„23. Pertolzhofener Kunstdingertage" bieten zum Finale Einblick in ungewöhnliche Projekte
„Und ab und zu groovt es auch“

Am Apfelbaum hängt bereits die Skulptur "Verästelte Wasser" aus Corten-Stahl von Willi Weiner (rechts), und Martina Benz (Zweite von rechts) schwingt schon ihren "Zauberbesen". Auch Jürgen Palmtag, Mariko Saito, Jo Magrean und Heiko Herrmann (von links) warten zum Finale der "23. Pertolzhofener Kunstdingertage" mit ungewöhnlichen Werken auf. Bild: Bugl
Kultur
Niedermurach
28.06.2016
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Vom Dachboden kommen seltsam sperrige Klänge, im Atelier unten verstreicht Heiko Herrmann einen Klecks schwarzer Ölfarbe mit der Scheckkarte auf der Leinwand. Moleküle von Terpentin mischen sich mit Spuren von Holzleim, der verfremdete Stuhlbeine verbindet soll.

Es riecht nach den " Kunstdingertagen": Sechs Künstler, sechs Konzepte prallen bei den 23. Pertolzhofener Kunstdingertagen aufeinander. Für zwei Wochen haben sie ihr vertrautes Atelier hinter sich gelassen, um sich in ländlicher Umgebung auch mal dem Einfluss von Kollegen auszusetzen.

Einziger Fixpunkt ist dabei Hausherr Heiko Hermann, der für das Treffen sein Atelier in Pertolzhofen (Landkreis Schwandorf) öffnet. Wie viel Kreativität dabei freigesetzt wird, können Kunstinteressierte zum Abschluss des Symposiums bei einem Fest mit Ausstellung am Samstag, 2. Juli, ab 16 Uhr bewundern. Wer in Pertolzhofen einen Blick über den Gartenzaun des Zehntstadels von Herrmann wirft, bekommt schon mal einen Eindruck davon was ihn erwartet. Im Stadel am Eingang hat Willi Weiner aus Stuttgart Quartier bezogen und sich als Bildhauer mit Faible für Corten-Stahl ausgerechnet Wasser als Thema ausgesucht. Rostfarbe kontrastiert mit glatten Lackflächen in Türkis oder Nachtblau, und scheinbar schweres Eisen soll später an feinen Stahlseilen schweben.

Kommunizierende Möbel


Martina Benz hat im Vorjahr Pflasterscheine zum Schweben gebracht, konzentriert sich heuer aber auf weniger hartes Material. "Die Geister die ich rief" nennt sich die Skulptur eines seltsam verdrehten Besens - frei nach Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling". Noch in Arbeit ist ein Objekt aus Holz, das später einmal zwei Stühle in inniger Kommunikation zeigen soll.

Im Atelier hängen bereits frische Werke von Hausherr Heiko Herrmann. Abstrakt, farbenfroh und in dem unbekümmerten Duktus, den seine Fans in Pertolzhofen längst überall wiedererkennen würden. Im Hintergrund lagern Eisenskulpturen, und nebenan wartet ein Styropor-Modell auf seinen großen Tag: Es soll in Eisen gegossen werden und später den geplanten Skulpturenweg von Pertolzhofen nach Niedermurach zieren.

Im Stockwerk darüber hat Mariko Saito ihre überwiegend in Schwarzweiß gehaltenen Bilder auf dem Boden verteilt oder an die Wand gelehnt. Seltsame Gesichter mit riesigen runden Augen, halb Tier, halb Mensch. "Humanimal" lautet der Arbeitstitel für diese Serie, in der oft ein Tuschefleck den Startschuss gibt und ein wenig Rot den Schlusspunkt setzt.

Ganz ohne Pinsel, Spachtel oder Zeichenstift kommt Jo Magrean aus. Manchen seiner Bilder begegnet man in der Werbung oder beispielsweise im SZ-Magazin. Ein "Porträt-Projekt" hat er sich für die Zeit in Pertolzhofen vorgenommen, keine schmeichelhaften Fotos mit Weichzeichner, sondern starkem Kontrast. "Meine Mission ist es ja normalerweise, dass die Leute schön aussehen sollen", rechtfertigt er die Abkehr von allzu viel Ästhetik. Nebenbei knipst er aber auch Lieblingsorte und Frühstücksteller. Schwerer zu definieren sind die Motive von Jürgen Palmtag aus Schömberg (Baden-Württemberg). Er pendelt zwischen Bildender Kunst und Experimentalmusik. Ein Skizzenbuch hält wie in Comics Eindrücke aus dem Alltag fest. Parallel dazu entstehen "Live-Hörspiele mit Musik".

Exotische Laute


In seinem Laptop hat der Künstler wie in einer Vitrine Klangmuster gesammelt, die er in einer Art "Improvisation mit Konzept" aneinander fügt, vermischt oder mit pseudosprachlichen Texten durchsetzt. "Und ab und zu groovt es auch", sagt Palmtag. Wer jetzt Appetit auf diese exotischen Klänge oder Werke bekommen hat, kann seinen Hunger am Samstag, 2. Juli, beim Abschlussfest zu den "Kunstdingertagen" stillen.

Ab 16 Uhr gibt es viel zu bestaunen, für 18 Uhr und 19 Uhr sind Führungen durch die Ausstellung in Pertolzhofen geplant. Ein kleines Konzert mit Jürgen Palmtag ist dabei inklusive, und zusätzlich spielt die Pertolzhofener Edelweiß-Kapelle.
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