"Tödlicher Kraftstecker"

Pomona Zipser bastelt an einem Objekt, das sich aus Richtung Kunst wieder einer Funktion in der Alltagswelt annähert - mit derzeit noch geheimem Innenleben.
Lokales
Niedermurach
02.07.2015
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"Nichts mitbringen!", ermahnt Heiko Herrmann seine Gäste: Die Künstler sollen in Pertolzhofen erst fündig werden. Reinhard Zabka liebäugelt jetzt mit einem Museum für seine Fundstücke, darunter ein bizarrer Rosenkranz, "schreckliches Bleikristall" und ein Nachthaferl.

Acht Künstler für zwei Wochen auf der Jagd nach Inspiration: Das ist die Basis der "Pertolzhofener Kunstdingertage". Bei dem 22. Treffen dieser Art, das nun am Samstag, 4. Juli, in einem großen Fest samt Ausstellung gipfelt, präsentieren Martina Benz, Jo Magrean, Mariko Saito, Urs Stadelmann, Willi Weiner und Pomona Zipser ihre "Trophäen", die nicht im einsamen Atelier, sondern bei der gemeinsamen Pirsch in Oberpfälzer Gefilden auf die "Jäger" warten. Hausherr Heiko Herrmann stellt dafür sein Atelier zur Verfügung und steuert eigene Werke bei. "Bei mir daheim gibt es höchstens Maulwurfshügel", kommentiert Martina Benz aus Bremen die grünen Oberpfälzer Hügel, die sie ganz bezaubernd findet. Noch mehr aber kann sie mit hartem Gestein anfangen: Aus einem Steinbruch in der Umgebung stammen die Granitwürfel, die sie mit Bohrmaschine und Eisenstangen zähmt.

Schrott auf neuem Weg

Pomona Zipser ist beim örtlichen Schreiner fündig geworden. Ein schrottreifes Nachtkästchen ist ihre Basis für etwas Neues, das sich nicht wie die zeitgenössische Kunst von Funktion und Technik weg, sondern hin zu einem neuen Daseinszweck bewegt. "Einem Schreiner würden sich da die Zehennägel aufrollen", beschreibt sie ihre unkonventionellen "Nebenwege" hin zu einem aufgewerteten Objekt.

Acht Künstler bringen für zwei Wochen die internationale Kunstszene ins ländlichen Pertolzhofen (Landkreis Schwandorf). Was dort an moderner Kunst entsteht ist beim Abschlussfest am 4. Juli zu sehen. Bilder von Monika Bugl.


Urs Stadelmann hat Pertolzhofen in der Teamarbeit mit Heiko Herrmann entdeckt: Die Aquarelle in Hellblau und Lila gehen auf das Konto beider Künstler. Weil er noch vor der Ausstellung abreisen musste, hat er zumindest seine "Überbringer des Glücks" dagelassen, eine Sammlung kleiner Tonfiguren. Ein anderer, Jo Magrean, ist noch gar nicht angekommen, soll aber fotografische Eindrücke auf dem Weg von Paris nach Pertolzhofen mitbringen. Mariko Saito macht mit schwarzer Tusche dort weiter, wo sie als Gast bei den Kunstdingertagen 2014 aufgehört hat, nur dass sie diesmal japanische Papierrollen um eine neue Formenwelt bereichert. Will Weiner, der ebenfalls schon im Vorjahr dabei war, ist dem Cortenstahl und runden Formen treu geblieben.

Komische Gaben

Neuling und "Spezialgast" Reinhard Zabka hat auf der Suche nach Beute bei den Nachbarn in Pertolzhofen geklingelt. Ihm kommt laut Gastgeber Herrmann als Künstler und Leiter eines "Lügenmuseums" in Radebeul eine Sonderrolle zu, wenn er sich auf die Jagd begibt nach "Dingen, die die Welt nicht braucht". "Dann gehen die los und bringen mir irgendetwas Komisches", erzählt Zabka, der allerdings parallel auch noch an Skulpturen aus Bambus bastelt. Sein Streifzug brachte ihm einen Rosenkranz ein, der aus Reh-Geweih gefertigt wurde. In einem kleinen grünen Heft hat er akribisch dokumentiert, was ihm von wem überlassen wurde - mit Unterschrift.

Ein mit Hauswurz bepflanztes Nachthaferl ist darunter, ein Kruzifix in der Flasche und ein "tödlicher Kraftstecker". Ob Bohnen oder Bleikristall, der Künstler umgibt sie mit ein paar Stichworten und damit einer völlig neuen Aura. "Wenn man es benennt, wird es originell", so seine Devise. Allzu viel will er nicht erzählen, vielmehr "beim Betrachter eine Geschichte auslösen". Fürs Finale der "Kunstdingertage" am 4. Juli baut er an einer Art "Museum der fragwürdigen Dinge". Geöffnet ist das Museum wie auch das Atelier nur an diesem einen Tag (Ausstellung ab 16 Uhr, Führung 18 und 19 Uhr). "Zu den Spielregeln der Kunstdingertage gehört es, am Ende alles wieder mitzunehmen", mahnt der Gastgeber.
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