Zerbombte Jugend

Puppen spendeten den Kindern in der Kriegs- und Nachkriegszeit ein wenig Trost. Bild: Wolke
Kultur
Nittenau
04.09.2015
6
0

Kindheit, das ist ein Teddybär, ein Puppenbett, ein lustiges Buch. Dass das auch in der Zeit um 1945 so gewesen sein soll, irritiert bei der Ausstellung "Kindheit und Jugend in Kriegs- und Nachkriegszeit" im Stadtmuseum Nittenau zunächst. Die Schau ist noch bis 4. Oktober zu sehen - mit Exponaten aus der Gegend.

In den Ausstellungsräumen im Nittenauer Stadtmuseum liegen flauschige Kuscheltiere und viele bunte Bücher. Doch der erste Eindruck von einer fröhlichen Kinderwelt während der Kriegszeit täuscht. Der alles andere als heile Alltag kristallisiert sich gerade im großen Ausstellungsraum der Schau erst auf den zweiten Blick heraus.

Zwischen bunten Büchern liegt die Fibel mit den abgedruckten Hakenkreuzfahnen. Das ehrwürdige Bild der Mutter wird zum nationalsozialistisch-ideologischen Frauenbild der Vielgebärenden, Mutterkreuz inklusive. Werbung für Vollkornbrot - "gesund und sparsam" - ist eine Aufforderung, Rohstoffe so weit wie möglich auszuschöpfen.

Persönlicher Charakter

"Die Generation, die noch auf Kriegs- und Nachkriegszeit zurückblicken kann, war damals meist noch in der Obhut der Eltern", heißt es vonseiten des Museums zu dem thematischen Schwerpunkt. Die Exponate stammen aus Nittenau und Umgebung. Erinnerungen von Zeitzeugen geben der Ausstellung einen persönlichen Charakter.

Weitere Räume beleuchten den zeitlichen Hintergrund. Dabei spannt die Ausstellung einen Bogen vom allgegenwärtigen Hitlerbild über Kriegsgefangenschaft bis hin zur Nachkriegszeit mit der Wiederaufrichtung der Bevölkerung in Vereinen. Zwischen Kuscheltieren, Plänen vom Verlauf der Kriegsfront und Blasinstrumenten den roten Faden zu finden, ist für den Besucher allerdings schwierig.

Übersichtlicher scheint der Kinderkatalog zu sein. Hitler-Jugend, Schulalltag oder Sammeln für das Winterhilfswerk sind klar aufgelistet. Auch Details wie der verordnete "Eintopfsonntag" ohne Braten kommen zur Sprache.

Dass Teddybär, Puppenbett und ein verzierter Teller von damals einer völlig entgegengesetzten Welt zugehörten als heute, fasst der Begleittext der Schau in einem letzten Satz zusammen: "So versöhnlich die Erinnerung an die Kindheit auch ausfällt, nicht außer Acht zu lassen ist die Kinderangst. Über das ,Normale' hinaus sorgten der Kriegszustand, Sirenen, Dunkelheit, der drohende Verlust der Angehörigen oder der eigenen Unverletzlichkeit für dunkle Ahnungen vom Schmerz."
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.