Erfahrung plus Bauchgefühl

Der Niedermuracher Bürgermeister Martin Prey ist überzeugt: Seine Erfahrungen als Landwirt und Unternehmer sind eine gute Schule für den Job als Gemeindeoberhaupt. Bild: frd
Lokales
Niedermurach
30.05.2015
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Der "Papierkram" ist nicht seine Leidenschaft. Aber wenn es um ein neues Fahrzeug für den Bauhof geht, fühlt sich der Niedermuracher Bürgermeister Martin Prey auf sicherem Terrain. Das hat auch mit seinem Hauptberuf als Bio-Bauer zu tun.

Vor gut einem Jahr hat Martin Prey in Niedermurach das Amt des Bürgermeisters übernommen. "Vor zwei Jahren war das noch nicht abzusehen", erinnert der 53-Jährige Vollerwerbslandwirt mit Bioanbau - bis der "Junior" sich für den Einstieg in den Betrieb entschied. "Da hab ich Luft bekommen", sagt der Bürgermeister und strahlt.

Schafkopf inklusive

"Für Politik hab' ich mich schon immer interessiert, bekennt Prey, "und in 24 Jahren im Gemeinderat kriegt man allerhand mit". Nebenbei war er von Jugend an in der Kirche aktiv, viele Jahre als Pfarrgemeinderatssprecher. Feuerwehr, Sportverein, Schützen, bei den Vereinen war Prey ebenfalls vertreten. "Auch beim Schafkopf kann man oft Kleinigkeiten besprechen", hat er erfahren. "Wenn ich so zurückschaue, dann wundert es mich eigentlich, dass bei so viel Ehrenamt der Betrieb noch laufen konnte."

Nach einem Jahr mit noch mehr Ehrenamt hat sich Prey aber nach eigen Bekunden gut eingewöhnt. "Als Landwirt kennt man ja jeden Fleck und jeden Baum", so seine Erfahrung. Als Bio-Bauer war er sein eigener Chef, hat "viel geplant, viel gebaut, Unternehmergeist bewiesen" - und er musste sich auch mal hartnäckig zeigen, als er dem konventionellen Anbau den Rücken kehrte. Dafür profitiere er jetzt von diesen Erfahrungen als Landwirt, beispielsweise wenn es um die Anschaffung eines neuen Bauhof-Fahrzeugs geht. "Da bin ich froh, dass ich nicht auf Fachleute angewiesen bin".

"Furchtbar viel lesen" müsse er als Bürgermeister jetzt halt schon, räumt Prey die Nachteile ein und freut sich, dass er sich beim "Papierkram" auf das "wunderbare Team der Verwaltungsgemeinschaft" verlassen kann. Auch ausgefeilte Reden sind nicht sein Spezialgebiet, lieber plaudert er frei drauflos und setzt auf Spontanität und Bauchgefühl. Die schönsten Momente im neuen Amt aber manifestieren sich für ihn in Kleinigkeiten, "immer dann, wenn ich produktiv sein und helfen kann". Da gilt es, eine unbürokratische Lösung für eine Auffahrt zu finden oder auch in einen Nachbarschaftsstreit schlichtend einzugreifen. "Schön, wenn sich zwei Menschen wieder die Hände reichen", so der Bürgermeister über einen Fall, gleich zu Beginn seiner Amtszeit.

Eine Todsünde

"Kein Geld der Welt rechtfertigt einen Zwist im Dorf", ist auch seine Devise, wenn es um das heikle Thema Windkraft geht. Wichtiger als ein Ergebnis ist es ihm, den Entscheidungsprozess in der Gemeinde so zu begleiten "dass sich die Leute nicht in die Haare kriegen". Ein gemeinsames Energiekonzept vermisst er hier am meisten. Mahatma Gandhi fällt ihm dazu ein und die von ihm benannten sieben Todsünden: "Politik ohne Prinzipien ist eine davon."

"Gefordert aber nicht überfordert" fühlt sich der neue Bürgermeister, wenn es um das bislang größte Projekt in seiner Amtszeit geht: Wasserversorgung und Kanal für den Ortsteil Voggendorf mit Investitionen in Höhe von einer Million Euro. Froh ist er über eine "schmucke Grundschule" und die Kinderbetreuungseinrichtungen und auch darüber, dass jetzt der Pfarrhof "auf einen guten Weg gebracht" wurde. Denn auf Anhieb hat die Diözese nicht eingewilligt, diesen Altbau zu sanieren.

Lohnendes Ehrenamt

Klar ist dem 53-Jährigen bei seinem Einsatz für die Gemeinde auch, dass es nicht ohne den Rückhalt in der Familie geht. "Man muss sich die Zeit schon stehlen, aber es ist auch eine Bereicherung, und man wächst mit seinen Aufgaben", hat Martin Prey nach gut zwölf Monaten im Amt festgestellt. Dem Ehrenamt kann er längst mehr abgewinnen als nur Pflicht: "Die Zeit, die man der Gesellschaft zur Verfügung stellt, ist nicht brotlos - auch wenn nicht alles in Euro ausgeglichen werden kann."
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