"Von der Politik verschaukelt"

Dr. Siegfried Burger, Martin Abel und Roman Kolywanow (von links) äußerten ihre Bedenken zu Windkraftanlagen. Bild: weu
Lokales
Niedermurach
27.05.2015
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Eine vollbesetzte Mehrzweckhalle und rege Diskussion zeigten das Interesse, das die Bürger im Hinblick auf Windkraftanlagen haben. Die Bürgerinitiative Rottendorf informierte zu Themen wie Schlagschatten, Blitzlicht, Bedrängung und Infraschall.

Zur Informationsveranstaltung über den geplanten Bau einer solchen Anlage in der Nähe von Rottendorf begrüßte der Sprecher der Bürgerinitiative, Martin Abel, viele Gäste auch aus den umliegenden Ortschaften. Schlagschatten, Blitzlicht, optische Bedrängung und Lärm würden die Bürger belasten, da bei jetziger Planung der Abstand zu Wohngebieten in Rottendorf nur 850 Meter betrage.

Gesundheitliche Risiken

Infraschall betreffe Ortschaften wie Niedermurach, Enzelsberg, Pischdorf und Pertolzhofen und beeinflusse im Stammhirn lebensnotwendige Funktionen wie Herzfrequenz, Atmung und Blutdruck und könne zu Stress, Nervosität, Depressionen und Herzrasen führen. Abel und BI-Mitglied Roman Kolywanow legten anhand von Tabellen dar, dass Windkraft nicht grundlastfähig sei, weil der Wind in dieser Gegend unregelmäßig und unvorhersehbar weht. Da die aus Windkraft erzeugte Energie nicht gespeichert werden könne, müssten konventionelle Kraftwerke ständig laufen, um gleichmäßige Stromlieferung zu garantieren.

Nicht zuletzt würden sich solche Anlagen auch in finanzieller Sicht nicht lohnen, denn Gewinne gingen an den Erbauer, nicht an den Investor. "Geht es bei dem geplanten Projekt wirklich um Umweltschutz, wenn für den Bau Wald abgeholzt wird - und das für 1300 Volllaststunden Strom?", stellte er in den Raum. Stattdessen sollten Wasserkraftwerke oder die Kraft-/Wärmekopplung ausgebaut werden.

Werner Graf, Vertreter der BI Jurahöhe im Landkreis Neumarkt, erklärte die wirtschaftlichen Gesichtspunkte von Windkraftanlagen. Er forderte Stromeinsparung, denn "die beste Energiequelle ist die, die man nicht braucht". Durch Effizienzmaßnahmen könne ein Drittel des Stroms eingespart werden. "Energie, die nicht produziert werden muss, verursacht weder Kosten noch Schaden", lautete sein Statement. Interessante Fakten und überraschende Ergebnisse präsentierte Dr. Siegfried Burger, nachdem er das Projekt "Bürgerwindenergie Neunburg" in Penting beleuchtet hatte.

Das Gutachten zum Ertrag beruhe auf Berechnungen, nicht auf Windmessungen. Verglichen mit den vier ertragreichsten Windrädern, die östlich von Hof, in Scheßlitz und Freudenberg stehen, zweifelte Dr. Burger die Ertragsberechnungen an. In Kalkulationen legte er dar, dass sich so eine Beteiligung an Windrädern nicht lohne, ja dass sogar Totalverlust drohen könne. Er verglich diese Modelle mit anderen Mitteln des "Grauen Kapitalmarktes" wie "Aufbau Ost" und "Schiffs- und Containerfonds", bei denen viele Anleger ihr Geld verloren hätten. Anstelle von "Bürgerwindenergie" träfe der Name "Bürger-Haftungsgesellschaft" eher zu.

Bedenken angemeldet

In der anschließenden Diskussion meldeten viele Anwesenden ihre Bedenken gegenüber Windkraft an. Im Namen des "Bund Naturschutz" stellte Arnold Kimmerl die Aussage eines Zuhörers richtig, der meinte, dass der Bund Naturschutz Geld erhalte, wenn er sich nicht gegen Windräder stelle. Manche fühlten sich auch von der Politik "verschaukelt". Wenn es schon keine Wirtschaftlichkeit in der Gegend gebe, so sollte man doch nicht die wunderschöne Landschaft "verschandeln", sondern sie für Erholung und die Nachkommen erhalten, war der Tenor der Redner.

Sehr emotional trug Hedwig Leipold ihre Bedenken vor. Sie kenne viele Leute, die unter den Windrädern in ihrer Nähe leiden. Der Mensch solle im Vordergrund stehen und nicht Geld oder Profit. "Warum errichtet man Windräder nicht in Oberbayern, wo es mehr Wind gibt?", fragte sie und gab als Antwort: "Auf dem Land fürchtet man weniger Widerstand."
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