Stadtschloss aus Berlin
Architekturbüro au der Hauptstadt gewinnt Architektenwettbewerb für Erweiterung des Landratsamtes

Dieser hufeisenförmige Entwurf setzte sich beim Architektenwettbewerb klar durch. "Das historische Schloss wird in seiner Bedeutung für die Stadt durch den Neubau inszeniert und in überzeugender Weise sichtbar gelassen," heißt es in der Begründung der Jury.

Wenn das kein Treffer ist: Die Jury des Architektenwettbewerbs zum Neubau eines Teils des Landratsamtes entschied sich für ein Büro, das im Landkreis kaum einer kennt. Bundesweit ist es dagegen vielbeachtet. Ab nächster Woche erst recht.

Das Berliner Architektentrio Bruno, Fioretti, Marquez bekommt demnächst in Frankfurt eine Anerkennung für eine Arbeit, die für den Deutschen Architekturpreis 2015 nominiert war. Eine Nummer kleiner fiel die Auszeichnung am Freitag im Foyer des Neuen Schlosses in Neustadt aus. Bürochef Piero Bruno nahm 12 000 Euro Preisgeld in Empfang. Dazu war der 53-Jährige zum ersten Mal im Leben in Neustadt.

In den nächsten Monaten wird er wohl öfter kommen. Denn auch wenn der Bauausschuss des Kreises erst am 2. Februar das letzte Wort hat, wer den Zuschlag bekommt, hat das italienisch-argentinische Trio aus Berlin beste Karten. Zwei Konkurrenten, die theoretisch auch noch zur Wahl stehen, waren gar nicht erst aus München und Stuttgart zur Preisverleihung gekommen.

Dem Bauherrn kann das egal sein: "Brunos Entwurf war von Anfang an mein Favorit. Deswegen freut mich, dass er gewonnen hat", sagte Landrat Andreas Meier im Rückblick auf das zehnstündige Treffen der Jury, in dem sie 19 anonymisierte Vorschläge bewertete. "Ich bin auch absolut überzeugt davon", assistierte Professor Thomas Hammer dem Landkreischef. Der Münchner war Vorsitzender des Preisgerichts.

Beton, Holz, Glas, Licht


Bruno selbst gab sich bescheiden. "Am Anfang haben wir gedacht, das ist eine kleine Aufgabe in der Provinz. Aber dann sind wir immer mehr ins Schwitzen gekommen." Die Arbeit nimmt dem Barockschloss in unmittelbarer Nähe nichts weg, sondern umschließt es hufeisenförmig. Richtung Hohlweg und Knorrstraße zeigt der Erweiterungsbau eine dezente Betonfassade, nach innen einen lauschigen Innenhof mit Holzfassade. Über eine große Kaskadentreppe "sickert Licht nach unten", wählte Bruno eine schöne Beschreibung.

Das stößt auf breite Zustimmung der Neustädter, versicherte zweiter Bürgermeister Heinrich Maier. Überhaupt wecke die bis 22. Januar laufende Ausstellung mit den 19 eingereichten Entwürfen im Neuen Schloss reges Interesse. Fachleute schauen sich an, mit welchen Ideen Kollegen in den Wettbewerb gegangen sind. Ein Weidener Architekt, der nicht zum Zug gekommen war, machte Bruno gleich ein sportliches Kompliment. Eine Amberger Baumeisterin zeigte sich skeptischer. "Das sieht im Modell schön aus, die Höhen- und Lichtverhältnisse halte ich aber für problematisch."

Mit geschätzten 4,6 Millionen Euro könne man nicht von einem Prestigeobjekt sprechen, beugt Landrat Meier anderen Kritikern vor. "Das hat die Sanierung der Schwimmhalle Eschenbach auch gekostet. Und die nutzt ein kleinerer Personenkreis als unser Amt."
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