Letzte Sonaten zum Abschluss

Mit dem vierten Gesprächskonzert mit Kurt Seibert endete die Reihe der "Sommerlichen Rathauskonzerte" in Nittenau. Bild: Tietz
Kultur
Nittenau
11.08.2015
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Beethovens Idee war es, in Musik eigene Vorstellungen vom Leben darzustellen, also abstrakt das Gleiche zu tun, was sich Dichter in den Aussagen ihrer Werke - vor allem in Gedichten - auch vornehmen.

Trotz Hitze sind im Foyer des Rathauses etliche Besucher erschienen, um das letzte der vier Gesprächskonzerte mit Kurt Seibert zu erleben. Der Nittenauer Bürgermeister Karl Bley bedankt sich bei ihm für die großartige Erledigung der Aufgabe, den Zuhörern Beethovens Denken und Schaffen näher zu bringen.

Acht Tonarten

An diesem sonntäglichen Nachmittag widmet sich Kurt Seibert den beiden letzten Klaviersonaten, die Ludwig van Beethoven 1821 geschrieben hat. Nach einem ruhigen Hauptthema wird der erste Satz schnell lebhaft, bearbeitet sein Thema in der Durchführung in acht verschiedenen Tonarten mit unruhigen Begleitfiguren im Bass, endet jedoch in verhaltenen Piano-Achteln. Sehr schnell der Scherzo-Satz, von verschobenen Rhythmen geprägt.

Gassenhauer verarbeitet

Im beschwingt tanzenden Trio verarbeitete Beethoven zwei Wiener Gassenhauer, die Seibert speziell herausstellt. Dann aber der ungewöhnliche letzte Satz. Zunächst ein Rezitativ, der in einen "klagenden Gesang" mündet. Eine Fuge schließt sich als Kontrast an. Und wieder das vorige "Arioso", jetzt "ermattet klagend". Die Fuge ertönt wieder, jetzt in Umkehrung, sie dient zur Darstellung dessen, wie sich der Gemütszustand "nach und nach wieder auflebend" gestalten kann. Man merkt Seiberts Spiel richtig an, wie sehr ihn Beethovens Denkvorgang bewegt.

Nach der Pause erklingt die 32. Klaviersonate c-moll op 111, also die letzte, die der Komponist verfasst hat. Die Tonart bedeutet für Beethoven viel. Immerhin stehen die Klaviersonate op 13, die "Pathetique", oder die 5. Symphonie op 67, die "Schicksalssymphonie", die Seibert beide extra nennt, in eben dieser Tonart. Die Sonate op 111 ist zweisätzig, verarbeitet aber dennoch viele Motive. Eine majestätische Einleitung mündet in einen fugierten schnellen Satz, dessen stürmischer Ablauf nur einen einzigen Ruhepunkt kennt.

Es folgt eine "Arietta", die trotz des verkleinernden Namens in sechs umfänglichen Variationen das Thema verschiedenartig beleuchtet. Dabei sind die Tonfolgen mal ruhiger, mal sehr lebhaft, auf jeden Fall wirken sie geheimnisvoll. Dass Beethoven besondere Tonkombinationen erzeugen will, dafür sprechen auch die ausgefallenen Taktbezeichnungen wie 6/16, 9/16 und 12/32-Takt.

Ergreifend dargestellt

Seibert gelingt es, alle diese Umstände nicht nur zu erklären, sondern auch ergreifend darzustellen. Berücksichtigen muss man dabei, dass die enorme Tageshitze in dem Foyer kaum mehr abgemildert werden kann, was für den vortragenden Interpreten zusätzlich eine enorme physische Anstrengung bedeutet.
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