Als sich die Kirche öffnete

Pfarrer Adolf Schöls dankte Diplom-Theologin Beate Eichinger für ihren Vortrag über das II. Vatikanische Konzil. Bild: sir
Lokales
Nittenau
20.04.2015
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Das bedeutendste Ereignis der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert stand im Zentrum der Betrachtungen: der Abschluss des II. Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren. Die weitreichenden Folgen, die daraus erwuchsen, zeigte ein beeindruckendes Referat auf.

Umfangreiche Reformen waren die Folgen des II. Vatikanischen Konzils, das von Papst Johannes XXIII. einberufen wurde. Die Versammlung begann am 11. Oktober 1962 und endete am 8. Dezember 1965 unter Papst Paul VI. Alle katholischen Bischöfe hatten in dieser Zeit Reformen erarbeitet, mit dem Ziel einer Vertiefung des Glaubens und einer Erneuerung der Kirche. Inwieweit dies gelungen ist und mit welchen Aufgaben sich die Kirche derzeit konfrontiert sieht, dazu referierte Diplom-Theologin Beate Eichinger von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Bistum Regensburg.

Aufbruchsstimmung

Nur wenige Zuhörer fanden am Donnerstagabend den Weg ins Haus des Gastes zu dieser Veranstaltung des Pfarrgemeinderates. Am Ende stand für die Besucher fest: "Der Vortrag hätte mehr Publikum verdient gehabt." Originalaufnahmen aus dem Film "Schleifung der Bastionen" mit dem Konzilskommentator Mario von Galli, einem Jesuitenpater, der vor allem die deutschsprachigen Länder euphorisch über die Ereignisse des Konzils unterrichtete, brachten die Aufbruchsstimmung der damaligen Zeit näher. Die Kirche habe sich verändert, so die Sprecherin. "Es kam zu vielfältigen Öffnungen". Das II. Vatikanische Konzil bezeichnete Eichinger als ein kirchliches Ereignis mit besonderer Tragweite, das bis heute nachwirke. Besonders stellte sie dabei die Öffnung der katholischen Kirche zu anderen Religionen und Konfessionen heraus. "Der Papst wollte keinen Debattierclub, sondern ein spirituelles und geistiges Ereignis, aus dem ein Glaubensverständnis spürbar wurde, das die Menschen mit Zuversicht stärken sollte", äußerte sich die Sprecherin begeistert über die Dynamik, das dieses Konzil mit den Visionen von Johannes XXIII. entwickelte.

Die geistigen Erfordernisse der Zeit wahrzunehmen und die Menschen mit ihren Sehnsüchten zu hinterfragen, sei ein wichtiges Ziel gewesen, anders als beim ersten Konzil vor knapp 100 Jahren zuvor. Damals habe sich die Kirche als alleinige Vertreterin der Wahrheit in einer unangefochtenen Kirche gesehen. Papst Johannes XXIII. habe die Sorge um die Menschen und die Nähe zu ihnen umgetrieben. Dabei habe er sich auch nicht von Gegenspielern aus dem Konzept bringen lassen. Dadurch sei eine Öffnung im Konzil erreicht worden, unter anderem ein Bekenntnis zu den Menschenrechten, eine Erklärung zur Religionsfreiheit mit dem Auftrag, "offen, wertschätzend auf andere zuzugehen" und sich um gegenseitiges Verstehen zu bemühen.

"Keine Handlanger"

Vieles sei inzwischen selbstverständlich geworden, so Eichinger. Hier nannte sie den Weltgebetstag der Religionen für den Frieden, der von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1986 erstmals in Assisi und 2011 von Papst Benedikt XVI. zum 25-jährigen Jubiläum wieder dort abgehalten worden sei. Die Laiengesellschaft "Sankt Egidio" habe an unterschiedlichsten Stätten in der Welt diesen Weltgebetstag weitergeführt.

"Kirche ist eine Kirche, die in Bewegung ist", beschrieb die Diplom-Theologin die pilgernde, wandernde und dienende Kirche. Einen breiten Raum nahmen ihre Aussagen zu dem Stellenwert der Laien in der Kirche ein. "Wir sind nicht nur der Wasserträger, die Handlanger der Kleriker", betonte die Referentin und zitierte dabei aus dem Dekret über das Laienapostolat "Apostolicam actuositatem". Hier heißt es: "Die Laien betätigen ihr vielfältiges Apostolat, sowohl in der Kirche, als auch in der Welt. In jeder dieser beiden Ordnungen tun sich die Bereiche apostolischen Wirkens auf."
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