Kunst kein weiches Kissen

Lokales
Niedermurach
22.10.2014
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Malerei, das ist nur was für Leute, die "Lüngerl mit Knödel" mögen, meinte Heimrad Prem. Ihn selbst hat das nicht davon abgehalten, sein Leben der Kunst zu widmen - mit allen Höhen und vielen Tiefen. Einen Ausschnitt aus seinem Werk zeigt jetzt die "Kunsthalle".

Lüngerl mit Knödel: Das war das billigste Gericht, das man früher im Wirtshaus bestellen konnte. Als Maler sollte man sich schon mal auf ein brotloses Leben einstellen. Diesen Rat hat Künstler Heimrad Prem allen mit auf den Weg gegeben, die diesen Berufszweig für sich ins Auge gefasst hatten. Auch Heiko Herrmann, Vorsitzender des Pertolzhofener Kunstvereins, bekam einst diesen Tipp. Jetzt erinnert er mit einer Ausstellung unter dem Motto "Heimat deine Sterne" im Kunst-Container am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg an seinen alten Lehrmeister, der heuer 80 Jahre alt geworden wäre.

Eine gewisse "Sturschädligkeit" attestiert Herrmann dem von ihm sehr geschätzten Mentor und untermauert das mit einer Reihe von biografischen Daten. Mit 18 Jahren ist Prem demnach von Roding aus zu Fuß nach München aufgebrochen, um Maler zu werden. "Anfangs nannten ihn alle Rembrandt wegen seiner Malweise", berichtet Herrmann. "Er wohnte in der Kunstakademie in einer aufgelassenen Toilette, weil er einfach kein Geld hatte." Und stur sei er gewesen, ein echter Oberpfälzer eben.

In den 60er Jahren schien Prem den Durchbruch geschafft zu haben. Mit der Künstlergruppe "Spur" verbuchte er internationale Erfolge. Sogar auf der "documenta" in Kassel war der Künstler mit seinem Werk vertreten. Seine Bilder hingen neben den ganz Großen in der Kunstszene wie Jackson Pollock. Doch er wusste auch um die Vergänglichkeit des Ruhms.

"In der Kunst, da musst du schrumpfen können wie eine Zwiebel", zitiert ihn Herrmann. Damit habe Prem gemeint, dass man auch zufrieden sein müsse, wenn es mal gar nicht so gut läuft. Und in den 70er Jahren lief es mit seiner Kunst ausgesprochen schlecht. Pop Art war jetzt angesagt, Prem konnte seine Bilder nur noch zu Spottpreisen verkaufen und war laut Herrmann bald "bitterarm".

Trotzdem hielt Prem am Künstlerleben fest, engagierte sich weiterhin in Gruppen mit anderen Künstlern und schließlich auch im "Kollektiv Herzogstraße". Denn Kunst bedeutete für Prem nicht Arbeit im stillen Kämmerlein, sondern "ein Prozess in der Diskussion, der Reibung verschiedener Individuen auf der Suche nach Neuem". Entsprechend experimentierfreudig zeigte sich Prem auch in seinen Werken. "Einmal hat er Kissen-Bilder mit Polsterung gemacht", erinnert sich Herrmann an den leidenschaftlichen Künstler, der materiell nicht weich gebettet war. "Er war aber auch ein guter Maler, man konnte richtig was lernen von ihm." Doch in seinem Versuch, noch einmal an die Erfolge der 60er Jahre anzuknüpfen ist Prem gescheitert. 1978 nahm er sich das Leben.

Was jetzt von diesem nicht einfachen Künstlerleben bis 30. November an Werken in der "Kunsthalle" zu bestaunen ist, hat aber nichts Düsteres. Viel heiteres Gelb taucht auf den Leinwänden auf, und sogar eine nächtliches "Autobild" versinkt keineswegs in Grautönen. Auch bei Künstlerkollege Heiko Herrmann überwiegen die guten Erinnerungen. "Es war wunderbar, als ich mir in den 80er Jahren in einer Wirtschaft Lüngerl mit Knödel bestellte und mir sagte: ,Das hast du dir erpinselt'".
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