„Sitzbares“ aus aller Welt
Künstler Heiko Herrmann stellt bizarre Möbel aus

Ein Sammelsurium an Stühlen und Hockern hat Künstler Heiko Herrmann aus aller Welt zusammengetragen. Er machte sich dabei auch Gedanken über die Rolle dieser Möbelstücke und ihren Einfluss auf das Denken. Bild: hfz
Kultur
Niedermurach
11.02.2016
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Vom Hocker des Schuhputzer bis zum Designersessel: Wer sitzt, denkt anders, meint Künstler Heiko Herrmann und hat die "Denkformen" jetzt in der "Pertolzhofener Kunsthalle" versammelt.

-Pertolzhofen. "Sitzbares aus aller Welt" lautet der Titel der Ausstellung, die in der "Kunsthalle", dem rostbraunen Container am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg in Pertolzhofen zu sehen ist (bis 15. April).

"Beim Laufen denkt man so sonderbar, vermeintlich klar vor sich hin, doch es ist mehr ein sprunghaftes Assoziieren als ein logisches Denken," ist dem Künstler aufgefallen, der zwischen Ateliers in Pertolzhofen und München pendelt und als Vorsitzender des Kunstvereins auch für Ausstellungen sorgt.

"Mir fällt auf, warum ich mich hier, in Odessa so für Bänke und Sitzbares, interessiere. Als Laufender ist man immer wieder auf der Suche nach Pausen, Ruhepolen, dazu braucht man in der Stadt meist was Sitzbares, eine Bank," hat Herrmann 2006 in einem Tagebuch vermerkt. "Damals wurde ich von dem Virus Stuhl befallen, es ist was Elementares, Gehen, Sitzen", erklärt der Künstler.

So habe sich das Sitzbare aus der Hocke, der Urform des Sitzens, zum Hocker entwickelt. Aus dem Hocker sei immer mehr ein Schemel geworden - "ein aufgesockelter Hocker, der sich dann mit einer Lehne zum Stuhl weiterspann". Zur Rückenlehne kamen noch die Armlehnen. "Der Sessel war geboren, die Königsform des Sitzbaren." Jetzt will Herrmann diese Welt der "sitzbaren Möglichkeiten" in der "Kunsthalle Pertolzhofen" präsentieren. Die Ausstellung zeigt eine extreme Vielfalt an Sitzmöglichkeiten: vom einfachen marokkanischen Schuhputzer-Hocker über einen französischen Anglerklappstuhl bis hin zum Arne-Jacobsen-Stuhl Nummer sieben.

Küchenstühle aus den 1930er bis 50er Jahren sind dabei, ein Thonetstuhl gehört zur Sammlung und Stühle ,auf denen Künstler wie Max Bresele, Franz Burkhardt oder Heimrad Prem einst zu sitzen pflegten. Außerdem gibt es diverse Hocker, darunter auch ein einbeiniger Melkschemel. Mal mit Rollen, mal als Fräshocker zeigen sich die Exemplare. Einer der Stühle stammt von einem Wagner aus dem Fränkischen, und auch ein geflochtener Hochseedampfer-Sessel vom Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich nach Pertolzhofen verirrt. Dort leistet er nun bis 15. April Designsesseln und Constantin Grcic's Kunststoffstuhl "Myto" Gesellschaft.

Stuhl definiertEin Stuhl (in Österreich oft Sessel) ist ein in vielen Varianten ausgeführtes Sitzmöbel für eine Person, das sich in der Regel aus einem Fußgestell, einer einfachen oder gepolsterten Sitzfläche und einer Rückenlehne zusammensetzt und sich von dem einfachen Schemel ohne Lehne und dem gepolsterten Armsessel unterscheidet. Die ideale Höhe der Sitzfläche liegt bei 42 bis 48 Zentimeter. Sonderformen sind Klapp- und Faltstühle, der Schaukelstuhl und der Kniestuhl (Auszug aus einem Lexikon). (bl)
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