Exquisiter Gesang

Sibylla Joedicke (links) und Barbara Hölzl eröffneten die Joseph-Loritz-Tage, die 2015 erstmals den neuen Titel "Nittenau Vocal" tragen. Bild: R. Tietz
Kultur
Nittenau
12.05.2015
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Neuer Name - bewährt hohe Qualität: Mit einem fulminanten Liederabend beginnen die Joseph-Loritz-Tage, die nun "Nittenau Vocal" heißen.

Es hätten noch mehr Besucher im Rathausfoyer Platz gefunden, als das erste Konzert der Veranstaltungen unter dem Titel "Nittenau Vocal", die bis zum letzten Jahr "Joseph-Loritz-Tage" genannt wurden, beginnt. Diejenigen, die da sind, erleben einen wunderschönen Liederabend.

Von Sibylla Joedicke behutsam am Klavier begleitet, singt die Mezzo-Sopranistin Barbara Hölzl ausgewählte Lieder berühmter Komponisten. Beide Künstlerinnen verblüffen immer wieder durch ihre gelungene Abstimmung zwischen Gesang und Begleitung. Sie beweisen ihre Musizierfreude in Melodie geprägten Liedern und komplizierten Meditationen. Das beginnt bei Franz Schubert und seinem rastlosen "Musensohn", setzt sich fort mit dem nachdenklichen "Ganymed", äußert sich in der Natur-Beurteilung von "Wanderers Nachtlied", erlebt "Auf dem See" ein schönes Naturgefühl, ist erfüllt vom "Frühlingsglaube" und fasst in "Sehnsucht" menschliches Streben zusammen.

Aus Liederzyklen

Die Sängerin versteht es, jedem Lied den individuellen Ausdruck zu geben und an ihre Hörer weiterzureichen, den Schubert stimmungsmäßig erzielen wollte. Auch der Vortrag der folgenden sechs Lieder von Johannes Brahms steht unter diesem Interpretationsziel. Die Lieder sind diversen Liederzyklen entnommen. Es verbindet sie die Absicht, Stimmungen im menschlichen Leben zu präsentieren. Und das gelingt der tadellosen Sangeskunst der Interpretin und der einfühlsamen Begleitung der Pianistin hervorragend.

Geheimnisvoll klingt "Wehe so willst du mich wieder" op 32/5, bewundernd "Dein blaues Auge" op 59/8, ein "Geheimnis" andeutend op 71/3, beruhigend die "Unbewegte laue Luft" op 57/8, naturverbunden die "Mainacht" op 43/2 und hoffnungsvoll "Von ewiger Liebe" op 43/1. Nach der Pause geht es zunächst mit vier Liedern von Max Reger weiter. Mehr als 200 Lieder hat dieser Komponist geschaffen. Viele enthalten große Anforderungen, deshalb werden sie nicht allzu oft aufgeführt. Vor allem die Klavierbegleitung bietet komplizierte Tonfolgen.

Joedicke schafft es, zusammen mit der Sängerin Hölzl die glaubhafte Wiedergabe der Ideen des Komponisten zu gewährleisten. Auch hier kommen die Stimmungen in "Du meines Herzens Krönelein", "Mein Engel hüte dein", "Waldeinsamkeit" und "Wenn die Linde blüht" den Zuhörern ergreifend nahe. Den letzten Programmpunkt bilden sieben Lieder von Gustav Mahler, alle aus "Des Knaben Wunderhorn", wobei "Ich ging mit Lust in einen grünen Wald" ein Jugendlied mit Klavierbegleitung ist, während die anderen aus der Sammlung der zwölf Orchesterlieder stammen.

Natur oder Esoterik

Auch mit Klavier werden sie zum genussvollen Eindruck, egal ob naturverbunden wie das "Rheinlegendchen", "Wer hat dies Liedlein erdacht" und "Wo die schönen Trompeten blasen" oder wie das "Lob des hohen Verstands", das "Urlicht" und "Das irdische Leben" mehr von esoterischer Gedankenwelt geprägt. Als Zugaben folgen erst das "Ständchen", dann "Guten Abend, gute Nacht" von Johannes Brahms. Mit diesem passenden Abschied geht ein würdiger Auftakt der Veranstaltungsreihe "Nittenau Vocal" zu Ende.
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