Ein Zeichen gegen Rassenhass

Ein schlichtes Holzkreuz erinnert an den polnischen Zwangsarbeiter Zygmunt Marzec. Leo Feichtmeier (im Vordergrund) appellierte, für die Menschenwürde einzutreten. Die Grünen-Stadträte Franz Probst und Elisabeth Bauer (Hintergrund) gestalteten die Gedenkfeier mit. Anstelle des Kreuzes ist die Errichtung eines Mahnmals geplant. Bild: hfz
Lokales
Nittenau
15.11.2014
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Die Nittenauer Grünen erinnerten an den polnischen Zwangsarbeiter Zygmunt Marzec. Die Nazimachthaber hatten ihn am 12. November 1942 im Wald bei Bodenstein hinrichten lassen. Sein Verbrechen war die Liebe.

Etwa 20 Interessierte nahmen am Gedenkspaziergang teil und trafen sich am schlichten Holzkreuz mit der Inschrift "Zygmunt Marzec 1921 bis 1942," Der Nittenauer Ortsverband der Grünen hatte das Kreuz bei der Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestages der Hinrichtung vor zwei Jahren errichtet.

Blicke ausgetauscht

Stadtrat Franz Probst erinnerte an das Schicksal von Zygmunt Marzec, der als 21-Jähriger für seinen Bruder die Zwangsarbeit in Deutschland antrat. Ein anonymer Anrufer habe ihn bei der Polizei denunziert. Er habe eine deutsche Frau vergewaltigt, was keineswegs den Tatsachen entsprach. "Sie hat ihm Zigaretten geschenkt und es wurden Blicke ausgetauscht. Das hat schon gereicht," so Probst. Ohne Gerichtsverfahren sei Marzec im Wald bei Bodenstein exekutiert worden. Erst nach Kriegsende habe die Familie in Polen vom Tod des Sohnes erfahren. Heute, da die freiheitliche Demokratie für junge Menschen selbstverständlich sei, müsse man an diese Zeit und das zugefügte Unrecht erinnern, betonte der Sprecher. Stadträtin und Ortsvorsitzende Elisabeth Bauer legte zum Gedenken Blumen nieder. Leo Feichtmeier zitierte den Spruch "Erinnerung ist die qualvollste Art des Vergessens". Sich bewusst mit Unrecht auseinanderzusetzen, tue weh, müsse aber sein.

Die Menschen sollten gegen Rassenhass und für den Erhalt der Menschenwürde eintreten. Langfristig soll das Holzkreuz durch einen Gedenkstein ersetzt werden. Die Planungen dafür laufen bereits, so Franz Stadler, einer der Organisatoren.

Yannik Horsted, der die Verbindung zu den heute noch lebenden Verwandten in Paris herstellte, berichtete, dass die Angehörigen, wenn sie es einrichten könnten, zur Einweihungsfeier kommen wollten.
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