Kinocenter Nittenau
Kultkino in der digitalen Zeit

Das Kino in der Regentalstraße zieht viele Cineasten aus der Region an.
Kultur
Nittenau
26.02.2016
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Franz und Christine Mauerer betreiben das Kinocenter mit Hingabe. Sie sind an 364 Tagen im Jahr im Geschäft. Bilder: doz (4)
 
So sieht analoges Kino aus: Der 35-Millimeter-Projektor könnte theoretisch jetzt noch genutzt werden.

Müsste man Franz und Christine Mauerer mit einem berühmten Filmpaar vergleichen, fiele die Wahl wohl schnell auf Bonnie und Clyde. Nicht etwa wegen ihrer kriminellen Energie. Sondern als Ausdruck dafür, wie unzertrennlich beide sind.

Das kommuniziert Christine Mauerer auch so: "Uns gibt es miteinander oder überhaupt nicht." Sowohl das harmonische Miteinander der beiden, als auch ihre Leidenschaft für das Kinocenter, das sie seit 1992 führen, merkt man den zwei Nittenauern an. Franz Mauerer verbrachte seine Kindheit im Kino. Seine Oma betrieb es. Sie hatte 1947 das "Filmtheater" in der Kolpingstraße eröffnet, das es bis 1972 gab und letztlich schließen musste, weil Fernsehen und Videofilme eine zu große Konkurrenz darstellten. Als Winnetou auf der Leinwand erschossen wurde, sei der heute 56-jährige Franz Mauerer "fix und fertig" gewesen. Bei den zwei Teilen des Films "Porky's" habe er sich von der ersten bis zur letzten Minuten schlapp gelacht. Es ist die Liebe zu den Filmen, die in diesen Geschichten steckt.

Diese Leidenschaft hatte schon sein Vater, der nach zehn Jahren, in denen es in Nittenau kein Kino gab, wieder eines eröffnete. Der Beweggrund ist ein romantischer. Denn als Franz Mauerers Vater in Amerika Urlaub machte, sah er eine große Menschenschlange. Sie stellten sich vor einem Filmtheater an. Also dachte sich der Oberpfälzer: Was in den USA gut ankommt, könnte in Nittenau auch klappen.

Viel Geld investiert


1992 hat er das Geschäft seinem Sohn Franz und seiner Frau Christine übergeben, die aber schon seit der ersten Stunde dabei waren. Die beiden sind an 364 Tagen im Jahr im Geschäft - meistens beide, selten einer alleine. Wenn sie Urlaub machen, dann lediglich ein paar Tage - und nur getrennt, weil einer im Kino sein muss. Jeden Samstag, Sonntag und Feiertag kümmern sie sich um ihre Gäste. Die drei Kinder des Ehepaars sind schon erwachsen (18, 23 und 25 Jahre). Sie helfen zwar im Betrieb mit, gehen aber alle selbst einer Arbeit nach.

Ein gewichtiger Grund, wieso sich Franz und Christine Mauerer das antun ist, dass sie den Umgang mit Menschen lieben. Sie sagen: "Jeder ist bei uns willkommen. Niemand wird hier einfach nur so abgefertigt. Wir werden von vielen liebevoll als Kultkino bezeichnet." Zum Ruf tragen allerlei Aktionen bei. Als "Fluch der Karibik" lief, stand im Hof ein Holzschiff, das die Mauerers zur Bar umfunktionierten. Sie luden zu einer "Herr der Ringe"-Nacht und führten auch schon alle "Scream"-Teile auf. Dabei zogen sie sich die Maske des gruseligen Protagonisten sowie eine schwarze Kutte über und schlichen sich an die Gäste heran, um sie zu erschrecken. Es gab aber auch bereits ein Kinderfest mit Hüpfburg. Außerdem waren unter anderem schon Schauspielerin Gisela Schneeberger und der bayerische Kult-Regisseur Marcus H. Rosenmüller zu Gast im Kinocenter.

Das Ehepaar lässt sich immer wieder etwas einfallen und betont auch: "Wir sind professionell." Was sie damit meinen? Etwa, dass sie 2009 in die Digitalisierung ihres Kinos einen sechsstelligen Betrag investiert haben. Für so einen kleinen Betrieb ist das eine "finanziell hohe Herausforderung". Zwei der drei Kinosäle sind seitdem 3D-fähig. Die offizielle Inbetriebnahme sah so aus, dass sich das Ehepaar in einem ihrer Säle "Avatar" anguckte. Sie waren sofort begeistert von der "traumhaften Machart".

"Kleine Kinos kämpfen"


Die Technik ist auf einem guten Stand. Statt eines 35-Millimeter-Projektors bringt ein Server die Streifen auf die Leinwand. Heute verschicken die Verleiher ihre Filme auf einer Festplatte zu den Kinobetreibern. Ein Freigabe-Schlüssel wird per E-Mail geschickt und bestimmt, von wann bis wann der Streifen freigeschaltet ist. Die Digitalisierung ist für das Ehepaar Fluch und Segen zugleich.


Uns gibt es miteinander oder überhaupt nicht.Christine Mauerer über sich und ihren Mann

Das Geschäft lohnt sich noch, sagen die beiden Kinobetreiber. Sie gestehen aber auch: "Alle kleinen Kinos kämpfen ganz schön." Die beiden wollen noch mindestens zehn Jahre arbeiten - schließlich sind sie beide erst 56 Jahre alt. Leicht wird das in Zeiten von Netflix und Multiplex-Kinos bestimmt nicht. Dagegenhalten können Franz und Christine Mauerer dafür mit einem der kultigsten Kinos der Region.

Hintergrund
Projektor Jahrzehnte im Einsatz
Der 35-Millimeter-Projektor, der im Technikraum des Kinocenters steht, ist theoretisch immer noch funktionstüchtig und leistete schon gute Dienste. Denn das Gerät war sowohl im 1947 eröffneten "Filmtheater", als auch im Kinocenter bis 2009 im Einsatz.

Von der Festplatte auf die Leinwand
Die Digitalisierung hat Vor- und Nachteile. Früher sei es laut Franz Mauerer als kleines Kino schwer gewesen, große Filme bald nach dem Start zu bekommen. Verleiher hatten nur eine begrenzte Anzahl an Filmrollen. Heute werden die Streifen auf Festplatte kopiert und das Problem des mangelnden Angebots herrscht nicht mehr.

Dafür haben große Kinos nun die Möglichkeit Blockbuster wie "Star Wars" parallel in mehreren Sälen laufen zu lassen. Außerdem haben die Streifen eine kurzlebige Dauer: "Wir müssen sie von Anfang an spielen, sonst fallen uns die Leute weg." Viele Filme erscheinen schon nach drei Monaten auf DVD, Blu-Ray und in diversen Online-Videotheken.

Schulkino-Woche und heiße Doku
Das Kinocenter beteiligt sich an der Schulkinowoche und zeigt von 14. bis 18 März interessante Streifen für Kinder und Jugendliche (siehe Link). Außerdem läuft am Mittwoch, 2. März, um 19.30 Uhr die Dokumentation "Bárðarbunga - Inferno aus Lava und Glut".

Weitere Informationen:

www.schulkinowoche.bayern.de www.visionkino.de


Oscar-PrognoseAm Sonntag, 29. Februar, werden in Los Angeles zum 88. Mal die Oscars verliehen. Wer gewinnt? Experten und Fans diskutieren schon länger. Auch "Der neue Tag" wagt eine Prognose in den wichtigsten Kategorien:

Bester Film

Einen klarer Favorit hat sich in dieser Kategorie noch nicht herauskristallisiert. Viele amerikanische Kritiker schwärmen von "Raum" in den höchsten Tönen. Der Film läuft in Deutschland erst Mitte März an. Gute Chancen hat sicherlich auch "The Revenant", der bereits einen Golden Globe für den besten Film in der Kategorie Drama erhielt und der actiongeladene "Mad Max: Fury Road", wegen seiner außergewöhnlichen Machart. Außerdem sind nominiert: "The Big Short", "Bridge of Spies - Der Unterhändler", "Brooklyn", "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" sowie "Spotlight".

Bester Hauptdarsteller

Die eindeutigste Kategorie: Den Goldjungen muss Leonardo DiCaprio für seine Darbietung in "The Revenant" mit nach Hause nehmen. Nominierte: Eddie Redmayne ("The Danish Girl"), Michael Fassbender ("Steve Jobs"), Bryan Cranston ("Trumbo") und Matt Damon ("Der Marsianer - Rettet Mark Watney").

Beste Hauptdarstellerin

Auch hier sagen viele amerikanische Kritiker, dass "Raum" mit ihrer Hauptdarstellerin Brie Larson abräumt. Weitere Nominierte: Cate Blanchett ("Carol"), Jennifer Lawrence ("Joy - Alles außer gewöhnlich"), Charlotte Rampling ("45 Years"), Saoirse Ronan ("Brooklyn").

Bester Nebendarsteller

Hier fällt wohl die Entscheidung zwischen Tom Hardy ("The Revenant") und Sylvester Stallone ("Creed - Rocky's Legacy), der sich bereits den Golden Globe holte. Nominierte: ("The Big Short"), Mark Ruffalo ("Spotlight"), Mark Rylance ("Bridge of Spies - Der Unterhändler").

Beste Nebendarstellerin

Ganz klar, Jennifer Jason Leigh sichert sich mit ihrem abgedrehten Schauspiel in "The Hateful 8" den Oscar. Nominierte: Rooney Mara ("Carol"), Rachel McAdams ("Spotlight"), Alicia Vikander ("The Danish Girl") und Kate Winslet ("Steve Jobs")

Weitere Kategorien

Für die beste Regie könnte nach "Birdman" abermals Alejandro González Iñárritu für "The Revenant" ausgezeichnet werden, aber auch George Miller ("Mad Max: Fury Road") hat gute Chancen. Für die beste Kamera wird wohl Emmanuel Lubezki zum dritten Mal hintereinander für seine Arbeit in "The Revenant" ausgezeichnet. Er erhielt den Oscar in den vergangenen zwei Jahren für "Gravity" und "Birdman". Der Oscar für den besten Animationsfilm geht sicherlich wieder an Pixar für ihren erstklassigen Streifen "Alles steht Kopf". "Star Wars: Das Erwachen der Macht" muss nicht unbedingt leer ausgehen. John Williams hat gute Chancen; mit Ennio Morricone, der den Soundtrack für "The Hateful 8" komponierte, aber auch einen starken Konkurrenten. (doz)
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