Heimat-Stern, der in der Ferne strahlte

Kultur
Nittenau
10.12.2014
3
0

Die Pferde von Schloss Oiron in Frankreich, die Halle im Kreishaus Viersen, die Heilig- Geist-Kirche in Neuss: Die Architektur und Malerei verbindenden Arbeiten Georg Ettls haben den Künstler über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Anfang November ist der in Nittenau geborene Ettl im Alter von 74 Jahren verstorben.

Dass Georg Ettl ursprünglich aus Nittenau stammte, ist den späteren Eckdaten seines Lebens, die sich vor allem zwischen den USA, Frankreich und dem Niederrhein ansiedeln, kaum zu entnehmen. Nun ist der Weltmensch in die Heimat zurückgekehrt. Die letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Viechtacher Pfarrfriedhof. Nach langwieriger Krankheit ist der 1940 in Nittenau geborene Künstler Anfang November in seiner Wahlheimat Viersen verstorben. Auf dem Viechtacher Friedhof kümmert sich nun seine Familie um das Grab.

Ein eher lustiger Mensch

"Mein Bruder war ein eher lustiger Mensch", so charakterisiert Hubert Ettl, selbst bekannt durch den Viechtacher "lichtung verlag", den Verstorbenen. "Die Kunst war sehr wichtig in seinem Leben" - eine Aussage, die sich von selbst versteht angesichts der Laufbahn Georg Ettls, die ganz im Zeichen des künstlerischen Schaffens stand. Nachdem der junge Mann 1959 in die USA ausgewandert war, studierte er zunächst in Detroit Literatur, Philosophie und Kunst und absolvierte nebenher eine Lehre als Werkzeugmacher und technischer Zeichner. Ettls eigentliche künstlerische Tätigkeit begann in den 60er Jahren und war beeinflusst von der Minimal Art.

"Schon bald hat er dann die rein minimalistischen Positionen verlassen", erzählt Hubert Ettl über seinen Bruder. Figürliche und ironische Elemente fanden Eingang in seine Arbeiten, später entwickelte er das für ihn charakteristische Motiv des menschlichen Kopfes.

Dass sich Georg Ettl nach seiner Rückkehr nach Deutschland am Niederrhein ansiedelte, hat seine Gründe ebenfalls in der Kunst. Die zeitgenössische Szene hatte dort ein Zentrum. Der ideale Hintergrund für Ettl, der schon in den USA als Kunstprofessor tätig war, und vom Niederrhein aus in Europa von sich Reden machte. Verewigt hat sich der gebürtige Nittenauer vor allem durch seine Architekturprojekte, in denen Malerei und Gebäude eine Symbiose eingehen: Im Schloss Oiron südlich der Loire malte er die Lieblingspferde einer einstigen Herrscherin.

Von Houston bis Tokio

In Viersen arbeitete er in der Halle des dortigen Kreishauses mit Zitaten aus der Renaissance. Seine größte Architekturarbeit aber steht in Neuss: Die dort in den 1950-er Jahren errichtete Heilig-Geist-Kirche malte er komplett aus. Ausstellungen brachten Georg Ettl unter anderem nach Houston, Tokio und Krefeld - aber nur selten in die Oberpfalz. 1984 trat er im "Leeren Beutel" in Regensburg in der Gruppenschau "Heimat deine Sterne" auf. Einer der regionalen Künstler, die woanders Beachtung fanden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.