Trauer um eine Glasmacher-Legende
Toni Frank ist tot

Toni Frank in seinem Element. Am Schmelzofen der "Altbayerischen", Neustadts ehemaliger Schauglashütte, führte er Besuchern bisweilen selbst die Faszination der Glasherstellung vor. Archivbild: Popp

Seine Branche hat längst nicht mehr die einstige Bedeutung. Toni Frank ist als Manager in der Glasindustrie europaweit aber immer noch ein Begriff. Am vergangenen Donners- tag starb er mit 77 Jahren in Hamburg.

Generationen von Glasmachern kannten ihn einfach als "den Toni" - umgänglich, kommunikativ, charismatisch. Für viele Kunden in aller Welt war er das Gesicht der Firma Nachtmann. Von 1964 bis 2001 arbeitete er im Unternehmen in Neustadt, das sein Vater Anton mit aufgebaut hatte.

Toni kam als Ältester von drei Geschwistern am 19. Mai 1938 in Neustadt zur Welt. Dort verbrachte er die Volksschulzeit, bevor er bis zum Abitur Gymnasien in Ettal und Tegernsee besuchte. Das Studium in München schloss er als Diplom-Kaufmann ab. Danach fing er bei Nachtmann an, wo er 1979 zum geschäftsführenden Gesellschafter aufstieg.

Ein Jahr zuvor war er aus dem Stadtrat ausgeschieden. Dort focht er zwei Perioden lang auf seiten der CSU, für die er als Parteiloser auf der Liste kandidiert hatte.

Toni Frank galt immer als Vertriebstalent, das dem Unternehmen wichtige Märkte erschlossen hat, allen voran die USA. Zusammen mit seinem Bruder Walter, dem Tüftler und Techniker, setzte er Meilensteine: 1984 eröffnete das Werk Weiden, 1990 übernahm Nachtmann Spiegelau-Glas, 1992 folgte der Einstieg bei Rosenthal-Amberg.

2001 schied der Manager als aktiver Gesellschafter aus, 2004 übernahm Walter Frank dessen Anteile. Wie es in erfolgreichen Familien oft ist, stand das Verhältnis der beiden Brüder nicht zum Besten. Es ist kein Geheimnis, dass sich bei Nachtmann, das heute zu Riedel-Glas aus Kufstein gehört, zwei Unternehmerpersönlichkeiten zur rechten Zeit aneinander rieben. In den vergangenen 15 Jahren trennte sich Toni Frank auch von Geschäften, die Neustadts Ruf als Einkaufsstadt prägten: dem Christmas-Country, der Altbayerische Krystallglashütte, der Villeroy-&-Boch-Filiale, dem Glasland.

Der Vater eines Adoptivsohns, der in München lebt, verbrachte seine letzten Lebensjahre in Hamburg. Dort war er in zweiter Ehe verheiratet. Er starb als pflegebedürftiger Mann in der Hansestadt. In Hamburg ist am Dienstag, 22. März, Requiem. Die Beisetzung erfolgt im engsten Kreis in der Familiengruft in Waldmünchen.
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