Sagenumwobenes Kirchlein zwischen Niedermurach und Oberviechtach
Versunkener Altar und Gebeine

Auf dem Barockaltar ist die heilige Walburga mit ihren Brüdern Bischof Willibald (links) und Abt Wunibald (rechts) dargestellt.
Vermischtes
Niedermurach
24.02.2016
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Ein schönes Kirchlein auf gepflegter Umgebung - die Walburgiskapelle an der Straße von Niedermurach nach Oberviechtach. Bilder: boj (2)

Die heilige Walburga hat als Äbtissin viel bewirkt. Ihr Bekanntheitsgrad beruht allerdings eher auf der nach ihr benannten "Walpurgisnacht". Dabei hat diese wenig mit ihr zu tun.

Viele Walburgiskirchen gibt es in Franken und im Rheinland, wo die Heilige gelebt und gewirkt hatte. In unserer Gegend ist dies weniger der Fall. Die zur Pfarrei Niedermurach gehörige Walburgiskapelle ist wohl der einzige Sakralbau im Dekanat Neunburg/Oberviechtach, welcher der heiligen Walburga geweiht ist. Das sagenumwobene Kirchlein, auf einer Anhöhe an der Straße zwischen Niedermurach und Oberviechtach gelegen, war früher ein vielbesuchter Wallfahrtsort.

Eine wechselvolle Geschichte begleitet die Walburgiskapelle durch die Zeit. In einer Abhandlung vom 25. Februar 1997 in der "Grenz-Warte" schrieb der damalige Kreisheimatpfleger Hubert Teplitzky, dass bereits um 1670 an diesem Platz ein Kirchlein gestanden hat, welches aber um 1720 einstürzte. Über den Anstoß zum Wiederaufbau berichtet eine Sage, wonach ein Bauer, der seinen in der Nähe des Kirchenhügels gelegenen Acker bestellte, eine Frau beobachtete, die unermüdlich Steine und Erde aus der Ruine trug. Er holte Leute aus dem Dorf und gemeinsam erkannten sie, dass die arbeitende Frau die heilige Walburga selber war.

Freifrau von Murach


Rasch wurde daraufhin die Wiedererrichtung des Kirchleins in Angriff genommen. Bei den Aufräumungsarbeiten kam ein in die Erde versunkener Altar zum Vorschein, darunter eines Menschen Gebeine. Die Veranlassung des Wiederaufbaus und die Finanzierung werden der Freifrau von Murach zugeschrieben. Die Einweihung erfolgte am 25. Februar 1724, dem Gedenktag der heiligen Walburga.

Von da an entwickelte sich das Walburgiskirchlein zu einem beliebten Wallfahrtsort. Aus der ganzen Gegend strömten die Gläubigen am Walburgistag (25. Februar) herbei, um den Segen der Heiligen zu erflehen. Reges Markttreiben herrschte an den Ständen zahlreicher Krämer. Ein jahrelanger Streit um das Standgeld dieses Marktes zwischen dem bayerischen Staat und den Hofmarksherren von Niedermurach sowie die Abschaffung des Walburgistages als Feiertag brachte die Wallfahrt schließlich zum Erliegen. Heute wird die Kapelle von der Pfarrei Niedermurach überwiegend für Kreuzweg- und Maiandachten genutzt und ist seit einigen Jahren Ziel einer Fackelwanderung mit adventlicher Feier der KLB Niedermurach.

Bestens hergerichtet


Notwendige Reparaturen wurden von der Pfarrei immer wieder erledigt. Seit rund zwanzig Jahren bemüht sich in besonderer Weise die Familie Salomon aus Dietersdorf, stets im Einvernehmen mit der Kirchenverwaltung Niedermurach, um den Erhalt des Kirchleins. So sorgte Michael Salomon dafür, dass das Mauerwerk eine Trockenlegung erfuhr und der Dachstuhl samt Eindeckung erneuert wurde. Der Innenbereich erhielt ein neues Pflaster und neues Gestühl. Die Ausbesserung des Außenputzes erledigte unentgeltlich der Maurer Konrad Fröhler senior aus Niedermurach. Ein neuer Innen- und Außenanstrich gaben dem Bauwerk wieder ein frisches Aussehen und das neue Vordach über der Eingangstüre und die Pflasterung rundeten die Außenrenovierung ab.

Nach Restaurierung der Figuren und des Altars erstrahlen auch diese in neuem Glanz. Michael Salomon hält auch die Außenanlage sauber, da das gesamte Umfeld sein eigenes Grundstück betrifft. Nur das Bauwerk steht auf kirchlichem Grund. So präsentiert sich die Kapelle heute in einem ausgezeichneten baulichen Zustand in gepflegter Umgebung.

Walburga und WalpurgisnachtWalburga, um das Jahr 710 in England geboren, gilt als Tochter von König Richard dem Angelsachsen und wird als Nichte des heiligen Bonifatius angesehen. Schon früh verwaist erhielt sie im Kloster Wimbonie ihre Ausbildung. Nachdem ihre Brüder Willibald (erster Bischof von Eichstätt) und Wunibald (Erster Abt von Heidenheim) bereits in Deutschland waren, holte Bonifatius auch Walburga in die weitgehend noch heidnisch geprägten deutschen Lande. Sie trat zunächst in das Kloster Tauberbischofsheim ein. Nach dem Tod ihres Bruders Wunibald leitete sie das von ihm gegründete Männerkloster Heidenheim, zu dem wenig später ein Frauenkloster hinzukam.

Unter ihrer Leitung erlangte das Doppelkloster Heidenheim eine große missionarische Ausstrahlung und die Äbtissin Walburga wurde zu einer der bedeutendsten Frauen des christlichen Europas. Mit großer Überzeugungskraft und Frömmigkeit trug sie viel zur Verbreitung des christlichen Glaubens bei. Legenden berichten von Wundern und Heilungen, die auf ihr Gebet hin geschahen. Walburga starb am 25. Februar 779. Sie wird als Schutzheilige bei Hungersnot, Missernte, Seuchen, Tollwut und Augenleiden angerufen und ist Patronin der Wöchnerinnen, Bauern, Seeleute und Kranken. Der Gedenktag der heiligen Walburga (auch Walpurga) wurde bis ins Mittelalter am 1. Mai, dem Tag ihrer Heiligsprechung, gefeiert.

Die Walpurgisnacht war die Vigilfeier dieses Festes. Vigil (lateinisch Vigilia) bedeutet Wache, Nachtwache vor großen Festen, im erweiterten Sinn der Vortag eines Festtages. Der Name Walpurgisnacht leitet sich also von der heiligen Walburga ab. Brauchtum und Umtriebe in der Walpurgisnacht haben mit der Heiligen überhaupt nichts zu tun. (boj)
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