Eingeschlagene Richtung stimmt

Joachim Schmitz-Klopf (stehend) sowie (sitzend, von links) Michael Seidel, Michael John und Helmuth Ammerl erläuterten die Ergebnisse des ISEK-Prozesses. Bild: Hösamer
Lokales
Nittenau
14.10.2015
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Nittenau wappnet sich für die Zukunft. Das Stadtentwicklungskonzept weist die Richtung und belegt: Viele Weichen sind schon richtig gestellt, an manchen Stellschrauben muss noch gedreht werden.

Der Stadtrat brauchte Sitzfleisch, langweilig wurde es am Dienstag Abend dennoch keine Minute. Was die Stadtentwickler Joachim Schmitz-Klopf, Michael Seidl, Michael John und Verkehrsplaner Helmuth Ammerl als Ergebnis des "Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts" (ISEK) in gut drei Stunden vorlegten, waren Fakten pur. Rund zwei Jahre lang hatten die Planer zusammen mit Bürgern und Verwaltung ausgearbeitet, wie sich die Stadt am Regenknie weiter entwickeln soll, um den Herausforderungen gerecht zu werden.

Ohne Wirtschaft geht nichts - und Michael Seidel sieht hier noch Potenzial vor allem im Einzelhandel und im Tourismus. Die malerische Lage im Regental und das gewachsene Stadtbild sind Pfunde, mit denen Nittenau noch besser wuchern könnte. Das kann aber nicht alleine die Kommune leisten: Adäquate Beherbungsbetriebe gehören dazu, und der Zuschnitt des Angebots auch des Einzelhandels auf den Tourismus. Seidel sieht da Luft nach oben, ebenso bei Warenpräsentation und Laden-Gestaltung. Leerstände in der Innenstadt ließen sich eventuell auch vermindern, wenn kleinere Ladengeschäfte verbunden würden, um größere Flächen zu erreichen. Das Baywa-Areal sieht er als gute Ergänzung, mit einer attraktiven Anbindung könne es auch die Innenstadt stärken. Der vorgesehene Drogeriemarkt stehe auf der Wunschliste der Nittenauer ganz oben. Seidel legte dar, dass der Einzelhandel in der Stadt momentan einen Umsatz von geschätzt 41 Millionen Euro generiere. Möglich wären seinen Berechnungen nach rund 60 Millionen.

Wenn es um den Einzelhandel geht, ist die Frage nach Parkplätzen nicht weit: Hier herrscht zu Spitzenzeiten nachmittags ein Mangel, legte Helmuth Ammerl dar. Aber: Wenn die "Dauerparker" etwa durch Knöllchen von den Kurzzeitparkplätzen gedrängt würden, wäre da schon einiges gewonnen. Quartiersgaragen für Mitarbeiter der Geschäfte und Anwohner in der Innenstadt wären auch hilfreich, daran ließ Ammerl keinen Zweifel. Entspannung könnten schon ein paar zusätzliche Parkplätze am Jahnweg bringen. Die wären schnell zu realisieren.

Die Gestaltungsmaßnahmen in der Innenstadt samt Einbahnregelungen sieht Ammerl positiv. Die Hauptstraße könnte mit geringem Aufwand sogar verkehrsberuhigt werden - wenn der Umgehungsring geschlossen ist und das staatliche Bauamt mitspielen würde. Bislang ist die Hauptstraße noch Staatsstraße. Eine Abstufung wird die Stadt auch so schnell nicht wollen: Zuerst müssten zumindest die beiden Regenbrücken auf Vordermann gebracht werden.

Größtes Verkehrs-Manko ist die Kreuzung am Jahnweg/Brauhausstraße. Einzige Lösung, die etwas bringen würde, wäre ein Kreisverkehr. Der ist aber nur möglich, wenn der Anschluss an die Regenbrücke entsprechend gebaut würde. Kurzfristig zu realisieren ist das nicht.

Ausführlich ging Ammerl auch auf die Radwege in der Stadt ein. Zählungen ergaben, dass der Regentalradweg stark frequentiert wird. Am Stadteingang allerdings werden die Radler alleine gelassen. Eine bessere Beschilderung und eine Führung der Radler in die Innenstadt sieht er unbedingt geboten. Michael John ging ausführlich auf die Herausforderungen ein, die der demografische Wandel für die Stadt mitbringen wird.
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