In frommer Absicht zu Maria

Tausende Wallfahrer soll die Kirchweih in Pertolzhofen einst angelockt haben. Beim Aufstellen des Kirwabaums am Sonntag freuen sich die Kirwaburschen mit ihren Moidln über viele Gäste. Die Haflinger Kirwamusi wird das Spektakel wieder begleiten. Archiv: frd
Lokales
Niedermurach
30.09.2014
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Schon im Mittelalter kamen die ersten Pilger "zur schönen Maria". Keine Frau aus Fleisch und Blut war ihr Ziel, sondern die Kirche Sankt Marien in Pertolzhofen. Heute locken zur Kirchweih mit Start am 3. Oktober auch viele weltliche Vergnügungen.

Wer wie in alten Zeiten, per pedes oder mit dem Rad als Pilger zur Kirwa kommen möchte, findet dazu auf dem landschaftlich reizvollen Freundschaftsweg zwischen Nabburg und Schönsee eine gute Möglichkeit.

Kirche bald zu klein

Bereits im ausgehenden Mittelalter ist die Wallfahrt zur schönen Maria von Pertolzhofen nachweisbar. Im 16. und 17. Jahrhundert nahm die Wallfahrt zum Gnadenbild der heiligen Maria in Pertolzhofen immer mehr zu. Die damalige kleine Kirche konnte die große Anzahl der Wallfahrer nicht mehr fassen. Deshalb entschloss man sich 1697 zum Umbau und zur Vergrößerung des Bauwerks. Die Barockkirche sollte das große Denkmal des aussterbenden Geschlechts der Pertolzhofer werden.

Am ersten Wochenende im Oktober fand jeweils - basierend aufgrund der Fertigstellung der Kirche im Jahr 1699 - die Kirchweih statt. Hundert Jahre später bereitete sich die Kirchengemeinde Pertolzhofen auf das Jubiläum vor. Zu diesem Zweck wurde die Kirche von dem in dieser Gegend bekannten Kirchenmaler Merz aus Neunburg ausgemalt. Der Edle von Gradl schenkte der Kirche eine sehr wertvolle Monstranz aus Silber und Gold mit Halbedelsteinen. Bereits Jahre zuvor wurde Kontakt mit dem Heiligen Stuhl in Rom Verbindung aufgenommen. Der Vollkommene Ablass ist für Pertolzhofen urkundlich nachweisbar.

Wallfahrt nach Plan

Neben dem vollkommenen Ablass wurden den Beichtvätern in Pertolzhofen noch weitere außerordentliche Vollmachten des heiligen Stuhls gewährt. Pertolzhofen musste damals einen außerordentlichen Ruf als Wallfahrtsort gehabt haben. Die Festlichkeiten zum Kirchweihjubiläum begannen an Michaeli, dem letzten Sonntag im September, und endeten am ersten Sonntag im Oktober, der Hauptkirchweih in Pertolzhofen. Wegen des außerordentlich großen Andrangs wurden die umliegenden Pfarreien aufgefordert, bestimmte Tage für ihre Wallfahrt einzuhalten. Sie sollten in folgender Reihenfolge erscheinen: Sonntag Stadt Nabburg unter Führung des Dekans und Winklarn; Montag Altendorf und Schwarzhofen; Dienstag Schwarzenfeld und Schwarzach; Mittwoch Auerbach bei Nabburg; Donnerstag Dieterskirchen und Oberviechtach; Für Oberviechtach ist die Wallfahrt nach Pertolzhofen aufgrund eines Pestgelübdes von 1627 für 222 Jahre nachweisbar. Am Freitag waren Teunz, Tännesberg, Weidenthal und Pullenried an der Reihe, am Samstag Thanstein.

Die Brücken oberhalb und unterhalb von Pertolzhofen hatten früher den Namen Frauensteg. Die Straße durch das Murachtal war eine Wallfahrtsstraße. Aufgrund dieser Details dürfte es auch nicht anzuzweifeln sein, dass nach alten Überlieferungen über 20 000 Personen 1799 in Pertolzhofen zur Kirchweih-Woche kamen.
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