Romantische Klaviermusik prägt das letzte "Rathauskonzert 2014" in Nittenau
Zwischen Steigerung und Beruhigung

Kultur
Nittenau
22.10.2014
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Eigentlich war vorgesehen, dass Kurt Seibert, der künstlerische Leiter der Rathauskonzerte, Klavierwerke der Klassik vorträgt. Da sich der Vater aber eine Verletzung zugezogen hatte, fielen die vorgesehenen Werke von Ludwig van Beethoven aus. Sein Sohn Christian gestaltete im voll besetzten Foyer des Rathauses allein ein Konzert mit Werken des 19. Jahrhunderts und zwei Stücken aus dem letzten Jahrhundert.

Von Chopin bis Liszt

Mit Fritz Kreislers "Liebesleid" und "Liebesfreud" begann der Vortragsnachmittag. Dieser komponierte die Stücke für Violine mit Klavierbegleitung, Sergej Rachmaninoff schrieb sie für Klavier solo um. Christian Seibert verstand es, den feinen Melodiengesang des Streichinstruments durch abgestimmte Anschlagskultur in Melodie und dazugehöriger Begleitung neu zu gestalten. Rachmaninoffs Übertragung ist dabei mit vielen virtuosen Umspielungen angereichert. Unter Seiberts Händen erwiesen sich diese jedoch untrennbar zugehörig zum Charakter des jeweiligen Titels.

Es folgten drei Werke von Frederic Chopin: Zunächst die "Ballade Nr. 4 f-moll" op 52, die Seibert in elegischer Tonfolge dahinfließend exakt darbot. Das "Nocturne cis-moll" op 27/1 führte in die Welt der feinen Klänge, verwoben zu einer unendlich erscheinenden Melodie mit eingefügten Steigerungen und Beruhigungen. Die "Polonaise-Fantasie As-Dur" op 61 schließlich zeigte tänzerischen Rhythmus in großer Klangfülle, wobei das Hauptthema immer wieder umspielt wird.

Klarheit der Figuration

Danach gab es Musik des Komponisten, der während seines Lebens als bester Pianist der Welt galt: Franz Liszts "Valse Impromptu" bestach in Seiberts Spielweise durch die Klarheit der Figuration und damit durch die Überzeugungskraft der Aussage. Es folgten die drei "Liebesträume" mit den Überschriften "Hohe Liebe", "Seliger Tod" und "Oh lieb, so lang Du lieben kannst". Die dritte Melodie ist die berühmteste. Aber auch die beiden anderen erzeugen eine friedevolle oder sehnsüchtige Stimmung., wenn sie so innig - gemäß ihrer Thematik - dargestellt werden.

Zum Abschluss s spielte der Pianist die "Rhapsodie Espagnole", ein besonders virtuoses und umfangreiches Werk. Diese Kunstfertigkeit bei Liszt verfolgt immer den Sinn, der musikalischen Aussage einen speziellen Glanz zu vermitteln. Die Abwandlungen des Hauptthemas waren technisch tadellos von Seibert gestaltet, überzeugten aber ebenso in ihrer musikalischen Aussage.

Zwei Zugaben

Zwei Zugaben gewährte der Musiker wegen des enormen Beifalls. Erst die "Barcarole Fis-Dur" op 60, dann das "Nocturne g-moll" op 37/1, gespielt in der gewohnten und geschätzten pianistischen Souveränität.
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