Lipsia-Quartett spielt bei Nittenau Vocal"
Selten faszinierende Klänge

Manche Werke Max Regers sind wahre Schmuckstücke, die aber selten gespielt werden. Bei "Nittenau Vocal" rückt das "Lipsia-Quartett" gemeinsam mit Professor Kurt Seibert (hinten, stehend) solche Kompositionen ins rechte Licht. Bild: Reinhold Tietz
Kultur
Nittenau
28.05.2016
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Max Reger ist seit 100 Jahren tot, bleibt aber dennoch unvergessen. Bei der Veranstaltungsreihe "Nittenau Vocal" erklingen zum Gedenken an das Todesjahr des Musikers selten gespielte Werke von ihm.

Vorab informiert Professor Kurt Seibert über das Max-Reger-Forum, welches das Gedenken an den großen Komponisten in den Städten Leipzig, Berlin, Bremen und eben Nittenau speziell fördern soll. Besonders erwähnt Seibert das Klavierquintett C-Moll, das Reger 1897/98 in Wiesbaden geschrieben hat und das "völlig unverdient in völlige Vergessenheit geraten ist", wie der Professor meint.

Professor Hanns-Martin Schreiber von der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" in Leipzig weist darauf hin, dass die schwierigen Werke von Max Reger dem Publikum umso dringlicher nahegebracht werden müssten. Reger hat 310 Lieder geschrieben, von denen sehr viele unbekannt geblieben sind. Umso verdienstvoller ist es, dass an diesem Konzertabend Lieder von Reger vorgetragen werden.

Exakte Darstellung


Zuerst gestalten Benedikt Eder (Bariton) und Katharina Khodos (Klavier) die "Sechs Lieder für mittlere Stimme mit Begleitung des Pianoforte" op. 35 in der ruhigen und innigen Weise, die von Themen wie "Der Himmel hat eine Träne geweint" (Friedrich Rückert), "Traum durch die Dämmerung" (Otto Julius Bierbaum) oder "Du liebes Auge" (Otto Roquette) verlangt werden. Ferner gelingen auch die reichhaltigen Gelegenheiten, Stimmungen im Gesang genau darzustellen und auf dem Klavier eindrucksvoll zu unterstützen.

Es folgen die "Acht Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte" op. 43, die Josephine Renelt (Sopran) und Mayuko Obuchi (Klavier) vorstellen. Auch hier gibt es ruhige Darstellungen, aber ebenso aufregende Themen, welche die Sängerin mit großer Stimme und die Pianistin mit gesteigerter Virtuosität vortragen.

Gefühle bleiben


Wenn "Die Betrogene spricht" (Anna Ritter), wird sie bei der Aussage "Liebster, was tatest du mir!" sehr heftig. Selbst die Beschwörung "Sag' es nicht, geliebtes Herzchen" (Oskar Wiener) ist lebhaft vorzutragen, um die Wirkung zu steigern. Beide Liedfolgen hinterlassen jedenfalls bei den Zuhörern eine tiefe Wirkung. Die vier Studierenden der Musikhochschule München überzeugen sie mit ihrer Leistung. Nach der Pause folgt das oben erwähnte Klavierquintett C-Moll. Erst 1922, also sechs Jahre nach dem Tod Regers, wird es in Düsseldorf uraufgeführt. Nun spielt es das "Lipsia Quartett" - vier Studierende der Musikhochschule Leipzig. Den Klavierpart übernimmt Seibert.

Lebhafte Unruhe, die durch die Vorschrift "Agitato" schon gefordert ist, prägt die Interpretation des Anfangssatzes. Selbst bei ruhigen Zwischentakten ist der nächste Ausbruch wilder Tonkombinationen nicht weit entfernt. Leicht beschwingt und fast schwerelos zeigt sich das folgende "Intermezzo. Andantino con grazia".

Ein Satz, der beweist, dass Reger auch lockere Momente graziös musikalisch darstellen kann, nicht nur musikalische Gedanken in schicksalhafter Schwermut. Auch der nächste Satz, ein "Adagio con variazioni. Cantabile", präsentiert ein Thema in fein abgestimmter Gesanglichkeit.

Unterschätzte Stücke


Die Variationen bringen darüber hinaus eindringliche neue Tongefüge. Komplizierter ist das "Finale. Presto (ma non tanto - à la Capriccio)". Ruhelos eilt es dahin, zwar nicht zu schnell, aber eben kapriziös infolge ständiger Einwürfe der Streicher oder Akkorde des Klaviers, das eine riesige Tonfülle bewältigt.

Wenn man das Engagement der Musiker bewundert, merkt man, wie sehr dieses Werk sie beeindruckt. Ein wunderschöner Beginn von "Nittenau Vocal" - diese Kombination von selten aufgeführten Liedern und absolut unterschätzter Kammermusik.
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