Weidener Vokal-Ensemble reflektiert bei "Nittenau Vocal" menschliche Stimmungen
Gesangsquintett mit Können und Witz

Das Weidener Vokal-Ensemble mit Julia Wagner (von links), Bernadette Memmel, Dagmar Röckl, Alexander Hüttner und Peter Pollinger sang in Nittenau "von Liebe, Lust und Leid...". Bild: R. Tietz
Kultur
Nittenau
13.05.2015
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Sogar das eigene Cembalo hat das Weidener Vokal-Ensemble aus seiner Heimatstadt mitgebracht. Das Thema passt gut zum schönen Nachmittag im Foyer des Rathauses in Nittenau. "Von Liebe, Lust und Leid..." zu singen, wenn es allmählich wärmer und sonniger wird. Das reflektiert Stimmungen, mit denen sich der Mensch ständig auseinandersetzt, die sein Leben begleiten. Diese Stimmungen in "Madrigalen der Renaissance und Songs der Gegenwart" zu vergegenwärtigen, hat sich das Weidener Vokal-Ensemble zur Aufgabe gemacht.

Stets tonrein

Julia Wagner (Sopran), Bernadette Memmel (Mezzosopran), Dagmar Röckl (Alt), Alexander Hüttner (Tenor) und Peter Pollinger (Bass) beginnen im gut besuchten -Foyer mit dem Weinglas in der Hand das Madrigal von Erasmus Widmann (1572-1634) "Wohlauf, Ihr Gäste gut..." zu singen. Sie gestalten das Madrigal mit lebhafter Stimme, stets tonrein in lauter wie leiser Tonfülle. Danach erst ein "Zum Wohl!", dann folgt lebhaft das nächste Stück: "Tanzen und Springen" von Hans Leo Hassler (1564-1612). Peter Pollinger erklärt die Ähnlichkeit italienischer und deutscher Gesänge. Grund dafür ist die neue Mehrstimmigkeit und breitere Melodiegestaltung, die sich von Italien aus über Europa verbreitete. Das gilt auch für die folgenden Madrigale von Thomas Morley (1557-1602) und Orlando di Lasso (1532-1594). Etliche moderne Songs folgen. Sofort fällt die rhythmische Überbetonung auf und die textliche Erweiterung zu Witz und Erkenntnis, die zum Lachen anregt. Das beginnt schon mit "Take it easy, Boy" von Leo Mathisen, setzt fort mit "Männer mag man eben" von Hans Unterweger (geboren 1962), wobei die Begründung "...weil in ihnen steckt ein Kind" durchaus diskussionswürdig erscheinen mag. Nach erwartungsvoller Vorfreude endet "Das Rendezvous" von Oliver Gies (geboren 1973) in einer Katastrophe. Einen Text von Joseph von Eichendorff hat Stefan Kalmer (geboren 1955) vertont. "Die Kleine" ist erst froh, wenn die Mutter nicht mehr dazwischen redet, wenn "sie küsst, soviel sie will". Feinsinniger Gesang verdeutlicht das. Ähnlich lebhaft ist das folgende Madrigal von Thomas Morley gestaltet: "Fire, fire" teilt mit, wie man sich fühlt, wenn man um Hilfe ruft und niemand kommt. In kühnen Harmonien erklingt "Too much I once lamented" von Thomas Tomkins (1572-1656) und bezeugt damit ergreifend die Gefühle von Liebeskummer.

"So soll es bleiben" besingt dagegen die Gefühle, wenn man einen Menschen zu finden hofft, der zu einem passt. Und so geht es weiter. Bernadette Memmel spielt auf der Blockflöte "Dantze und Gagliarden" von Erasmus Widmann, tänzerische wie nachdenkliche Stücke, feinfühlend von Peter Pollinger am Cembalo begleitet.

Tierstimmen imitiert

Derweilen wird den Besuchern ein Stück Käse mit Traube gereicht. Madrigale der Renaissance beschließen das Programm. Zuerst "Villanella alla Napolitana" von Baldassare Donati (1530-1603), dann von Adriano Banchieri (1567-1634) "Capricciata" und nachfolgend "Contrappunto alla mente", worin Tierstimmen sängerisch imitiert werden. Als Zugabe erklingt gemäß Wunsch aus dem Publikum nochmals "So soll es bleiben", weil diese optimistischen Töne jeden Hörer freudig stimmen. Das Ensemble hinterlässt aber nicht nur da einen absolut erfreulichen Eindruck.
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