Ein "Nein" allein genügt nicht

Bernhard G. Suttner referierte zur Thematik der Wunscherfüllung im Zuge der Kurs-Reihe "Stark durch Erziehung". Bild: sir
Lokales
Nittenau
10.11.2014
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"Muss man einem Kind jeden Wunsch erfüllen?" Nein, auf die richtige Dosierung kommt es an, sagt Bernhard G. Suttner, wobei ein Nachgeben zum richtigen Zeitpunkt dienlich ist.

Eine Reihe von Interessenten fand sich zum Vortrag des Erwachsenenreferenten im Stadtmuseum ein. Ursprünglich sollte die Veranstaltung im Haus des Gastes stattfinden, wegen einer anderweitigen Belegung dieses Raumes disponierte man kurzerhand um. Mit diesem Vortrag wurde die Reihe "Stark durch Erziehung" des "Lokalen Bündnisses für Familien im Landkreis Schwandorf" fortgesetzt.

Viele Wahrheiten

"Nein, natürlich nicht", meinte Carolin Schmuck eingangs zur Frage dieses Abends. "Aber man weiß, dass man auch nachgibt." Bernhard G. Suttner, Vater zweier eigener Kinder und eines Pflegesohns sowie mehrfacher Großvater, betonte, dass es in der modernen Pädagogik nicht die eine Wahrheit gebe, sondern viele Wahrheiten. Er ermutige Eltern, ihren eigenen Stil zu entwickeln und zu leben.

Einige wenige Grundregeln gelte es aber zu beachten. Nachhaltige Schäden beim Kind entstünden dann, wenn sich Eltern kriminell verhielten, das heißt, die Kinder körperlich und/oder seelisch verwahrlosen ließen, auch durch Gewalt und auf sexuellem Sektor. Gerade letztere stelle eine dauerhafte Belastung dar. "Nehmen Sie sich vor, ihr Kind gern zu haben", so Suttner. Und dem Kind solle im Alltag gezeigt werden, wie ein erwachsener Mensch das Leben meistere, verantwortlich handle und die Dinge in Ordnung halte.

Der Referent teilte die Wünsche in fünf Kategorien ein. Bei den materiellen Wünschen sei der "Sammler und Jäger" hochaktiv. Der Erwachsene habe im Gegensatz zum Kind gelernt, diese Wünsche einzuordnen. Erlaubnis-Wünsche seien beispielsweise lange aufbleiben, fernsehen, am Computer spielen. Ihnen zugrunde liege die Grundstruktur von Freiheit und Abenteuer. Zuwendungswünsche artikulierten sich in "Bleib bei mir", "Lies mir vor", "Lass mich unter deine Decke". Zeit miteinander verbringen sei das Ziel dieser Wünsche, die auch Erwachsene hätten.

Macht- und Status-Wünsche dagegen träten bei Kindern nicht so häufig auf. Und dann gebe es noch die sogenannten "Seins"-Wünsche, im Sinn von "dass sich ihre Grundlage verbessert". Dies könne nach Trennungserfahrung der Fall sein. Oder bei Krankheit, dass alles wieder heil wird, auch beim Tod eines Menschen oder eines Haustiers. Hier komme man an seine Grenzen. Das Kind habe ein Recht darauf, dass auch diese Wünsche beachtet würden. Wie soll man nun auf diese Wünsche reagieren? Mit einem begeisterten "Ja"? Dies komme sehr selten vor, bedauerte Suttner. Ein "Nein" solle ohne Abwertung (des Kindes) ausgesprochen werden. Äußerungen wie "Hätte gedacht, du bist gescheiter", sollten unterbleiben.

Die Konsumhaltung

Mit einer Aufschubforderung könne bestimmten Wünschen entsprochen werden. Bei der Kompromiss-Lösung gewinnen beide Seiten. Der Wunsch werde zwar nicht erfüllt, dem Kind aber vermittelt, dass sein Wunsch zwar berechtigt, aber nicht erfüllbar sei. Wichtig sei die Konsumhaltung, so der Sprecher. Man solle dazu stehen, "dass man ein Mensch ist und gerne genießt". Diese Einstellung werde häufig schlecht gemacht, sollte aber nicht verdrängt werden.

Von hoher Bedeutung sei die Verzichtsfähigkeit, die dem Kind zu vermitteln sei. Es solle immer das Gespräch mit dem Kind gesucht werden. Gegebenenfalls werde professionelle Hilfe von außen nötig, beispielsweise wenn eine Trennung unvermeidbar ist.
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