Vom Diredare bis zur "Wurmin"

Der Sepp, der Kare und der Kale (von links) von der Gruppe "Ungschminggd" begeisterten mit Witz und guter Musik die Gäste im voll besetzten Vereinsstodl in Pertolzhofen. Bild: weu
Lokales
Niedermurach
01.10.2015
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"A bisserl ironisch, a wengal sarkastisch und a gloans bisserl böse, aber dafür (wahn)witzig", so bezeichnet die Gruppe "Ungschminggd" ihren Auftritt. Im Vereinsstodl Pertolzhofen wurde deutlich, was dabei herauskommt.

Bayerisches Musikkabarett vom Feinsten, hautnah und ungeschminkt: So erlebten die Gäste den Auftritt von "Unschminggd". Von der ersten Minute an wurden sie in das Programm miteinbezogen. "Herzlich willkommen auf Wolke 26.5", empfing Kale die Gäste und machte damit deutlich, dass "wir hoch über dem Weltgeschehen fliegen". Die Veranstaltung ging auf das Konto der Vereinsgemeinschaft, die damit die Reihe "Kultur im Stodl" fortsetzte.

Muse zum "Headbangen"

"Da Sepp, da Karl und da Kale" aus Niederbayern legten gleich voll los. Bei dem Lied "Mia san a boygroup" erklärte Kare, dass das Publikum klatschen und stampfen müsse, "wenn I headbange". Für alle, die "headbangen" nicht kennen, übersetzte er: "Wenn i mitm Kopf gnap, seids ihr dro". Die Mischung aus selbstgemachter "Voixmuse", schonungslos ungeschminkten Texten aus dem wahren Leben und hintergründigen Pointen, die augenzwinkernd dargeboten wurde, begeisterte das Publikum.

So erzählte Kale von "schwarzgekleideten Menschen, Blumen, dem letzten Geleit und dem Weg zur Hölle" und ließ das Publikum in dem Glauben, es handle sich um eine Beerdigung. Allerdings sang er von einem Junggesellenabschied.

Bissig wurde die Frage an alle Männer gestellt: "Seids ihr freiwillig da?" Darauf folgte ein Lied, bei dem alle Frauen lautstark den Refrain sangen: "Jessas san de Mana dumm." Lieder wie "Auf da Wies ent is a Wiesent" zeigten die musikalische Virtuosität, mit der die drei Vollblutmusiker zum Publikumsmagneten geworden sind. Ob Conchita Wurst, die "Flinten-Uschi" oder Wolfgang Schäuble, der Roberto Blanco engagiert, um eine schwarze Null zu haben - auf alle schoss sich das Trio ein. Interessant war auch die bairische Übersetzung des Englischen: "Store heißt auf bairisch Kramerlodn".

Gender-Wahnsinn

Wie weit der "Gender-Mainstream-Wahnsinn", also die Gleichstellung von Mann und Frau geht, werde deutlich, wenn im Apfel nicht nur der Wurm, sondern auch die "Wurmin" drin ist. Dass "Mutter" auch ein Mann sein könne, erkläre sich darin, dass auch zwei Männer ein Kind adoptieren können. Mit dem Lied "Kröten, Mäuse, Diredare, Money, Knete, Zaster" wurde aufgezeigt, dass es die meisten Begriffe für das Wort "Geld" gebe. Da man gewisse Wörter heutzutage nicht mehr verwenden dürfe, heiße das Zigeunerschnitzel jetzt "Schnitzel nach Art mobiler Osteuropäer", während es sich bei einem "maximal pigmentierten Gebietseinheimischen mit minimaler Aufenthaltsgenehmigung" um einen schwarzen Flüchtling handle.

Ob die erotischste Sendung "Bauer sucht Frau" oder die "Rentner-Bravo" ("Apotheken-Umschau"), viele Themen wurden durch den Kakao gezogen und mit liebevoller Bissigkeit gewürzt. So erlebte das Publikum einen lustigen Abend mit hohem Spaßfaktor und entließ die drei Niederbayern nur nach einigen Zugaben und mit viel Applaus.
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