Zum 100. Todesjahr von Max Reger erklangen bei „Nittenau Vocal“ Werke des Komponisten
Intensives Eröffnungskonzert

Sie überzeugten beim Konzert (von links): Katharina Khodos, Benedikt Eder, Josephine Renelt und Mayuko Obuchi. Bild: tie
Kultur
Nittenau
27.05.2016
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Das Foyer im Rathaus war schließlich - nach Unklarheiten über den Beginn der Veranstaltung - voller Besucher, als das erste Konzert der Veranstaltungsreihe "Nittenau Vocal" eröffnet wurde. Der große Rahmen, innerhalb dessen der musikalische Abend stattfand, ist das "Max-Reger-Forum", das die Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" Leipzig an verschiedenen Orten zum Gedenken an das 100. Todesjahr des Komponisten veranstaltet. Die Leitung der Kammermusik oblag dem erwiesenen Kenner und Professor an der Leipziger Hochschule Hanns-Martin Schreiber.

Der erste Teil der musikalischen Darbietungen umfasste zwei Liederzyklen. Zuerst wurden die "Sechs Lieder für mittlere Stimme mit Begleitung des Pianoforte" op 35 von Benedikt Eder (Bariton) und Katharina Khodos (Klavier) zu Gehör gebracht. Beide kommen von der Hochschule für Musik und Theater in München. Der Bariton gestaltete die einzelnen Themen verschiedener Dichter in der musikalischen Erweiterung durch Max Reger trotz ähnlichen Anweisungen mit individuell passendem Ausdruck.

Die Klavierspielerin unterstützte seine stimmliche Gestaltung dabei mit einfühlsamer Begleitung. So gab es dreimal "sehr ausdrucksvoll" als Gestaltungshinweis nach dem Titel, der aber wiederum einmal "Dein Auge" (Felix Dahn) betrifft, dann "Flieder" (Otto Julius Bierbaum) und "Wenn lichter Mondenschein um waldige Wipfel schwebt" (Gabrielle d'Annunzio) zum Thema hat. Auch die anderen Hinweise zielten auf langsame und innige Spielweise, so dass man feststellen konnte, Regers Absicht und die Umsetzung durch die Interpreten galt insgesamt einem ruhigen Gesamteindruck dieser Liedfolge.

Passende Gestaltung


Das erste Lied hatte Reger "seinem lieben Freund Josef Loritz zugeeignet". Dieser war bisher der Namensgeber der Nittenauer Konzertreihe. Jetzt wird an diesen berühmten Sänger auch in seiner Heimatstadt nicht mehr musikalisch erinnert. Ganz anders als die Lieder op 35 sind die "Acht Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte" op 43 von Reger konzipiert. Josephine Renelt (Sopran) und Mayuko Obuchi (Klavier) boten sie dar. Auch sie kommen von der Musikhochschule München. Zwar hat der gleiche Komponist die Lieder geschrieben, aber sie sind wesentlich unterschiedlicher in der passenden Gestaltung.

Auch hier zeigten die Musiker die ganze Bandbreite: sehr ausdrucksvoll, aber ebenso sehr bewegt oder lebhaft und schnell. War die Spielweise von Katharina Khodos schon sehr beeindruckend, so musste Mayuko Obuchi noch jede Menge Virtuosität hinzufügen, was ihr tadellos gelang. Und die Sängerin bot dadurch eine souveräne stets stimmige Tongestaltung.

Nach der Pause folgte das "Quintett c - moll für 2 Violinen, Viola, Violoncello und Klavier", ein nachgelassenes Werk, äußerst selten gespielt. Studierende der Musikhochschule Leipzig bilden das Lipsia-Quartett. Sie gestalteten die Streicherstimmen, den Klavierpart spielte Kurt Seibert. Warum dieses Werk erst sechs Jahre nach dem Tod seines Schöpfers uraufgeführt wurde, ist eines der Rätsel der Musikgeschichte. Dass es unbedingt öfter aufgeführt werden sollte, erwies sich in der Spielweise der Interpreten, die den vier Sätzen ihren jeweiligen tiefen Eindruck gaben. Immerhin reichten diese Eindrücke laut Spielanweisung von "Agitato" bis "Cantabile", was jeweils in einem Satz als Haupteindruck zum Ausdruck kommt.

Filigrane Genauigkeit


Wie bei Reger üblich, gab es noch eine Menge weiterer Eindrücke. Die Interpreten jedenfalls nahmen sich dieses zu Unrecht vergessenen Werks mit vollem Einsatz und bewundernswert filigraner Genauigkeit an, womit sie dem schönen Liederabend noch eine ebenso schöne Kammermusik anschlossen.
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