Miachel Fitz bei "Nittenau Vocal"
Irgendwo, da hinten

Michael Fitz gewährte Einblicke in seine Sicht der Dinge, verpackte sie musikalisch gekonnt. Das Publikum in der Mittelschul-Aula belohnte den Liedermacher mit großem Applaus. Bild: tie
Kultur
Nittenau
31.05.2016
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Michael Fitz musste unters Dach. Aber auch in der Mittelschul-Aula ließ der Liedermacher die Gäste nahe an sich ran. Sogar hinein in seinen Kopf.

"Nittenau Vocal" verließ die klassischen Pfade, das Team um Prof. Kurt Seibert bewies damit, wie weit gefächert der Rahmen der Konzertreihe ist. Kurzfristig wurde das Konzert am Freitag in die Aula der Mittelschule verlegt - des schlechten Wetters wegen. Michael Fitz nimmt "menschliche Dinge, die da so ablaufen" ins Visier und blätterte sie im Verlauf des Abends weiter auf.

So erklärte das erste Lied "Hinter meiner Stirn" in bestem bairischen Sprachgebrauch Idiom die Dinge, die im Leben halt so passieren. Mal vergisst man was, mal "woas ma oiss", je nachdem, "wos hinta meina Stirn grod passiert, wei ma hoit a Unordnung im Hirn hot". Wenn dann eine Frau auftaucht, gibt es zwei gleich doppelt Unordnungen. "Irgendwo da hinten muast du sei", dieses Lied drückte die Sehnsucht nach einer funktionierenden Zweiergemeinschaft in intensiven Wort- und Tonfolgen aus. "Vo jetzt auf gestern" soll Geschehenes von seiner Wirkung her werten. Etwas, das mehr Menschen berücksichtigen sollten.

"Zeit ist wie Gummi" beschäftigte sich mit dem Gefühl, dass die Zeit manchmal davonrennt, und manchmal geradezu stehen zu bleiben scheint. Es gibt natürlich auch Momente, in denen man überzeugt ist, "wenn i schaug, dann siag i oiss". Man meint, durchzublicken. Ob man dann auch richtig handelt, ist eine andere Frage.

Genuss und Verdruss


"Schleudersitz" bekräftigte die Vorstellung, dass derjenige, der einmal Recht hat, immer im Recht ist. Wer könnte das in einer Partnerschaft wohl eher sein? Wer schleudert wem Vorwürfe wegen falschem Verhalten entgegen? Es sind jedenfalls nicht immer nur die Männer. Das Lied "Heid" (Heute) beschäftigte sich mit dem Unterbewussten und dessen Auswirkung auf das Bewusstsein. Oft schwankt man zwischen Genuss und Verdruss. Wenn es schmeckt, bremst man wegen des Gewichts, wenn es nicht so mundet, isst man wenigstens seinen Teller leer. Ein zeitliches Phänomen zeigt "s'tiefer g'legte Leben" auf, in dem es darauf hinweist, dass Gespräche oft unterbrochen werden, weil der eine oder der andere gerade wieder sein Smartphone ruhig stellen muss.

Als Mann mittleren Alters, meint Michael Fitz, sollte man erwachsen sein, also schon wissen könnte, wer man ist. Deshalb nimmt man keine Risiken mehr auf sich, die unnötig sind. Das besagte das Lied "I geh' net auf's Eis" in melodisch eindringlicher Weise. So mündete der abend in eine Art Lebens-Erkenntnis: "I schaug zua, i misch mi net ei". Auch eine Methode, sich von den meisten Dinge im Leben nicht zu sehr aufregen zu lassen. Dann findet auch kein "Weltuntergang" statt, wie der Sänger in seiner Zugabe meinte. Das Publikum zeigte sich begeistert.
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