Er hat Wort gehalten

Professor Kurt Seibert holte im Rathaus-Foyer sein Konzert nach und gab auch entsprechende Erläuterungen Bild: tie
Lokales
Nittenau
02.12.2014
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Im Rathaus-Foyer wurde sowohl eine andere Namensgebung für die "Loritz-Tage" angedacht, als auch ein ausgefallenes Konzert nachgeholt. Mit Werken, die viel zu selten gespielt werden.

Wie versprochen bot Professor Kurt Seibert am Sonntagnachmittag den Teil des Konzerts im Oktober, bei dem er damals wegen eines Unfalls seinen Sohn beim Auftritt allein lassen musste.

Mehr Aufmerksamkeit

Zunächst aber stellten er und Bürgermeister Karl Bley das Programm der "Loritz-Tage" im nächsten Jahr vor. Ferner wurde darüber diskutiert, ob der Name genügend Erkennungswert besitzt, um für diese vor allem vokalgeprägte Veranstaltungsreihe zu werben. Natürlich war Joseph Loritz ein berühmter Sänger und Freund von Max Reger. Aber heute ist er nur noch Kennern ein Begriff. So könnte eine Neutitulierung, die auf die besondere Würdigung von Gesangswerken hinweist, mehr Aufmerksamkeit gewinnen.

Seibert dachte dabei an ein Namensgebung wie "Nittenau Vokal" und dem Untertitel "Joseph Loritz - Tage". Jedenfalls sollte die Stadt, in der alles stattfindet, mitbenannt werden. Die nächsten "Loritz-Tage" finden am Freitag, 8. Mai 2015 (Liederabend), am Sonntag, 10. Mai (Konzert mit unterhaltenden Gesangswerken) und am Sonntag, 17. Mai (traditioneller Opernabend mit der Leipziger Musikhochschule unter dem Titel "Best of...") statt.

Daraufhin setzte sich Professor Kurt Seibert an den Flügel und spielte die "6. Sammlung von Klavierwerken", bestehend aus je zwei Klaviersonaten, Rondos und Fantasien, von Carl Philipp Emanuel Bach. Der zweitälteste Sohn von Johann Sebastian Bach lebte vor allem in Hamburg, weil er dort die Ideen der Aufklärung ausgeprägter verwirklicht fand und deshalb seine Vorstellung von Musik eher meinte, verwirklichen zu können. Wenn man die viel zu selten gespielten Werke nun hört, merkt man erst, welch große Vorbildfunktion der Bach-Sohn auf die nachfolgenden Komponisten ausübte. Seine Musik ist nicht so streng angelegt wie die seines Vaters, dafür aber viel stimmungsvoller.

In kontrastreicher Darstellung zogen die einzelnen Melodien in freier Manier vorüber. Unvermutete Einfälle überraschten immer wieder, fundamentale Stimmungswechsel machten den Verlauf der Musik stets aufs Neue mitreißend. Die Sonaten erreichen selbstverständlich nicht den Umfang wie spätere Werke anderer Komponisten, verfolgen aber schon eine strengere formale Klarheit. Die Rondos bestechen durch kunstvolle Veränderungen der Hauptidee. Die Fantasien endlich wirken mit ihren vielfältigen Modulationen wie freie Improvisationen. Es folgte die erste der 32 Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven, die "Sonate f - moll" op 2/1. Schroff begann das "Allegro". Weich setzte sich die absteigende Melodielinie des zweiten Themas fort. Also auch hier Kontraste in der Stimmgebung. Gesanglich das folgende "Adagio", tänzerisch geprägt das anschließende " Menuetto". Seibert gestaltete diesen Tanzsatz etwas langsamer als üblich, wodurch die Musik eine Ernsthaftigkeit zugewiesen bekam, die ihr sehr gut tat.

Die Aussagekraft

Und wieder ruhelos und scharf der Beginn des abschließenden "Prestissimo", dann eine Melodie, mit "dolce" überschrieben, und zum Schluss wieder äußerste Schnelligkeit und Knappheit der Töne. Wer Seibert spielen hörte, merkte, wie es ihm berechtigterweise darauf ankam, die Aussagekraft von Kontrasten beim Bach-Sohn wie bei Beethoven darzustellen. Das abschließende Werk war die "Fantasie g - moll" op 77 von Beethoven. Hier gab es wieder einen Anfang, der von zwei völlig unterschiedlichen Tonfolgen in Lautstärke und Geschwindigkeit dominiert wird.

Das setzt sich fort, indem der Komponist immer wieder schnelle Passagen und langsame Abschnitte einander abwechseln lässt, bis sich in einem umfangreichen "Allegretto" eine grandiose Schlussmelodie entwickelt. In Seiberts Interpretation war beides voll spürbar, die kontrastreiche Anlage und die gekonnte Umsetzung in Klänge. Damit war das Worthalten des Pianisten zum Gewinn für die Zuhörer geworden.
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