Mit Kunsthalle auf die Hitliste

Kunstvereinsvorsitzender Heiko Herrmann (links) sorgt dafür, dass die Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen bestückt ist. Der Container bietet rund um die Uhr Einblick, das Tor ist allerdings nur offen, wenn - wie hier Stewens Ragone und Annette Reichardt - gerade ihre Kunstwerke an die weißen Wände hängen. Archivbild: Bugl
Lokales
Niedermurach
10.10.2015
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"Pertolzhofen gehört dazu", sagt Künstler Heiko Hermann und legt den Beweis für die Bedeutung der 400-Einwohner-Ortschaft auf den Tisch. Was er meint, ist ein Platz im Buch "111 Orte in der Oberpfalz, die man gesehen haben muss". Und daran ist er selbst nicht ganz unbeteiligt.

Interessantes vor der eigenen Haustüre will Autor Bernd Flessner in seinem Buch "111 Orte in der Oberpfalz die man gesehen haben muss" herauspicken. 15 davon liegen demnach im Landkreis. Pertolzhofen gehört zu den kleinsten Orten, die es auf die Hitliste geschafft haben. Schuld daran ist ein an sich recht unspektakuläres Bauwerk: die "Kunsthalle".

Wie in Emden

Eigentlich verbinde man mit einer solchen Bezeichnung eher berühmte Ausstellungsflächen mit vielen Quadratmetern, sinniert der Autor, der Pertolzhofen vor diesem Hintergrund erwählt hat. Die von Henri Nannen gestiftete Kunsthalle in Emden habe man da im Visier oder die 1912 erbaute Nürnberger Kunsthalle. Und doch erscheint seit 2007 auch das Dorf Pertolzhofen auf der Liste der Orte, die eine Kunsthalle besitzen.

Für die Einheimischen ist längst klar, dass "Halle" etwas übertrieben ist für den Container, ein gängiges Exemplar, wie es die Frachtschiffe für In- und Export in alle Welt nutzen. Nur eben mit Fenstern. Das schafft Einblick ohne Eintritt. Über eine Solaranlage wird der Container mit Strom versorgt. Mit etwas Glück reicht die Sonnenenergie auch für Beleuchtung bis tief in die Nacht. Außerdem kommt der Container, der normalerweise direkt am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg steht, meist ganz ohne Personal aus.

Die Idee zu dieser Ausstellungsstätte mit dem hochtrabenden Namen "Pertolzhofener Kunsthalle" auf braunem Lack hatte der Künstler Heiko Herrmann.

Kein Elfenbeinturm

Ursprünglich in der Münchner Kunstszene zu Hause, zog es ihn schon vor gut zwei Jahrzehnten aufs Land. Im ehemaligen Zehentstadel von Pertolzhofen fand er ein Domizil, das marode Bauwerk verwandelte er in ein Atelier, in dem sich bei den "Pertolzhofener Kunstdingertagen" alljährlich ein halbes Dutzend Künstler aus aller Welt treffen. Dem Hausherrn ist es zu verdanken, dass die Künstler dabei nicht im Elfenbeinturm zeitgenössischen Tendenzen huldigen, sondern den Kontakt zu den ganz normalen Nachbarn nebenan suchen. Fehlte nur noch ein dauerhafter Ausstellungsraum.

"Nach dem dritten Bier war die Idee geboren", erinnert sich Herrmann. Mit der Gründung des Kunstvereins Pertolzhofen 2004 gab es bereits ein solides Netzwerk an Unterstützern. "Die Gemeinde hat uns für einen Euro Pacht auf 99 Jahre ein Grundstück zur Verfügung gestellt", rekapituliert Herrmann, "und wir haben für den Container sogar Fördermittel aus dem Landwirtschaftsministerium bekommen". Im Mai 2007 konnte die Kunsthalle ihren Stammplatz am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg beziehen.

Weil die Kunsthalle zugleich ein Container ist, darf sie ab und zu auch verreisen. Karlsruhe, München, Schwandorf, Weiden, Tschechien und Bad Berneck hat sie schon mit mobilen Ausstellungen beglückt. Und wohin geht die Reise als nächstes? "Ich träume da von St. Petersburg", gesteht Künstler Herrmann, "einfach weil es so schön klingt".
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