Stadtmuseum Nittenau widmet sich verschiedenen Aspekten der Kopfbedeckung
Alles unter einem Hut

Damals wie heute: Uniformmützen betonen die Aufgaben als Funktionsträger. Bilder: Wolke (6)
Kultur
Nittenau
11.06.2016
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Sie schützen das Haupt: Mütze, Badekappe und Feuerwehrhelm.

Von der Königskrone bis zur Bademütze ist es ein langer Weg. Dennoch sind beide Teile eingebunden in den gleichen kulturhistorischen Zusammenhang. Und das Stadtmuseum Nittenau hat noch mehr Aspekte auf Lager.

Von Susanne Wolke

Hut ab: Aus einem vergleichsweise kleinen Thema in der Ausstellungsreihe "Tracht im Blick" hat das Stadtmuseum Nittenau eine ringsherum abgerundete Schau zusammengestellt. "Alles reine Kopfsache!?" fragt der Ausstellungstitel herausfordernd. Tatsächlich steckt hinter der Präsentation mehr als ein kluges Köpfchen, das das Thema Hut in verschiedene Bereiche eingebunden hat.

Da wären nämlich: Zylinder und Hauben, Kronen und Kasperlmützen, Barette und Badehauben. Und noch eine stattliche Anzahl weiterer Kopfbedeckungen, die die Ausstellung in Nittenau allein schon zu einem visuellen Genuss macht.

Und zu einem informativen noch dazu. Denn Museumsleiterin Carolin Schmuck zaubert in der detailverliebt angelegten Schau nicht nur Kaninchen aus Zylindern, sondern erwähnt auch noch so ziemlich alles, was mit dem Thema Kopfbedeckung zu tun hat. "Eine ganze Ausstellung nur mit Trachtenhäubchen wäre zu fad gewesen", befindet Schmuck. Zwar gliedert sich die aktuelle Sonderschau im Stadtmuseum Nittenau ein in die an zahlreichen Museen stattfindende Reihe "Die Oberpfalz packt aus". Allein mit einem folkloristischen Blickwinkel ist es aber beim Thema Hut nach Ansicht von Schmuck nicht getan.

Aus wissenschaftlicher Sicht schwierig sei dies sowieso, erklärt die Museumsleiterin. Denn: Wer sich wann und wo welche Hüte auf den Kopf gesetzt hat, ist nicht ausreichend belegt. Beispiel rote Bänderhaube: Ein Votivbild aus dem 19. Jahrhundert zeigt das auffällige Stück in der Gegend um Nittenau. "Pauschalieren kann man das Tragen der Bänderhaube dadurch aber nicht", betont Carolin Schmuck. Das Bild liefere nicht mehr als folgenden Anhaltspunkt: "In dieser Zeit waren rote Bänderhauben nicht völlig undenkbar."

Hübsch und knifflig


Kein Wunder also, dass Museumsleiterin Schmuck auf wissenschaftliche Spitzfindigkeiten weitgehend verzichtet und lieber eine breit angelegte Schau zusammengetragen hat. Die hübschen Trachtenhauben sind zwar vorhanden. Und zwar die kniffligen Bänderhauben ebenso wie die Riegelhauben, deren Form sich von einer Schleife ableitet. Aber es gibt noch viel mehr. Von der symbolischen Schutzhaube für Kleinkinder bis hin zum Feuerwehrhelm ist alles dabei.

Grundsätzlich teilt sich der Aspekt Kopfbedeckung in drei Bereiche: Statussymbol, Schutz und Mode. Nach diesen Kriterien hat Carolin Schmuck ihre Ausstellung sortiert. Wobei die Bereiche oft ineinander übergehen. Der Zylinder etwa etablierte sich einst als selbstbewusster Bürgerhut, im Gegensatz zu dem im 17. und 18 Jahrhundert den Adligen vorbehaltenen Beamtenhut. Später entwickelte sich das aus Biberfell gefertigte Symbol einer bürgerlichen Gegenbewegung zur reinen Modeerscheinung.

Oder der Trauerschleier: Er diente sowohl als Zeichen der Trauer als auch als Schutz der Privatsphäre der Trauernden. Der Schutz ist sowieso ein fundamentales Element der Kopfbedeckung. Helme bewahren ihre Träger vor harten Gegenständen und vor Feuer, Schafmützen regulierten einst die Kälte in eisigen Schlafkammern. Und Fingerhüte schützen vor schmerzhaften Stichen.

Überraschungen für Kinder


Spielereien wie das kleine Hütchen aus Metall sind typisch für die Ausstellung in Nittenau. Vor allem für Kinder hält Carolin Schmuck versteckte Überraschungen bereit, so dass auch der Playmobil-Ritterhelm und der Schlumpf mit Mütze ihren Auftritt haben.

Der größte Raum der Ausstellung ist den Prachtstücken gewidmet. Kopfbedeckungen aus dem Bereich der Tracht machen hier den größten Teil aus. Aber auch allgemeine Hutmoden werden vorgeführt. Ausladenden Modellen aus der Zeit um 1900 etwa folgte in den 1920er Jahren die völlig entgegengesetzte Form. "Da war fast nichts mehr da." Carolin Schmuck deutet auf kecke Hütchen und kleine Federgebilde, die damals ins Haar gesteckt wurden.

Dass auch die Männer schön sein wollten, zeigt die Museumsleiterin anhand von Strohhüten für den Herrn aus den 1920er Jahren. Eine Vitrine informiert außerdem über die traditionelle Herstellung des Hutes - für jeden Knick im Hut braucht die Modistin eine eigen Form und viel heißen Dampf. Auch Redensarten sind in die Schau mit eingebunden. Sie sind im Hintergrund der einzelnen Vitrinen angebracht. Schließlich lässt sich der Zusammenhang von Haupt, Haube und Hut sprachlich fassen.

Zu guter Letzt kann der Besucher das eigene Hutgesicht austesten. Spiegel und Hutmodelle zum Aufsetzen sind reichlich vorhanden. Eventuelle Juxmacherei nimmt Carolin Schmuck dabei auf ihre Kappe. Spaß ist jedenfalls garantiert. Und das ist die Hauptsache.

ServiceAusstellung: "Alles reine Kopfsache!?" bis zum 2. Oktober

Ort: Stadtmuseum Nittenau, Kirchplatz 2, Nittenau.

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag von 9 bis 11 Uhr, Mittwoch, Samstag, Sonntag und feiertags von 14 bis 17 Uhr.

Das Begleitprogramm bietet unter anderem die Gestaltung eigener Hüte an.

Informationen unter Telefon 09436/902729.

Weitere Informationen:
www.stadtmuseum-nittenau.de
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