Ausstellung zum Abschluss der "Kunstdingertage" gibt Einblick in die Vielfalt moderner Kunst
Raunen und staunen

"Angelegenheit" nennt Martina Benz diese Skulptur, für die sie mit Kettensäge, Leim und Dübeln dem Kaminholz zuleibe rückte. Bilder: Bugl (4)
Kultur
Niedermurach
04.07.2016
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Wie eine Acht umgibt diese Skulptur von Willi Weiner den Apfelbaum.

In Heiko Herrmanns bunte Bilder hat sich ganz viel Blau geschlichen. Bildhauer Willi Weiner ist mit Eisen ins transparente Milieu eingetaucht, und auch zum Finale der "Kunstdingertage" dominierte das Wasser. Viel anhaben konnte der Regen der Kunst aber nicht.

-Pertolzhofen. Nur die hölzerene Skulputur von Martina Benz hat ein paar Nuancen Grau eingebüßt, meint Künstler Heiko Herrmann, als er beim Abschlussfest zu den "23. Pertolzhofener Kunstdingertagen" durch die Ausstellung führt. Nicht weniger robust als die Kunstwerke erweisen sich die Kunstinteressierten, unter ihnen auch Bürgermeister Martin Prey. Er nimmt Bezug auf das Motto des 14-tägigen Künstlertreffens und merkt an: "Wenn die Wege des Wassers nicht über den Apfelbaum tropfen, dann wird das ein schöner Abend."

Ein bisschen getröpfelt hat es dann schon, aber zumindest nicht mehr geschüttet, als die Gäste eintrudelten, allen voran die Musikanten von der Pertolzhofener Blaskapelle. Sie hatten sich die Konkurrenz gleich selbst mitgebracht und ließen ihre Nachwuchs-Rockband am anderen Ende des Atelier-Gartens aufspielen.

Klangteppich gewebt


Musikfragmente aus den Proben der jungen Musiker hat sich Künstler Jürgen Palmtag "ausgeborgt" und zu einem Klangteppich aneinander gereiht, den das Publikum bei der Führung zu Gehör bekommt. Rattern und tiefes Raunen, Schlürfen und Stöhnen, kleine Wortfetzen lassen viel Raum für Fantasie.

Das ganze bekommt auch noch ein schauspielerisches Element, wenn Palmtag selbst live mit gerunzelter Stirn und zusammengekniffenen Augen ein tiefes Brummeln beisteuert. "Der kommt mir vor wie ein DJ", meint eine Zuhörerin. Im Hintergrund hängen die Zeichnungen des Experimentalmusikers an der Wand, ein wenig wie Comics und auch ein bisschen schrill.

Ein paar Meter weiter hat Fotograph Jo Magrean seine Porträts aufgereiht und jedem der heuer vertretenen Künstler ein Lieblingsobjekt zugeordnet. Martina Benz gefällt demnach die gelbe Skulptur auf der ebenfalls gelben Heizungsanlage. Und Mariko Saito habe sich wohl in den Milchaufschäumer "verknallt", meint Gastgeber Heiko Herrmann. In ihren Bildern allerdings hat sie ganz zart Menschengesichter mit der Physiognomie von Tieren vermischt, die großäugig und ein wenig wie verzaubert den Betrachter anvisieren.

Baum der Erkenntnis


Im Garten draußen räckeln sich dagegen zwei außer Rand und Band geratene Stühle. "Hier dreht sich alles wie bei einer Tanzperformance", analysiert Herrman das Werk mit dem Titel "Angelegenheit" von Martina Benz. Vorbei an Will Weiners "Schluchtensee" geht es zum Apfelbaum, der nun in eine Skulptur eingebunden ist mit dem Titel "Baum auf der Insel". "Was an Wasser sichtbar ist" hat der Bildhauer hier in Metall mit blauem Lack erstarren lassen.

Das gilt auch für die blauen Metall-Bahnen, die wie Wasserfälle von den Ästen eines zweiten Baumes rauschen. "Die Wege des Wassers, der Baum der Erkenntnis, der Apfelbaum" lautete schließlich auch das fast schon biblische Motto dieser Kunstdingertage, für die der Bürgermeister "viel Erkenntnis" wünschte. Der Regen hat die Fans der Künstler und Musiker jedenfalls nicht aus diesem Paradies vertrieben.

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie
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