Auftritt auf der Kulturbühne „Live im Antik“
Weiherer wartet auf sein Minarett

Freiheit und eine gute Idee, Worte statt Text, Träume und Gedanken und kein HD-TV, Werte, ganz gleich was es kostet, Weiherer, der Solo-Künstler sprach seinen Zuhörern aus dem Herzen. Bild: sir
Kultur
Nittenau
18.05.2016
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Vordergründig komisch, hintergründig ernst: So lässt sich der Auftritt vom Weiherer im "Live im Antik" auf einen Nenner bringen. Der Alltag mit all seinen Facetten bringt eine gewisse "Betriebsblindheit" mit sich. Nicht so beim Weiherer: Der "langhaarige Liederbombenleger", wie es in einer seiner Beschreibungen heißt, hat sich seine eigene Sicht der Dinge bewahrt, er ist einer, der genauer hinschaut. Er interessiert sich für die Menschen um ihn herum.

Sprüche treffen Nerv


Das bekommt auch sein Publikum zu spüren, mit dem er stets kommuniziert. Weit kommt er auf seiner Tour herum, trifft auf verschiedene Menschen. Seit 14 Jahren stehe er nun auf der Bühne. Seine Sprüche treffen den Nerv seiner Zuhörer. Was anderes sind seine Lieder, die ihr Ziel erreichen: Sie machen nachdenklich, beispielsweise wenn Weiherer kritisch fragt: "Ist das noch meine Heimat?"

Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt veranlasste den Weiherer zu Gründung der Band "Weiherer und die Dobrindts". Das Publikum hört gespannt zu. So habe Dobrindt gesagt, wer gestern gegen Atom und heute gegen Stuttgart 21 demonstriert habe, der brauche sich nicht zu wundern, wenn morgen ein seinem Garten ein Minarett steht. "Seitdem warte ich auf mein Minarett", verkündete Weiherer seinem Publikum.

Doch auch sich selbst nimmt er auf die Schippe. "Gibt es Fragen? Wir können das interaktiv lösen mit einem Stuhlkreis. Das kenne ich von meiner Therapie." Freiheit ist für Weiherer ein hohes, wenn nicht sein höchstes Gut. "Was ich brauche ist meine Freiheit und eine gute Idee", singt er in bayerischer Mundart. In "Euer System" übte er Kritik an der Gesellschaft, ein System, das nur mehr Resignation aufkommen lasse, kaputt mache, integriert und nicht mehr gefährlich und unbequem. Er wohne in München. Er habe sich schon darauf eingestellt, dass er im Schnitt einmal in der Woche von der Polizei kontrolliert werde. Erdbeeren habe er in seinem Rucksack gehabt. Die Polizei habe diesen durchsucht und die Erdbeeren darin gleichzeitig püriert. Das sei dann ein Smoothie gewesen. Was das ist? Etwas, das zu flüssig fürs Essen ist und zu dick zum Trinken.

Betrachtungen und Pointen


Der Weiherer hat auch so seine Methoden mit Werbung umzugehen. Brunsbüttel habe er als seinen Wohnort angegeben. Er habe sich dabei sehr geschickt angestellt, die Folge davon sei, dass nach Auswertung der Statistik man sich werbemäßig auf Brunsbüttel konzentriere, "und wir haben unsere Ruhe". Nach einer kurzen Pause wartete das Publikum bereits neugierig auf weitere Betrachtungen und die Pointen des Solokünstlers. Und sie sollten nicht enttäuscht werden.
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