Wenn der Liebling zur Last wird

Lokales
Niedermurach
02.04.2015
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"Jetzt reicht's. Das geht so nicht mehr", schimpft Gisela Schmirali von der "Tierhilfe im Landkreis Schwandorf". Sie ist sauer darüber, dass bei einer Tierschützerin in der Gemeinde Niedermurach vermehrt Katzen ausgesetzt werden. Die Kosten für Sterilisation und Futter gehen ins Bodenlose.

Montag, 7.30 Uhr. Als Christina Fröhler das Tor ihres Anwesens öffnet, hört sie ein leises Wimmern. In der Hecke am Zaun steht ein Korb mit einer Katze. "Ein schönes, dreifarbiges Kätzchen vom letzten Jahr. Allerdings trächtig", sagt die 38-Jährige und sieht darin auch den Grund, das Tier "zu entsorgen". Fürs "gute Gewissen" hatte der Besitzer eine Packung Trockenfutter an der Transportkiste befestigt.

Einfach loswerden

"Wenn die Katzen, Hunde und Hasen nicht mehr niedlich sind, sondern Arbeit machen, indem sie Junge bekommen, dann wollen sie viele einfach loswerden", erklärt die alleinerziehende Mutter, die mit ihrer Tochter seit sechs Jahren in einem kleinen Haus mit Stall und Scheune wohnt. Wo genau, will sie nicht sagen - denn sonst muss sie sich auf noch mehr "Quartiersgäste" einstellen. Ihr reicht es langsam. "Es ist eine Frechheit, wenn die Leute aus Bequemlichkeit ihre Haustiere einfach über Nacht bei mir abladen, nur weil ihnen das Tierheim in Schwandorf zu weit ist."

Bekannt in der Region ist sie geworden, weil sie Leuten hilft, denen Wildkatzen zugelaufen sind - bevor sich diese unkontrolliert vermehren. Mittels einer Lebendfalle fängt sie die verwahrlosten Katzen ein, versorgt sie mit Futter und lässt sie sterilisieren. Dann werden sie wieder freigelassen - "fangen Mäuse und machen ihren Job". Manche Kätzchen werden auch vermittelt, wobei sie Pflegestellen dabei unterstützen, die Tiere handsam zu machen. Die Kosten für Sterilisation und Futter übernimmt die "Tierhilfe im Landkreis Schwandorf". Der ehrenamtlich arbeitende Verein kann aber nicht für alle ausgesetzten Tiere aufkommen. Vorsitzende Gisela Schmirali aus Maxhütte-Haidhof appelliert an die Bevölkerung, es zu unterlassen, "unbequeme" Tiere einfach bei Frau Fröhler auszusetzen: "Wir sind doch hier nicht im Wilden Westen!"

Dabei ist das idyllische Anwesen ohnehin schon eine Art "Gnadenhof". Es gibt 10 Katzen mit Namen, 2 Ponys, 2 Hunde und auf der Wiese schnattert Federvieh. Im Stallgebäude werden plötzlich aufgetauchte Rassekaninchen aufgepäppelt, in einem offenen Drahtkorb räkeln sich zwei Katzen. "Das sind Pisser. Die dürfen nicht ins Haus", erklärt die 38-Jährige. Kater Linus, eine norwegische Waldkatze, erhebt sich langsam und springt auf die alte Kommode am Scheunentor. Zeit für eine Zwischenmahlzeit. Das Tierfutter, meist mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum, bettelt Christina Fröhler bei Einkaufsmärkten zusammen.

"Futter-Tankstelle"

Linus ist schon fünf Jahre zu Gast. Leicht verfilzt und unterernährt hatte sie das einmal sehr wertvolle Tier aufgelesen. Doch die meisten sind einfach da, genießen für ein paar Tage die "Futter-Tankstelle" und ziehen dann weiter. Christina hat ein "Herz für Tiere" und bringt es einfach nicht fertig, Kreaturen leiden zu sehen. "Das wird von den Leuten ausgenutzt", kritisiert Gisela Schmirali. Sie sieht als Ansprechpartner den Tierschutzverein Schwandorf in der Pflicht, "der ja auch Unterstützung von den Kommunen bekommt."

Übrigens, das Kätzchen im Korb ist gleich am nächsten Tag über das offene Dachfenster ins Freie geklettert und "ausgebüchst". "Die Katze ist wieder nach Hause gelaufen und wird dies immer wieder tun", warnt Christina Fröhler vor weiteren Anläufen. Ihren Appell zum rechtzeitigen Sterilisieren kann sie gar nicht oft genug wiederholen. Als sie "Frau Hase" Rüben ins Stroh legt, warnt sie auch vor "niedlichen Ostergeschenken". Das Rassekaninchen hat ebenfalls ein "Abschiebe-Schicksal" hinter sich und hoppelte eines Tages durchs Tor.
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