Er war das "soziale Gesicht"

Josef Schilling (Mitte) ging mit einem "lachendem und einem weinenden Auge". Bürgermeister Karl Bley (links) dankte ihm ebenso, wie Geschäftsleiter Jakob Rester. Bild: Mayer
Lokales
Nittenau
28.09.2014
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Der Abschied fiel allen Beteiligten sichtbar schwer. Nach 42 Jahren Tätigkeit in der Stadtverwaltung wurde am Freitag Josef Schilling in den Ruhestand verabschiedet. Sein Wirken im Bürgerbüro, basierend auf sozialer Überzeugung und Hilfsbereitschaft, wird in bester Erinnerung bleiben.

Josef Schilling war über Jahrzehnte hinweg eine feste soziale Größe in der Stadt am Regen. Diese Tatsache stellte Bürgermeister Karl Bley bei der Feierstunde in den Mittelpunkt. Der Rathaus-Chef dankte ihm auch im Namen der Bürger. Viele von ihnen hat Schilling während seiner langen Dienstzeit in Rentenfragen beraten oder im sozialen Bereich mit Arbeitssuche unterstützt, um nur zwei Tätigkeiten zu nennen.

"Die Füße hochlegen"

Schnelligkeit, Kompetenz und Zuverlässigkeit zeichneten den scheidenden Verwaltungsangestellten aus, ließ Bley verlauten. Eine Begebenheit in dessen Leben griff der Bürgermeister noch heraus. Ende der 60er-Jahre zur Bundeswehr eingezogen, habe der gebürtige Nittenauer als einer der Ersten in der damaligen Zeit den Wehrdienst verweigert.

Nun dürfe er sich auf den Ruhestand freuen und könne endlich "die Füße hochlegen, anstatt hier durch die Zimmer und Flure zu hasten", fasste Bley seine persönlichen Wünsche und die der Kollegen im Haus zusammen. Der anschließende große Beifall galt Schilling auch in seiner Eigenschaft als langjähriger Personalratsvorsitzender.

Die "soziale Ader"

"Der Gedanke des Abschieds wurde bis heute verdrängt", räumte Geschäftsleiter Jakob Rester ein. Mit Josef Schilling gehe das "soziale Gesicht der Stadt von Bord". Besonders dessen Kollegialität wollte Rester erwähnt wissen. Er überreichte ihm als Präsent einen Gutschein zum Musical-Aufenthalt in Hamburg. Die Wehrdienstverweigerung erläuterte der künftige "Ruheständler" näher. Er habe damals seinen Zivildienst in einem Altenheim in Augsburg abgeleistet, eine Arbeit, "die viel mehr Spaß machte, als bei der Bundeswehr". Und der Umgang mit den Senioren habe wohl auch seine "soziale Ader" gestärkt. Insofern fand er nach eigenem Bekunden in der Bürgerhilfsstelle der Stadtverwaltung das geeignete Betätigungsfeld. Seine Intention, die Menschen bestmöglich zu beraten und zu begleiten, wurde mit zahllosen positiven Rückmeldungen honoriert.

Oberste Prämisse war stets die Vertraulichkeit und Verschwiegenheit, "wie im Beichtstuhl eben", schmunzelte der 65-Jährige. "Ich habe meine Arbeit gerne erledigt. Jetzt kommt die Zeit, Dinge zu tun, die liegengeblieben sind", ergänzte er. Wenn sein Rat aber gesucht werde, sage er nicht "nein", versicherte Josef Schilling. Ganz von der Bildfläche verschwinden wird das "soziale Gesicht der Stadt" also nicht.
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