Biobauer Martin Prey vertraut auf sein Bauchgefühl und investiert in eine Heu-Trocknungsanlage
Ausbruch aus dem Hamsterrad

Fast so verlockend wie frisches Gras ist laut Landwirt Martin Prey das Heu, dem in der Trocknungsanlage Wasser entzogen wird. Mit einem an der Decke befestigten Kran hievt der Bauer es aus der großen Kammer. Dann wird es gepresst, um Platz zu sparen. Bilder: Bugl (2)
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Niedermurach
08.01.2016
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Martin Prey sieht den "Zukunftspreis Umwelt" als Bestätigung dafür, dass Landwirtschaft und Umweltschutz Hand in Hand gehen können.

Mehr Dünger, mehr Ertrag: Für Biobauer Martin Prey geht diese Rechnung schon lange nicht mehr auf. "Das System in der Landwirtschaft ist pervers", sagt der 23-Jährige. Er vertraut seinem Bauchgefühl mehr als Professoren - und die Umwelt profitiert davon.

Keine Spur von Generationenkonflikt, wenn Vater und Sohn Prey - beide heißen mit Vornamen Martin - von Errungenschaften und Plänen im ökologischen Landbau erzählen. Auf dem Kachelofen im Niedermuracher Bauernhof steht als jüngste Trophäe für erfolgreichen Umweltschutz: der Zukunftspreis des Landkreises. Und im Stall am Ortsrand lagert Heu, das grüner ist und wohl auch schmackhafter als alles, was Milchkühe sonst so über den Winter bringt.

"Das liegt an der Heu-Trocknungsanlage", berichtet Martin Prey junior, "auch einer der Gründe, warum ich den Zukunftspreis bekommen habe". Wer ihm zuhört, spürt die Leidenschaft, mit der er nach dem Landwirtschaftsstudium in Weihenstephan seit Mai 2014 an die Praxis herangeht. Mit einem Modell, für das sein Vater schon 1998 die Weichen gestellt hat. Wie der Senior ist auch der Junior überzeugt, dass die Zukunft in einem "geschlossenen Bio-System" liegt: mit Futter, das unter Beibehaltung der Fruchtfolge ausschließlich auf den eigenen Feldern produziert wird, mit Direktvermarktung und auch mit Hilfe neuer Technik wie der Heutrocknung.

Soja überflüssig


"Nur so können auch die Kleinen bestehen, ohne dass sie in einem Hamsterrad drinstecken, das auch noch auf Kosten der Umwelt geht", ist sich der 23-Jährige mit seinem Vater einig. "Wir brauchen kein Soja aus Südamerika", hat er festgestellt. Nur Mineralfutter, Diesel und Strom kommen von außen. Von letzterem wird über eine eigene Photovoltaikanlage sowieso mehr produziert als verbraucht. "Geld, das ich nicht ausgebe, brauche ich nicht erst zu verdienen", ergänzt der Vater, der sich als Niedermuracher Bürgermeister inzwischen mehr der Politik widmet.

Das Erfolgsrezept der Familie Prey im ökologischen Landbau ist kein Geheimnis. 55 Kühe stehen im Stall und liefern Bio-Milch. Fleisch, das beispielsweise durch männliche Kälber anfällt, wird nach dem Schlachten in einem Oberviechtacher Betrieb in der hofeigenen Metzgerei verarbeitet. "Ohne eigene Vermarktung ist man wieder im Hamsterrad, und der Verkauf macht die Arbeit vielseitiger", sind Vater und Sohn überzeugt. Statt auf Kunstdünger setzen die Bio-Landwirte auf Fruchtfolge (siehe Info-Kasten). "Allerdings muss man schon mal ein Auge zudrücken, wenn der Mais nicht so schön ist", sagt Martin Prey junior, "und wenn man Fehler macht, bekommt man gleich die Quittung". "Da lernt man Gelassenheit und Demut", fügt sein Vater hinzu. Und was ist mit Faktoren wie dem Klimawandel? Auch dafür sei ein Bio-Landwirt besser gerüstet, meinen beide. "Ein guter Boden kann beispielsweise Trockenheit besser ab", erklärt Martin Prey junior. Entscheidend sei dabei das Bodenleben. Nur wenn das in Ordnung sei, könne die Pflanze die Nährstoffe auch verwerten. "Der Ausgleich muss einfach stimmen", sagt der Jungbauer und kritisiert, dass bei der Wissensvermittlung natürliche gegenüber produktionssteigernden Mitteln immer im Hintertreffen sind.
Geld, das ich nicht ausgebe, brauche ich nicht erst zu verdienen.Martin Prey senior über Bio-Futter aus eigener Produktion

Auf optimale Nährstoffe zielt auch die jüngste Anschaffung der Familie Prey ab: eine Heu-Trocknungsanlage. 250 000 Euro hat der Niedermuracher Betrieb in dieses System investiert, das hochwertiges heimisches Eiweißfutter liefern soll: Nach einem Tag Lufttrocknen kommt das Gras in die Scheune, und wird dann ohne "Bröckelverluste" schonend wie mit dem Fön nachbehandelt. Und der Energieaufwand? "Unterm Strich ist es sparsamer, fürs Silo müsste auch vermischt und geschnitten werden", schätzt der 23-jährige Hofinhaber. Aber genau berechnen könne man das nicht. Faktoren wie Tiergesundheit würden oft nicht in solche Kalkulationen einfließen.

In Österreich sei man da schon weiter, informiert Prey, der sich in seiner Bachelor-Arbeit ausführlich mit der Heu-Trocknung befasst hat. "Lassen Sie diesen Blödsinn und bauen Sie lieber einen neuen Kuhstall", riet ein Professor in Weihenstephan den Studenten. Martin Prey will den Gegenbeweis antreten und hat sich dafür auch einen eigenen Stromzähler angeschafft.

Wissen weitergeben


Mit dem "Zukunftspreis Umwelt 2015" hat der 23-Jährige zumindest schon mal eine Anerkennung des Landkreises erfahren. "Für mich ist das eine Bestätigung, dass Landwirte viel für den Umweltschutz tun können - auch wenn sie oft in der Kritik stehen", berichtet der Preisträger, der noch mehr Kollegen auf dem Bio-Sektor als Konkurrenz nicht fürchtet. "Wir geben unser Wissen gerne weiter", stellt er klar, "es wäre wirklich eine Bereicherung, wenn jemand aus Überzeugung diesen Weg wählt".

Hintergrund


Ökologisch mit Fruchtfolge

Unter Fruchtfolge versteht man die zeitliche Abfolge der auf einer landwirtschaftlichen Fläche angebauten Nutzpflanzen. Sie gilt als wichtiger Bestandteil des modernen Agrarmanagements im konventionellen sowie im ökologisch ausgerichteten Landbau. Biobauer Martin Prey setzt bei der Futtermittelproduktion für sein Milchvieh auf ein Schema, in dem zwei bis drei Jahre lang Kleegras, ein Jahr Mais, dann zwei Jahre Getreide (mit Zwischenfrucht) angebaut werden. Gedüngt wird nur mit Gülle und Mist, die im eigenen Betrieb anfallen.

Besserer Käse aus "Heumilch"

Erste Interessenten für die Heu-Trocknungsanlage stehen schon vor der Tür: Vor wenigen Tagen bekam die Familie Prey Besuch von Landwirten aus Niederbayern, die sich für die ökologische Wirtschaftsweise und die neue Technik interessierten. Die ermöglicht immerhin ein viel grüneres Heu. "Da sind die Kühe genauso scharf drauf wie auf frisches", meint Martin Prey senior und hält es für möglich, dass sich das irgendwann auch mal auf dem Konto des Bio-Bauern niederschlägt - mit "Heumilch", wie sie in Österreich bereits vermarktet wird, soll schließlich auch der Käse schmackhafter werden.

Bronzeskulptur und 1000 Euro

Der "Zukunftspreis des Landkreises Schwandorf" in der Kategorie Umwelt wird vom Verein "Partner für den Landkreis Schwandorf" verliehen. Im vergangenen Jahr wurden drei gleichwertige Preise vergeben, die mit jeweils 1000 Euro und einer Bronzeskulptur honoriert wurden: Neben Martin Prey (Kategorie Privatpersonen/Vereine) hatten das Berufliche Schulzentrum, Außenstelle Neunburg (Schulen) und die NABU Oberflächentechnik GmbH (Unternehmen) die Jury überzeugt. Ein Anerkennungspreis ging an die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Schwandorf.
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