Die Hilfe annehmen

Lokales
Nittenau
04.11.2014
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Eine Genossenschaft, die sich um die Belange alter Menschen kümmert? Es gibt sie und ihre Arbeit verbessert die Lebensqualität. Details sind nun auch in Nittenau bekannt.

Um "Lebensformen im Alter" ging es bei dem Informationsabend im Sitzungssaal des Rathauses, der im Zuge des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) stattfand. Als Referent fungierte Mathias Abbé, einer der Vorstände der Seniorenhilfe "Wir für uns eG" Heroldsbach. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung von Bürgern für Bürger.

Im Oktober 2009 wurde mit einem Bürgerdialog begonnen, bei dem die Frage "Wie steht es mit der Lebensqualität im Alter?" im Raum stand. Etwa zwei Jahre dauerte der Prozess von der Bedarfsklärung über die Konzeptentwicklung bis hin zur "Rekrutierung", dem Gewinnen von Personen, die mitwirken wollten, um anderen zu helfen. Im September 2011 erfolgt dann die Gründung der Genossenschaft.

Anonyme Befragung

Ziel dieser Bürgerhilfe sei es, der älteren Generation eine Teilhabe an den gesellschaftlichen Aktivitäten zu ermöglichen. Aspekte seien dabei eine auch für Bekannte erreichbare, günstig gelegene, altersgerechte und preiswerte Wohnung, eine Nahversorgung durch Ärzte, Apotheken und Gesundheitsdienste sowie die Unterstützung bei schwindenden Kräften, so der Referent. Zur Bedarfsklärung habe es Gespräche mit den Senioren, mit dem Seniorenbeauftragten, Pfarrer, Arzt und Apotheker gegeben. Befragt wurden die Bürger auch per Fragebogen, der dem Amtsblatt beigelegt war. Die Beantwortung sei anonym erfolgt.

Die Zielsetzung lautete dabei in Heroldsbach und Hausen/Oberfranken, dass die Leute zu Hause alt werden und dabei Unterstützung erfahren sollen. Es gelte, Unterstützungslücken zu erkennen und dann zu schließen. Keinesfalls wolle man bei der Bürgerhilfe Konkurrenz zu den professionellen Dienstleistern und Unternehmen sein, betonte Abbé.

Die Hilfe konzentriere sich auf Menschen ab einem Alter von 60 Jahren. Das aufgrund des Bedarfes entwickelte Konzept sehe den Besuch zu Gesprächen, das Begleiten zu Veranstaltungen, das Betreuen von kranken Personen, Fahr- und Bringdienste sowie Unterstützung im Haushalt vor. Darüber hinaus organisiert die Seniorenhilfe medizinische Versorgung oder Pflege, berät über altersgerechtes Wohnen, versorgt Wohnung/Haus bei Abwesenheit, beispielsweise bei einem Krankenhausaufenthalt, berät bei Betreuungsverfahren, informiert über staatliche Altenhilfe und leistet Unterstützung bei Anträgen. Die Hilfe erfolgt im Namen der Genossenschaft. Alle Helfer seien nebenberuflich und ehrenamtlich tätig. Auch seien sie unfall-, haftpflicht- und kaskoversichert, ließ der Referent wissen. Die Mitglieder erwerben einen Genossenschaftsanteil in Höhe von 120 Euro, maximal zehn Anteile. Bei Austritt oder im Todesfall wird dieser Anteil ausgezahlt oder vererbt. Es gibt keine Verzinsung und keine Gewinnausschüttung.

Acht Euro pro Stunde

Jedes Mitglied bestimmt seine Tätigkeit selbst. Überlegt habe man, so Abbé, ob die Hilfe kostenlos sein solle. Da die Menschen sich aber schwer täten, dann diese Hilfe annehmen zu können, habe man sich entschlossen, als Entgelt acht Euro pro Stunde für alle Dienste festzulegen, zuzüglich eventueller Kosten des Helfers, beispielsweise 30 Cent pro Kilometer. Nicht berechnet würden dagegen Anfahrt, Anfahrts- und Pausenzeit, beispielsweise bei einem Arztbesuch.

Der Helfer erhalte 75 Prozent Aufwandsentschädigung und könne wählen, sich das Geld entweder auszahlen zu lassen, an die Genossenschaft zu spenden oder die Hilfe anzusparen als Zeitguthaben für spätere kostenlose Unterstützung. "Es dauert einige Zeit, bis die Menschen sich überwinden, Hilfe anzunehmen", schilderte Abbé seine Erfahrungen. Warum hat man eine Genossenschaft gegründet und keinen Verein? Der Referent sagte, dass die Mitglieder an allen wichtigen Entscheidungen teilnähmen, die ordnungsgemäße Geschäftsführung regelmäßig überprüft werde. Allerdings seien die Verwaltungskosten höher als bei einem Verein.

Bedarfsgerecht

Anschließend ging Mathias Abbé noch auf ein weiteres Konzept ein: dem Schaffen von seniorengerechtem Wohnraum. Mit Fachleuten seien vorab Konzepte diskutiert und entwickelt worden. Im August heuer sei dann eine eigenständige Wohnungsgenossenschaft gegründet worden mit Firmen und Kommunen. Entstanden sei das Projekt "bedarfsgerechtes Senioren-Wohnen im Hirtenbachtal".

Die Planung für das Gebäude mit mehreren barrierefreien Wohnungen und einer Pflegeeinrichtung, die bei Bedarf in Anspruch genommen werden kann, schlage mit Kosten von etwa drei Millionen Euro zu Buche. Es handle sich dabei um eine Modelllösung für Bayern, für die man einen Förderantrag beim Sozialministerium gestellt habe, so Abbé.
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