Blick in dunkle Vergangenheit

Schüler der neunten Jahrgangsstufe des Regentalgymnasiums hatten sich umfassend mit der Ausstellung im Stadtmuseum befasst und darüber hinaus auch mit Zeitzeugen gesprochen. So gut vorbereitet konnte sie ihre Informationen und Erfahrungen an die Fünftklässler vermitteln. Bild: sir
Lokales
Nittenau
05.08.2015
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Museen geben Denkanstöße, sich mit der Historie auseinanderzusetzen. Die Klasse 9 c des Regental-Gymnasiums setzte sich weit über den Geschichtsunterricht hinaus mit dem Nationalsozialismus auseinander, bezog auch die aktuelle Ausstellung im Stadtmuseum "Kindheit und Jugend in Kriegs- und Nachkriegszeit" ein.

Museen erzählen von der Vergangenheit. Gerade die Nazizeit spielt aber noch kräftig in unsere Gegenwart hinein. Im Geschichtsunterricht bereiteten die Schüler das düstere Kapitel "Nationalsozialismus" mit ihrer Lehrerin Maria Schmid auf. Teilweise eigenständig durchstreiften sie die Ausstellung im Stadtmuseum, unterstützt von Leiterin Carolin Schmuck. "Gegenstände kommunizieren nicht von selbst, sondern wollen erschlossen und in ihrer eigenen Sprache verstanden werden", so Schmuck.

Auf eigene Faust

Diesem Anliegen widme sich die Museumspädagogik und entwickle Ansätze, um vor allem jungen Menschen historisches Bewusstsein zu vermitteln. Erfahrungs- und Lernprozesse sollen in Gang gesetzt werden. Eine Möglichkeit, eine eigenständige Auseinandersetzung junger Menschen zu forcieren, bietet das Vermitteln von Sachverhalten durch ältere Schüler an jüngere. Florian Siegmar und Simon Heimerl erzählten, dass sie teilweise auf eigene Faust unterwegs waren, die Schaukästen erkundet hatten. Darüber hinaus hatten sie mit Zeitzeugen gesprochen, beispielsweise auch mit dem inzwischen verstorbenen Max Götzer.

Konfrontiert mit diesen Erinnerungen, die man in keinem Geschichtsbuch findet, bekamen die Exponate im Museum eine weitreichendere Bedeutung. "Wir haben sehr offene Leute interviewt", zeigten sie sich beeindruckt. Teilweise habe es sich um recht traumatische Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen gehandelt.

Schwerpunkte gesetzt

Viele Themen seien zur Sprache gekommen. Wie war das, wenn man zur Hitlerjugend musste? Mussten alle Kinder in die Hitlerjugend eintreten? Mussten Kinder, die als "asozial" abgestempelt wurden, ins Heim? Viel Zeit wandten die Schüler mit den Zeitzeugen-Gesprächen auf.

Deren Geschichten schufen Verbindungen zu den Exponaten wie der Trommel, die den Militarismus der Nazizeit symbolisiert. Im Geschichtsunterricht wurde die Kooperation fortgesetzt: Nach einer intensiven Einweisung durch Carolin Schmuck hatten sich die Schüler selbstständig einen thematischen Schwerpunkt erarbeitet, auch anhand der ausgestellten Objekte. Schließlich erkundete die fünfte Klasse des Regentalgymnasiums gruppenweise die Ausstellung, machte sich Notizen. Im zweiten Durchgang konnten sie sich in unterschiedliche thematische Schwerpunkte vertiefen, wobei ihnen jeweils ein Team der Neuntklässler beiseite stand.

Doppeltes Ziel

"Dieses Projekt verfolgt ein doppeltes Ziel", so Schmuck. Zum einen solle genutzt werden, dass es jüngeren Menschen oft leichter fällt, mit fast Gleichaltrigen ins Gespräch zu kommen. Zum anderen lerne die Gruppe der ,Experten' die intensiven Auseinandersetzung mit einem historischen Sachverhalt und wie er in den Horizont heutiger Jugendlicher übersetzt werden kann. Begleitet wurde das Projekt von Lehrer Peter Poth, der seit Jahren engagiert diese Thematik mit den Schülern auf vielfältigste Art aufarbeitet.
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