahre 2014 bis 2020 greife das Thema demografischer Wandel auf, führte Mädl weiter aus. Es gehe zudem auf die Problematik von Leerständen privater und öffentlicher Gebäude in den Kommunen ein. Klare Zielsetzung sei es, den Wandel aktiv zu gestalten und neue Märkte für Handel, Handwerk und Landwirtschaft zu schaffen. Gedacht sei insbesondere an die Direktvermarktung und die kleinräumige Versorgung,

Vom statistischen Landesamt liegen laut Mädl ebenfalls Daten über die Bevölkerungswanderungen vor. Diese bestimmten unter 18 Jahre die Eltern, danach dann Ausbildungsziele und ab 25 Jahren die Arbeitsplatzsuche und Familiengründung. Ab 35 Jahren sinke die Mobilität, familiäre Belange, Bindung und das soziale Umfeld träten in den Vordergrund. Ab 50 Jahre gebe es kaum mehr berufliche Ortswechsel.

Das von Mädl vorgestellte Konzept von Prof. Dr. Lothar Koppers von der Hochschule Anhalt in Dessau würde genaue Daten über die Melderegister einfließen lassen und die Auswertung mit vorhandenen statistischen Daten ergänzen. Aus den genannten Defiziten und Vorzügen werden Maßnahmen abgeleitet und ausgearbeitet, für die entsprechende Fördermittel akquiriert werden sollen. "In der Mehrzahl wird es da um in den Kommunen umsetzbare Maßnahmen bei den Gewerbegebieten, der Leerstandsvermarktung und dem demografiegerechten Ausbau kommunaler Einrichtungen gehen."

Der Landkreis selbst könne hier nur eine gewisse Steuerungsfunktion übernehmen. Voraussetzung sei die Beteiligung aller 38 Städte und Gemeinden oder ansonsten die Umsetzung durch interkommunale Zusammenarbeit. Das Papier koste 50 000 Euro, ohne die Kommunikationskosten der Gemeinde.

Landrat Andreas Meier gab die Diskussion frei. Landtagsabgeordnete Annette Karl sagte für die SPD, dass das Konzept gute Ansatzpunkte enthalte. Der SPD gehe es darum, den großen Bogen zu spannen und sich dabei dem Thema "immer weniger Nachwuchs" zu widmen. Karl schlug vor, das Konzept auf die Tagesordnung der nächsten Bürgermeisterversammlung zu setzen und hier die Bereitschaft auszuloten.

Schon genug Konzepte


Rupert Troppmann stellte für die CSU heraus, dass man schon jede Menge Konzepte im Landkreis und auf gemeindlicher Ebene habe. "Wir wenden hier 50 000 Euro auf, und die Arbeit müssen die Gemeinden machen", meinte der Neustädter Bürgermeister. Er wisse in seiner Stadt, warum Leute wegziehen. "Konzepte haben wir genug. Braucht es ein neues?", fragte Troppmann. Landrat Meier schlug vor, die Bürgermeister entscheiden zu lassen, was einstimmig befürwortet wurde.
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