Rezept gegen Fachkräftemangel
Pläne für PTA-Fachschule im Landkreis

Stefanie Schloßer verdient ihr Geld als Pharmazeutisch-Technische Assistentin in der Stadtapotheke Vohenstrauß. Das ist weit mehr als die frühere Apothekenhelferin. Eine PTA ist rechte Hand des Apothekers und darf auch selbst Arzneien anrühren. Bild: tss

Pharmazeutisch-technische Assistentinnen (PTAs) sind begehrt. Daher auch dünn gesät. Dazu kommt, dass die nächste Schule für diese anspruchsvolle Ausbildung erst in Regenstauf sitzt. Das könnte sich ändern, wenn es nach dem Willen von Josef Weilhammer geht.

Der Leiter der Weidener Europa-Berufsschule stellte den Bürgermeistern des Landkreises in ihrer Dienstversammlung am Mittwoch seine Idee vor: eine kommunale PTA-Schule in der Region ab nächstem oder übernächstem Schuljahr. Wer eine passende Immobilie und das nötige Geld hat, darf sich melden.

Landrat Andreas Meier findet's gut. "Das ist fast eine duale Ausbildung zusammen mit den Kliniken Nordoberpfalz. Theoretisch könnte die Schule an jedem Ort im Landkreis stehen." Ein paar Hürden sind aber zu überwinden, stellte Weilhammers Stellvertreter Thomas Neumann die Anforderungen vor: zwei Klassenzimmer, zwei getrennte Labors, weil bestimmte Stoffe sich nicht vermischen dürfen, Sekretariat, Lehrerzimmer, Schulleiterzimmer und Aufenthaltsraum für Schüler.

Am liebsten ohne Schulgeld


Das alles kostet ohne Förderung geschätzte 425 000 Euro. Günstiger könnte es werden, wenn die Einrichtung eine bestehende Schule oder ein Verwaltungsgebäude mit nutzen dürfte. Angedacht ist je eine Klasse mit 20 Schülern im ersten und im zweiten Lehrjahr. Nach Weilhammers und Neumanns Berechnungen sind dafür vier Lehrer nötig, zwei haupt- und zwei nebenberufliche. Letztere könnten Apotheker sein. Fachlehrkräfte würden auch die Kliniken Nordoberpfalz AG stellen.

Dafür müsste ein kommunaler Träger pro Jahr rund 184 000 Euro Personalkosten schultern. Manch ein Rathauschef rechnet aber mit mehr, weil noch Sozialabgaben dazu kämen. Allerdings würde der Freistaat die Hälfte davon übernehmen. Weilhammer sähe es am liebsten, wenn angehende PTAs kein Schulgeld zahlen müssten. Denn das wäre der große Pluspunkt einer nordoberpfälzischen Fachschule. Bei Konkurrenten kämen für die zweieinhalbjährige Ausbildung rund 8500 Euro zusammen. Dazu kämen Ausgaben für Fahrten oder Zimmer in Regenstauf, Bamberg oder Kulmbach. "Das muss man sich für seine Kinder erstmal leisten können", sagt Weilhammer.

Er schlägt stattdessen ein Stipendiensystem vor. Weilhammer hält bei der Vollzeitausbildung von 32,5 Wochenstunden etwa 5 bis 6 Stunden Praktikum pro Woche in einer Apotheke der Region für machbar. Der Inhaber sollte die PTA-Schule dafür mit 120 Euro pro Monat unterstützen, könnte sich aber schon mal eine künftige Fachkraft heranzüchten. Ähnlich funktioniert es in Köln.

Nachbarn ins Boot holen


Landrat Meier regte an, wegen eines Stipendiensystems eventuell zusammen mit Weiden und Tirschenreuth einen Zweckverband zu gründen. Er ermunterte seine Bürgermeister, in den nächsten vier Wochen Vorschläge zu Standorten im Landratsamt abzugeben. Meier könnte sich auch eine Art Internat in der Nähe vorstellen. Lange muss er wohl nicht warten. Bereits zwei Stunden nach der Sitzung hatten schon drei Rathauschefs bei Weilhammer vorgefühlt.

Hohe NachfrageDie Ausbildung zur PTA dauert zwei Jahre. Dazu kommt ein halbes Jahr Praktikum. In Bayern gibt es neun Schulstandorte, die alle Schulgeld verlangen. Der Beruf stellt hohe Anforderungen und ist gefragt. Rund 500 PTAs werden pro Jahr in Bayern fertig. Das reicht nicht für 3500 Apotheken. Allein im Umkreis von 100 Kilometern um Weiden melden 41 Apotheken freie Stellen. Auch die Industrie hat Bedarf. (phs)
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