Die Bücher und der Tod

Ulrike Neukamm, Dorrit Bauerecker, Elisabeth Wand und Hille Marks führten die Schüler des RTG bei der musikalischen Lesung zur Thematik des Friedens hin. Bild: Schieder
Lokales
Nittenau
08.12.2014
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Die Thematik ist bedrückend. Wenn sich Schulen damit auseinandersetzen, bedarf dies besonderer Erwähnung. Die Geschichte eines Mädchens während der Naziherrschaft wühlt auf. Besonders wenn sie bei einer musikalischen Lesung präsentiert wird.

Die Schüler der neunten bis zwölften Klassen des Regental-Gymnasiums nahmen in ihrer Turnhalle Platz, bereit für die Geschichte eines Mädchens aus dem Zweiten Weltkrieg. "Liesel oder wozu sind Worte gut?", lautete dieses Projekt, das dem Bestseller "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak nachempfunden wurde. Dessen Verfilmung steigerte den Bekanntheitsgrad dieses Werkes.

Durch Jonas Körfer ist die musikalische Lesung "Liesel oder wozu sind Worte gut?" entstanden. Drei Instrumente sind jeweils einem der Hauptcharaktere des Buches zugeordnet. Schulleiterin Petra Weindl hieß dazu Ulrike Neukamm (Oboe), Dorrit Bauerecker (Akkordeon), Elisabeth Wand (Violoncello) sowie Erzählerin Hille Marks willkommen.

Die Gefühlswelt

Weindl hoffte, dass die Schüler nach dieser Aufführung den geschichtlichen Hintergrund der "Bücherdiebin" und somit den Wert von Frieden, der hierzulande herrsche, kennenlernten. Dieses Projekt an die Schule zu bekommen, sei der Unterstützung von Sponsoren, wie Elternbeirat und Förderverein, zu verdanken. Initiiert wurde es von Lehrer Florian Gmeiner.

70 Minuten lang unterstrichen die Instrumente die Gefühlswelt einmal sanft, dann wieder beängstigend oder aufreibend. Die Protagonistin des Werks, Liesel, wächst in den späten dreißiger Jahren als Tochter eines vom Nazi-Regime verfolgten Kommunisten bei einer Pflegefamilie auf. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit ihren neuen Pflegeeltern, lebt sie sich ein. Allerdings wird sie von Albträumen erschüttert, wobei sie Zuflucht bei ihrem Akkordeon spielenden Pflegevater findet, von dem sie auch das Lesen lernt.

Später hat das Mädchen intensiveren Kontakt mit Büchern, die sie stiehlt. Jedoch lernt sie auch die Ideologie und die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Regimes kennen. "Menschen sah man nicht, nur Uniformen und Abzeichen", wie der Tod, der die Geschichte als allgegenwärtiger Begleiter Liesels erzählt, schildert. Ein Jahr nach ihrem Einzug in ihre Pflegefamilie sucht ein Jude, Sohn eines mit dem Vater befreundeten Gefallenen aus dem ersten Weltkrieg, bei der Familie Zuflucht.

Der Tod berichtet

Nach und nach freundet sich Liesel mit ihm an und entwickelt sich zu seiner Beschützerin. Der Hausgast schenkt ihr ein Buch, in dem sie ihre eigene Geschichte niederschreiben soll. Unter den immer größer werdenden Anfeindungen gegenüber Juden zieht der Zufluchtsuchende aus, der Vater wird in den Kriegsdienst eingezogen. Schließlich zieht sich Liesel von diesen Schicksalsschlägen zurück, um ihre Gedanken aufzuschreiben. In dieser Nacht werden alle Bewohner der Stadt durch einen Bombenangriff getötet, nur sie nicht.

Der Tod, der die Geschichte erzählt, meint, dass diese Geschehnisse viele Jahre zurückliegen. Jedoch warnt er vor deren Zerstörungskraft. Der Tod fragte das Publikum direkt: "Wollt ihr wissen, wie ich wirklich aussehe? Seht in einen Spiegel."

Immer begleitet die Musik, einmal fröhlich und ausgelassen, ein anderes Mal launig oder betrübt, die Geschichte des gekürzten Romans. Zum Ende der musikalischen Lesung dankte Peter Poth, Fachschaftsleiter für Geschichte am RTG, dem Ensemble. Poth appellierte an die Schüler, sich mit Büchern über diese Thematik zu informieren.
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