Alte Malereien und bisher nicht öffentlich gezeigte Fundstücke im Fokus
Interessante Einblicke

Diese Funde, die auf der Burg Hof gemacht wurden, konnten zum ersten Mal öffentlich bestaunt werden - ein Deckel eines kleines Gefäßes und mehrere Scherben. Das größte Interesse fand der gefundene Ring. Bild: hfz
Lokales
Nittenau
21.10.2015
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Der "Naturparkverein Vorderer Bayerischer Wald" feiert heuer 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund führe Kreisheimatpfleger Jakob Rester eine Besuchergruppe mit Geschäftsführerin Susanne Deutschländer an der Spitze durch die Burg Hof am Regen. Den Männern und Frauen wurde ein abwechslungsreicher Mix aus Burghistorie sowie Sagen und Geschichten rund um den Jugenberg geboten. Immer wieder gab es interessante Details aus dem mittelalterlichen ritterlichen als auch bäuerlichen Leben zu hören. Zum Abschluss durften die rund 25 Teilnehmer bislang nicht öffentlich gezeigte Fundstücke einer Grabung bewundern - ein Deckel eines kleines Gefäßes und mehrere Scherben.

Derzeit Trauzimmer

Die Entstehung der Burg liegt im Dunkel der Geschichte. Man geht davon aus, dass sie um 1200 errichtet wurde. Die Burgkapelle wurde noch im 20. Jahrhundert als Lagerraum für Holz und Bretter sowie für die Haltung von Kaninchen und Tauben genutzt. Die Malereien, die erst vor rund zehn Jahren vollständig freigelegt wurden, stammen aus der Zeit um 1500 und dürften in der Reformationszeit bereits unter Putz gelegt worden sein. Diese gotischen Wandmalereien werden in der Kunstwelt durchaus als handwerklich qualitativ eingestuft. Es handelt sich dabei um die einzig erhaltengebliebene malerische Ausstattung einer Burgkapelle in der Oberpfalz. Aktuell wird die Kapelle als Trauzimmer des Nittenauer Standesamtes sowie für Konzerte genutzt.

Acht Kurzgeschichten

Auf ihre Kosten kamen bei der Führung auch Liebhaber kenntnisreicher Details. Keuschheitsgürtel - so war zu erfahren - hatten wohl eher eine symbolische oder erotische Bedeutung. Eine Folterkammer wird es wohl nicht gegegeben haben, da Hof nicht Sitz eines Blutgerichtes war. Diebe, Vergewaltiger oder Mörder mussten an bestimmten Übergabepunkten - sogenannten Martern - dem Blutgericht übergeben werden. Kam nun der Pfleger innerhalb dreier Tage nicht zur Abholung, dann wurde der Festgenommene mit einem seidenen Faden an die Marter gebunden und allein zurückgelassen.

Nachdem der Festgenommene den Faden leicht durchtrennen konnte, bedeutete dies faktisch seine Freilassung. Sein Leben hing also sprichwörtlich "am seidenen Faden". Schon 1580 sei - so der Heimatpfleger weiter - in hiesiger Gegend der Hexenglaube nachgewiesen, denn der Pfleger von Wetterfeld meldete den lutherischen Landesvisitatoren, dass in Bruck Hexen seien und man auch einen Drachen fliegen sehe. 1655 sei sogar eine Verbrennung einer angeblichen Hexe aus dem Pflegbezirk in Amberg nachgewiesen. Auch für den Begriff "türmen" hatte der Burgführer eine Erklärung parat. Wenn die Burgbesatzung über eine Leiter bei Gefahr in den Turm floh, so nannte man das türmen. Die zweite Bedeutung kennt man heute noch: die Flucht aus einem Gefängnis. Auch dies geht auf das Mittelalter zurück, da sich Kerker früher zumeist in Türmen befanden. Acht Kurzgeschichten aus dem Regental zu den Themen Schätze, Geister, Druden und weiße Frauen rundeten schließlich die Veranstaltung ab.
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