Kommunen im Landkreis
Wohnungen für Flüchtlinge

Die Zahl der Flüchtlinge im Landkreis beträgt nicht einmal ein Prozent der Bevölkerungszahl. Und dabei sind neben den Asylbewerbern auch die unbegleiteten Minderjährigen und sogar noch nicht bezogene, aber bereits angemietete Unterbringungsmöglichkeiten berücksichtigt. Viele Gemeinden haben bereits Menschen aufgenommen, die auf der Flucht sind, in 16 anderen im Landkreis wohnt noch kein einziger. Grafik: NT/AZ

Bis zum Monatsende will Axel Bartelt Vorschläge auf dem Tisch haben. Den Bürgermeistern hat der Regierungspräsident die Suche nach Wohnungen für Flüchtlinge ans Herz gelegt. Manche Kommunen im Landkreis flüchten sich in Ausreden, andere haben schon viel getan.

(tsa/ui) Einige Gemeinden, wie die Stadt Windischeschenbach, haben ihre Pflicht schon erfüllt. Hier sind bereits 30 Menschen in verschiedenen Unterkünften untergekommen. Wie Bürgermeister Karlheinz Budnik bestätigte, werden in Kürze weitere 70 Flüchtlinge in die Stützelvilla einziehen. Der Landkreis stellt das Jugendtagungshaus als Ersatz für die Notunterkunft in der Turnhalle des Gymnasiums Neustadt zur Verfügung. Die Stadt ist auch eingebunden in den Notfallplan, der bei einer Zuspitzung der Situation die Unterbringung von weiteren Asylbewerbern in Turnhallen vorsieht.

Ebenso vorbildlich präsentiert sich der Markt Floß. Die derzeit 46 Flüchtlinge, die in der Marktgemeinde wohnen, sind in mehreren Wohnungen, die Behörden sprechen von dezentral, untergebracht. Momentan läuft ein Verfahren beim Bauamt, um eine weitere Unterkunft mit einer Kapazität von bis zu 20 Plätzen auf den Weg zu bringen.

Die Reaktionen der Bürger seien überwiegend positiv, berichtet Bürgermeister Günter Stich. Ein ehrenamtlicher Stab von bis zu 15 Freiwilligen organisiert die Übernahme von Patenschaften und Betreuung der Asylbewerber. Die Kleinen besuchen den örtlichen Kindergarten und demnächst die Schule. Die Gemeinde beschäftigt einige Erwachsene soweit gesetzlich zulässig als 1,05 Euro-Jobber.

In Kohlberg ist die Situation derzeit ungewiss. Das leerstehende Schulgebäude scheint prinzipiell ein geeigneter Ort für die Unterbringung von Asylbewerbern zu sein. Vertreter des Landratsamtes haben die ehemalige Bildungsstätte bereits besichtigt und die Räume beurteilt. Doch nach den Worten des stellvertretenden Bürgermeisters Gerhard List wird das Gebäude momentan noch nicht für die Unterbringung der Flüchtlinge benötigt. An anderer Stelle sei derzeit im Ort nichts geplant, wo Flüchtlinge wohnen könnten - vorerst, denn die Lage kann sich jederzeit ändern.

"Wir sind aufgeschlossen und helfen, so gut es geht", sagt Peter Forster, Geschäftsführender Beamter in Neustadt . Zum Stichtag 24. August lebten in zwei ehemaligen Wirtshäusern, im ehemaligen Schwesternwohnheim und weiteren Wohnungen 105 Flüchtlinge, darunter 40 unbegleitete Minderjährige. Außerdem dient, wie berichtet, die Turnhalle des Gymnasiums noch als Notunterkunft. Momentan habe die Stadt keine Objekte im Blick, in denen weitere Flüchtlinge einziehen könnten, informierte Forster.

Viele Kommunen im Landkreis beherbergen jedoch bisher keine Asylbewerber. Woran liegt das? Marianne Rauh, Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Neustadt, beurteilt die Lage in den fünf zugehörigen Gemeinden Kirchendemenreuth, Parkstein, Püchersreuth, Störnstein und Theisseil als schwierig. "In keiner der Kommunen gibt es gemeindeeigene Gebäude, die leerstehen und so als mögliche dezentrale Unterkünfte genutzt werden könnten."

Trotzdem bleibt die Verwaltungsgemeinschaft nicht untätig. Sie hat bereits einen Aufruf mit der Bitte an Privatpersonen gestartet, einen Leerstand und die Bereitschaft zur Unterbringung von Flüchtlingen dem Landratsamt zu melden. Grundsätzlich sieht Rauh jedoch das Problem in den schlechten Einkaufsmöglichkeiten auf den Dörfern und der eingeschränkten Mobilität für Menschen, die kein Auto zur Verfügung haben.

Der Marktrat Kirchenthumbach hat ein Containerdorf für Flüchtlinge abgelehnt. Der Landkreis hatte dafür eine Fläche vorgeschlagen, auf der bis zu 100 Menschen wohnen könnten. In Pleystein hatte der Stadtrat einer Nutzungsänderung des BRK-Heims als Flüchtlingsunterkunft nicht zugestimmt.

Die GemeindeBechtsrieth beherbergt bis dato keine Asylbewerber. Bürgermeister Gerhard Scharl begründet dies mit der Nähe zur Stadt Weiden. Die günstige Verkehrsanbindung mache Bechtsrieth als Wohnort sehr beliebt und verhindere, dass Häuser leer stehen. Auch die Gemeinde habe keine geeigneten Immobilien. InIrchenrieth ist die Situation ähnlich. "Es ist keine Wohnung frei", sagt Rathauschef Josef Hammer.

Sein Kollege Thorsten Hallmann ausSchwarzenbachsieht im äußersten Notfall die Mehrzweckhalle als geeignete zeitweilige Sammelunterkunft. Doch er merkt gleichzeitig an, dass in anderen - vor allem größeren - Kommunen besser geeignete Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden seien. Er erklärt den niedrigen Gebäude- und Wohnungsleerstand mit der hohen Nachfrage nach Mietraum durch Amerikaner und die Nähe zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Hallmann betont, jederzeit Flüchtlinge aufzunehmen, sobald sich die Möglichkeit ergebe. "Ich begrüße jede Meldung von geeignetem Wohnungsleerstand von Privatpersonen an das Landratsamt ausdrücklich."

Die GemeindeFlossenbürgwartet erst einmal auf eine Anfrage des Landratsamtes, teilte zweiter Bürgermeister Thomas Meiler mit. Leere kommunale Gebäude gebe es nicht. Nach einem Gespräch Meilers mit Vertretern der beiden Konfessionen hofft er nun, dass die Kirchen mit einem Aufruf bei Privatleuten etwas erreichen. Im Idealfall würden sich Besitzer von verfügbaren Wohnungen oder Häusern melden.

Alexander Radlbeck, stellvertretender Bürgermeister inPirk, hat in dieser Woche keine Anfragen registriert, die an die Gemeinde gestellt worden seien. Weder vom Landratsamt noch von der Regierung der Oberpfalz sei etwas eingegangen. Zudem sieht er ebenfalls den fehlenden Raum als Grund für die bisherige Zurückhaltung des Ortes in Sachen Flüchtlingsunterbringung. DerSchirmitzer Bürgermeister, Ernst Lenk, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.(Siehe Seite Vohenstrauß)
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